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Cyber-Grooming: Wie Eltern reagieren sollten

Cyber-Grooming  

Kinder fühlen sich schnell schuldig

28.09.2016, 07:43 Uhr | dpa-tmn, dpa

Cyber-Grooming: Wie Eltern reagieren sollten. Die Täter geben sich beim Cyber-Grooming als Kinder aus und bauen zunächst Vertrauen auf. (Symbolfoto) (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Täter geben sich beim Cyber-Grooming als Kinder aus und bauen zunächst Vertrauen auf. (Symbolfoto) (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Aus einem harmlos wirkenden Chat im Internet kann sexueller Missbrauch werden. Cyber-Grooming heißt die Masche, bei der sich Erwachsene an Kinder heranmachen. Wie Eltern reagieren sollten, wenn ihr Kind betroffen ist.

Cyber-Grooming passiert in Chats, sozialen Netzwerken oder beim Spielen von Onlinegames: Harmlose Dialoge verwandeln sich in sexuelle Anmache. Betroffen sind Kinder und Jugendliche, die von vermeintlich Gleichaltrigen angeschrieben werden.

Erst Vertrauen aufbauen, dann Nacktbilder fordern

In Wirklichkeit verbergen sich dahinter aber meist Erwachsene mit sexuellem Interesse an Kindern. Sie versuchen anfangs durch unverfängliche Themen, Vertrauen zu den Kindern aufzubauen. Später verlangen sie dann intime Bilder oder wollen sich sogar treffen.

"Wenn Kindern oder Jugendlichen so etwas passiert, ist ihnen das sehr peinlich", erklärt Susanne Rödiger. Sie ist Medienpädagogin bei "Juuuport", einem Portal, das von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt getragen wird. Auf dem Portal beraten ausgebildete Jugendliche Gleichaltrige, die im Netz belästigt werden.

"Muss dir nicht peinlich sein"

Die Scham sei das größte Hemmnis, sich Eltern oder Freunden anzuvertrauen, sagt Rödiger. "Außerdem kommt es natürlich sehr stark auf das Vertrauensverhältnis zu den Erwachsenen an." Wenn sich Kinder in einem Fall von Cyber-Grooming an ihre Eltern wenden, sei die erste Reaktion sehr wichtig. Die müsse lauten: "Was da passiert ist, muss dir nicht peinlich sein. Es ist richtig, dass du auf mich zugekommen bist."

Beweise sichern

Wenn möglich, sollten sich Eltern den Chatverlauf zeigen lassen und einen Screenshot machen. Nur so kann die Anmache im Netz zur Anzeige gebracht werden. Außerdem sollte man den Chatpartner dem Betreiber der Website oder des Chats melden. "So verhindert man, dass derjenige andere anschreibt", erklärt Rödiger.

Adressen und Badefotos nicht preisgeben

Können Eltern ihr Kind davor schützen, dass es im Internet angemacht wird? "Eine umfassende Kontrolle ist natürlich nicht möglich." Aber Eltern können mit ihren Kindern besprechen, was sie von sich in Chats preisgeben: Der Nachwuchs sollte mit Namen, Adressen, Urlaubsbildern im Bikini oder Badehose und anderen Daten geizig umgehen.

Auch Telefonnummern sollten Chatpartner auf keinen Fall bekommen. "Wichtig ist auch, sich bei Chats nicht gleich in private Chats zurückzuziehen, nur weil man dazu aufgefordert wird", rät Rödiger.

Auf seltsame Fragen achten

Während des Chatverlaufs sollten Kinder immer wieder hinterfragen: Schreibt der andere so, wie ich das auch von meinen Freunden kenne? Oder stellt der oder die mir komische Fragen? Wenn jemand nachhakt: "Was trägst du gerne für Unterwäsche?", muss man stutzig werden, sagt die Medienpädagogin.

Chatpartner niemals allein treffen

Eltern sollten ihrem Kind außerdem einschärfen, dass es sich auf keinen Fall mit dem Chatpartner treffen soll - vor allem nicht alleine bei ihm zu Hause oder an einsamen Orten. "Wir wissen, dass es leider trotzdem oft gemacht wird. Dann sollten sich Jugendliche wenigstens einen guten Freund als Unterstützung mitnehmen."

Was ist Cyber-Grooming?

Mit dem englischen Begriff "grooming" (anbahnen, vorbereiten) bezeichnen Experten das Vorgehen von Tätern, die sexuellen Missbrauch vorbereiten. Beim Cyber-Grooming machen sich Erwachsene im Internet mit sexuellen Absichten an Kinder und Jugendliche heran. Sie geben sich in sozialen Netzwerken und Chats oft jünger aus als sie sind, bauen mit Schmeicheleien nach und nach Vertrauen bei ihren Opfern auf und belästigen sie dann sexuell.

Die Täter sprechen oft über Liebe und Sex. Sie überreden ihre Opfer, ihnen freizügige Fotos zu schicken. Dann verlangen sie Nacktfotos oder fordern ihr Opfer dazu auf, ihnen per Webcam beim Sex zuzuschauen oder nötigen sie sogar zu eigenen sexuellen Handlungen.

Druck machen sie mit der Drohung, die Bilder im Umfeld des Kindes oder Jugendlichen zu verbreiten. Oft versuchen Täter auch, mit einer solchen Erpressung ihr Opfer zu einem persönlichen Treffen zu zwingen, bei dem sie es dann sexuell missbrauchen.

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