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Fernsehen: Kinder gucken Filme unabhängig von der Altersfreigabe

Auch Bambi ist nicht harmlos  

Wenn Filme Kindern Angst machen

13.12.2017, 14:27 Uhr | Frank Christiansen, dpa

Fernsehen: Kinder gucken Filme unabhängig von der Altersfreigabe. Viele Kinder sehen Filme, die altersmäßig noch nicht geeignet sind. (Quelle: dpa)

Viele Kinder sehen Filme, die altersmäßig noch nicht geeignet sind. (Quelle: dpa)

Filme, die Kinder nicht sehen dürfen, weil sie noch zu jung dafür sind, üben einen großen Reiz aus – wie alles Verbotene. Was passiert, wenn Kinder die "verbotenen" Filme trotzdem schauen, erklärt eine Medienpädagogin.

Das Grauen kam im Kinderprogramm: Statt "Coco – der neugierige Affe" lief am frühen Sonntagmorgen beim Zweiten Deutschen Fernsehen der Grusel-Klassiker "Halloween – die Nacht des Grauens". Nach 29 Minuten und einigen Beschwerden wurde der Irrtum korrigiert.

Eltern achten nicht auf Altersfreigabe

Was beim ZDF ein Ausrutscher war, ist in vielen Haushalten Alltag: Kinder gucken Filme unabhängig von der Altersfreigabe. Für Medienwissenschaftler wie Maya Götz ist das ein größer werdendes Problem.

Was in modernen Spielfilmen auf Kinderseelen einprasselt, ist für die Kleinen schwer zu verarbeiten. "'Die Tribute von Panem' ist ein toller Film", sagt Götz. "Aber was viele Eltern nicht wissen: Da bringen sich Kinder gegenseitig um. Das ist für Kinder als Zuschauer sehr bedrückend und kann Alpträume erzeugen."

Acht- bis Neunjährige besonders gefährdet

Besonders gefährdet seien die Acht- bis Neunjährigen. 60 Prozent gaben von ihnen gaben bei einer Befragung zu, beim Fernsehen Angst zu haben. Meistgenannter Angstmacher ist laut der Studie die Serie "The Walking Dead" mit einer FSK-Altersfreigabe ab 18 Jahren. "Wie kann das sein? Wieso verhindern die Eltern das nicht?", fragt Götz.

Eltern unterschätzen die FSK-Einstufung

Die Medienwissenschaftler beim Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München haben festgestellt, dass die meisten Eltern die FSK-Einstufung als freundliche Empfehlung unterschätzen: "Dabei ist das der Hinweis, das Kinder durch den Film in ihrer Entwicklung voraussichtlich Schaden nehmen, wenn er für sie nicht freigegeben ist", sagt Götz.

Jüngere Geschwister gucken mit

Gefährdet seien besonders die jüngeren Geschwister, die mit den älteren Fernsehen gucken. Die Wissenschaftlerin hat nun mit der Landesanstalt für Medien NRW eine Unterrichtsreihe für Lehrer entwickelt. "Das ist angelegt für eine Vertretungsstunde – statt Schiffeversenken", sagt Götz. Weil Lehrer relativ wenig Einfluss auf das haben, was Schüler zu Hause treiben, gibt es eine Elterninformation dazu. "Ideal wäre natürlich ein Elternabend."

Die Reihe, erschienen im "TV Profiler", solle Kindern helfen, mit Ängsten besser und bewusster umzugehen, sagt Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW. Darüber hinaus sollen sie in ihrem Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden – gegenüber sich selbst und anderen, etwa kleineren Geschwistern.

"Der weiße Hai" ist kein harmloser Tierfilm

Götz hat Beispiele für die Folgen falschen TV-Konsums gesammelt: "Wir haben einen 26-Jährigen kennengelernt, der als Sechsjähriger "Der weiße Hai" sehen durfte – weil sein Opa dachte, es sei ein harmloser Tierfilm." Wie tief ihn dieses traumatische Erlebnis beeindruckt hat, spürt der Student noch 20 Jahre später: "Er hat immer noch Angstattacken beim Baden in bayerischen Seen."

"Die Monster waren früher nicht so gruselig"

Die immer ausgefeiltere Computeranimation macht moderne Gruselschocker zum echten emotionalen Problem: "Die Monster waren früher nicht so gruselig, da sah man bei den Mumien das Klopapier und es krochen auch noch keine Käfer aus dem Mund." Viele Kinder reagieren darauf mit Alpträumen, sie verarbeiten das Gesehene im Schlaf.

Filme "demaskieren"

Die Eltern sollten beim TV-Konsum ihres Kindes mindestens in Hörweite sein um mitzubekommen, was sich die Kleinen reinziehen, rät sie. Wenn ein Kind sichtbar Angst hat, sollte es mit dieser nicht alleingelassen werden: "Beruhigen, in den Arm nehmen, Fernseher ausmachen."

Ab dem Grundschulalter helfe gegen die Angst auch, auf die Machart zu verweisen: "Wie geht ein Kinderfilm aus? Gut." Oder: "Da kommt wieder böse Musik, hörst du." "Demaskieren" nennen das die Medienpädagogen.

Verstörendes in harmlosen Kinderserien 

Schwierig wird es auch für problembewusste Eltern, wenn in harmlosen Kinderserien plötzlich Verstörendes zu sehen ist: "Bei 'Sponge Bob' taucht plötzlich ein Pirat mit einem Geisterschiff auf, das viele Kinder gruselt. Bei den 'Simpsons' gibt es eine einzelne Halloween-Folge, die mit der Altersfreigabe ab zwölf eingestuft wurde.

Auch "Bambi" macht Angst

Auch die Klassiker bergen Untiefen: "Die Szene im Disney-Klassiker "Bambi", in der die Mutter stirbt und Bambi alleine im Wald ist, macht Vorschulkindern enorme Angst – ist aber damals nicht als Problem erkannt und mit FSK 0 eingestuft worden."

Datenbank gibt Eltern Überblick

Ist dieser Film schon etwas für Vierjährige? Welcher Zeichentrickfilm interessiert Sechsjährige? Hilfe bei dieser Entscheidung finden Eltern in der Datenbank der Seite Kinderfilmwelt . Sie ist ein Angebot des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Die Datenbank gibt einen schnellen Überblick für jede Altersgruppe. Außerdem finden Eltern eine kurze Beschreibung des Filminhalts.

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