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Das steckt hinter der weiblichen Intuition

t-online, Simone Blaß

08.03.2016Lesedauer: 3 Min.
Weibliche Intuition speist sich aus Erfahrung und Bauchgefühl.
Was braucht mein Baby? Mütterliche Intuition speist sich aus Erfahrung und Bauchgefühl. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Intuition, Bauchgefühl, innere Stimme, sechster Sinn - davon ist in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern oft die Rede. Ist es Zufall oder Einbildung, dass Mütter intuitiv im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen? Nein. Es gibt handfeste Gründe für diese geheimnisvolle Fähigkeit.

Da ist die Frau mit den zwei kleinen Kindern, die täglich den gleichen Weg fährt und sich ausgerechnet an dem Tag für einen anderen entscheidet, als es zu einer Massenkarambolage kommt. Sie spricht von einer ihr unerklärlichen Vorahnung, die sie und ihre Kinder gerettet habe. Da sind die vielen Mütter, die behaupten, dass sie es spürten, als ihre Kinder im Krieg starben. Zufall, sagen die einen. Vom sechsten Sinn und Energiefeldern sprechen die anderen. "Wir wissen es nicht. Es gibt keine wissenschaftlichen Erklärungen dafür", sagt die Nürnberger Diplompsychologin und Psychotherapeutin Uta Günther. Für unmöglich hält sie diese Phänomene aber nicht.

Was ist mit der männlichen Intuition?

Interessanterweise berichten deutlich mehr Frauen als Männer über solche Vorahnungen. Der Volksmund spricht schließlich auch immer von weiblicher Intuition. Heißt das etwa, dass Männer – also auch Väter – nicht aus dem Bauch heraus handeln können? Dazu sagt Günther im Gespräch mit t-online.de: "Eine intuitive Entscheidung ist unter anderem von Erfahrungen und Gelerntem geprägt. Sie speist sich aus sehr vielen Aspekten. Natürlich ist das bei Männern genauso wie bei Frauen."

Dass die Intuition trotzdem eher Frauen zugeordnet wird, begründet sie damit, dass diese durch ihre Sozialisation oft einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen hätten.

Intuitiv reagieren wir meist richtig

Eltern kennen auch den intuitiven Impuls. Das beste Beispiel ist das Weinen eines Neugeborenen. Wir können gar nicht anders: Wir suchen es, wollen es hochheben, trösten, ihm Nähe und Schutz geben. Diese Reaktion ist zum einen tief im Gehirn, in unserem limbischen System, abgespeichert. Zum anderen ist sie durch Erlerntes und durch Erfahrungen aus unserer eigenen Kindheit genährt.

Doch häufig werden solche Impulse gerade, wenn es um Kinder geht, von Außenstehenden in Frage gestellt. Dann geraten Eltern in einen inneren Konflikt.

Intuition und Information sind wichtige Wegweiser

Ob Familienbett, Stillen, Impfen oder die Wahl des richtigen Kindergartens - für diese und viele folgende Entscheidungen im Leben mit Kindern gibt es kein Richtig oder Falsch. Um zu erkennen, was für die eigene Familie das Beste ist, sind ein guter Zugang zu den eigenen Gefühlen und das Wahrnehmen der Bedürfnisse aller Beteiligten genauso von Bedeutung wie sachliche Informationen.

Dazu meint die Psychologin: "Eine Mutter ist davon bestimmt, dass sie möchte, dass es ihrem Kind gut geht. Sie ist empathiefähig und in der Lage, die Signale richtig zu deuten. Zu erkennen, was gut ist für ihr Kind und für das Zusammenspiel zwischen ihr und ihrem Nachwuchs."

Unsicherheit blockiert das Bauchgefühl

Viele junge Mütter und Väter von heute sind nicht in einer großen Familie aufgewachsen. Sie haben keine Vorbilder. Sie können sich nur an Ratschlägen und Ratgebern orientieren. Dabei bekommen sie es nicht selten mit wohlwollenden Besserwissern zu tun. Auf das Bauchgefühl zu hören, ist dann ein wirklich guter Rat. Aber er ist nicht immer so einfach umsetzbar. Wenn sie zum ersten Mal die Verantwortung für ein Baby haben, geht das mit Unsicherheit, Unwissenheit und Ängsten einher. Und diese Gefühle blockieren.

Das Kennenlernen des neuen Familienmitglieds ist der erste Schritt, um Intuition zu entwickeln. Auch wenn in den ersten Lebenstagen und -wochen jeder das Baby bewundern möchte, sollten Mütter für Ruhe sorgen und das Wochenbett so gut wie möglich auskosten. Nimmt man sich dafür Zeit, reagiert man bald intuitiv richtig – strenggenommen steckt dahinter, dass man gelernt hat, die Signale des Säuglings zu deuten. Das funktioniert umso besser je entspannter die frischgebackene Mutter ist. Ist sie zu vielen Reizen ausgesetzt, sehr nervös oder ängstlich, dann überlagern sich die Gefühle wieder.

Intuition nicht mit Angst verwechseln

Das Gefühlschaos wird Eltern über die Babyzeit hinaus begleiten. Man denke nur an die klassische Situation, dass das Kind nicht pünktlich von der Schule heimkommt. Oder dass es erstmals abends mit einem Freund unterwegs ist, der schon den Führerschein hat. Was Eltern dann spüren – und was sie womöglich dazu bringt, dem Kind entgegenzulaufen, es zu suchen oder ihm hinterherzutelefonieren – ist in der Regel nicht Intuition, sondern die reine Angst. Sie wird genährt von Bildern, Geschichten und Erfahrungen, die wir, teilweise im Unterbewusstsein, gespeichert haben. Wenn sich Eltern das bewusst machen, können sie ruhiger abwägen, wie groß die Gefahr für das Kind wirklich ist.

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  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld
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