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Sechs Konflikte mit Trotzkindern: So l├Âsen Sie sie

  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld

Aktualisiert am 12.01.2022Lesedauer: 6 Min.
Weinendes Kind: Eltern sollten ihre Kinder in das Einkaufen im Supermarkt einbeziehen. So wird auch Langeweile und Gebr├╝ll vorgebeugt.
Weinendes Kind: Eltern sollten ihre Kinder in das Einkaufen im Supermarkt einbeziehen. So wird auch Langeweile und Gebr├╝ll vorgebeugt. (Quelle: FangXiaNuo/getty-images-bilder)
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Vor der Supermarktkasse wirft sich das Kind br├╝llend auf den Boden und fordert einen Schokoriegel. Viele Eltern f├╝rchten diese Situation. Eine Expertin gibt Tipps, wie sie sich verhalten k├Ânnen.

Das Wichtigste im ├ťberblick


Morgens weigert sich das Kind, die blaue Hose anzuziehen. Abends gibt es Theater, weil es nicht Z├Ąhne putzen mag. Und zwischendrin schmei├čt es auf dem Spielplatz w├╝tend mit Sand. Eltern von Kleinkindern kennen solche Situationen zur Gen├╝ge.

In der Zeit um den zweiten Geburtstag herum geht es meistens so richtig los. Immer wieder treten Situationen auf, in denen das Kind etwas will, seinen Wunsch nicht ausleben darf und dann auf extreme Weise reagiert. Oft wird dann von der Trotzphase gesprochen. "Kleine Kinder haben noch keine ausgereifte Impulskontrolle", erkl├Ąrt die promovierte P├Ądagogin und Psychologin Eliane Retz. "Deshalb sind sie wilder und k├Ânnen auch nicht so gut warten." Die Expertin f├╝r bindungsorientierte Erziehung hat das Buch "Wild Child" geschrieben, das f├╝r mehr Gelassenheit im Umgang mit Kleinkindern pl├Ądiert.

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Retz sieht in der Lebhaftigkeit von Kleinkindern etwas Positives. "Es ist gut, wenn sich das Kind traut, zu weinen, zu schreien, zu toben, wenn ihm etwas nicht gef├Ąllt. Dann wei├č es, dass es grunds├Ątzlich Verst├Ąndnis f├╝r seine Gef├╝hle gibt", sagt sie. "Was aber nicht hei├čt, dass es immer seinen Willen kriegen muss."

Trotzphase: Das Kind richtet sich nicht bewusst gegen die Eltern

Statt vom trotzigen Kind spricht sie deshalb lieber vom wilden Kind. Statt von der Trotzphase lieber von der Autonomiephase. "Bei Trotz unterstellt man dem Kind f├Ąlschlicherweise eine gewisse Absicht", sagt sie. "Als w├╝rde es sich ganz bedacht gegen die Eltern richten." Dabei stecke eigentlich das Streben nach Autonomie hinter dem Verhalten.

Genau diese Autonomie gilt es als Eltern zu st├Ąrken. Gleichzeitig aber auch N├Ąhe zu geben, wenn das Kind sie ben├Âtigt. Das sei nicht immer ganz einfach, da sich das Bed├╝rfnis des Kleinkindes oft von einem auf den anderen Moment ├Ąndert. Retz arbeitet als systemische Beraterin und hilft Eltern in Erziehungsfragen. F├╝r t-online hat sich die Mutter von zwei Kindern sechs typische Situationen mit Kleinkind angesehen und gibt Tipps.

Typische Situationen mit Kleinkind und wie Eltern sie meistern

1. Das Kind br├╝llt an der Supermarktkasse

Diese Situation stresst viele Eltern ÔÇô oftmals aber nicht wegen des unangepassten Verhaltens des Kindes, sondern wegen der abwertenden Blicke und Kommentare der anderen Kunden. "Es w├Ąre w├╝nschenswert, dass hier mehr Gelassenheit f├╝r alle Eltern m├Âglich wird", sagt Eliane Retz.

Kommt es immer und immer wieder dazu, dass sich das Kind im Kampf um den Schokoriegel br├╝llend auf den Boden wirft, sollten Eltern analysieren, wie sie diese Situation vermeiden k├Ânnen. "Vielleicht ist der Zeitpunkt f├╝r den Einkauf einfach ung├╝nstig gew├Ąhlt", sagt Retz. Das k├Ânne der Fall sein, wenn das Kind nach der Kita m├╝de ist und die N├Ąhe der Eltern ben├Âtigt, stattdessen aber direkt der Supermarkt angesteuert wird. Oder auch, wenn der Einkauf immer kurz vor dem Abendessen erledigt wird, wenn das Kind bereits hungrig ist. ├ähnlich problematisch sei es, wenn zu wenig Zeit eingeplant wird und die Eltern gehetzt sind.

"Es kann au├čerdem helfen, im Vorfeld zu besprechen, dass sich das Kind eine Sache aussuchen darf", so Retz. Das st├Ąrkt auch die Autonomie. Au├čerdem sollten Mutter oder Vater das Kind in den Einkauf einbeziehen: Es kann die Birnen aussuchen, die Milch aus dem Regal nehmen oder die Nudeln in den Korb legen.

Hilft das alles nichts und es kommt doch zu w├╝tendem Gebr├╝ll, empfiehlt die Erziehungsexpertin, nicht zu schimpfen, sondern das Kind zu tr├Âsten. "Wenn Eltern ihr Kind dann einfach in den Arm nehmen und Verst├Ąndnis zeigen, kann das sehr hilfreich und wichtig f├╝r das Kleinkind sein." Denn meist gehe es gar nicht mehr um die T├╝te Gummib├Ąrchen. Das Kind sei vielmehr ├╝berreizt und ├╝berfordert mit der Situation. "Tobt das Kind trotzdem weiter, dann ist es auch okay, den Einkaufswagen erst mal stehen zu lassen, mit dem Kind rauszugehen, es vielleicht sogar rauszutragen und drau├čen zu beruhigen." Wenn sich die Wut gelegt hat, kann man den Einkauf fortsetzen.

Eliane Retz: Die Erziehungsexpertin arbeitet als systemische Beraterin, um das Wissen aus der Wissenschaft so in die Praxis zu ├╝bertragen, dass Eltern auch etwas damit anfangen k├Ânnen.
Eliane Retz: Die Erziehungsexpertin arbeitet als systemische Beraterin, um das Wissen aus der Wissenschaft so in die Praxis zu ├╝bertragen, dass Eltern auch etwas damit anfangen k├Ânnen. (Quelle: Eliane Retz)

2. Das Kind wehrt sich gegen das Z├Ąhneputzen

Auch bei diesem Konflikt sollten Eltern ├╝berpr├╝fen, ob der Zeitpunkt richtig gew├Ąhlt ist. "Wenn Kinder zu m├╝de sind, klappt das Z├Ąhneputzen nicht mehr gut, dann ist keine Kooperationsbereitschaft mehr da", sagt Retz. Es k├Ânne sich dann auszahlen, schon fr├╝her mit dem Abendprogramm zu starten. Der Miteinbezug von einem Kuscheltier, dem auch die Z├Ąhne geputzt werden, kann die Situation zudem entspannen. Und es hilft, Sohn beziehungsweise Tochter die Zahnb├╝rste aussuchen und die Zahnpasta auftragen zu lassen. Auf diese Weise k├Ânnen Eltern gleichzeitig die Selbstbestimmung des Kindes st├Ąrken.

"Beim Putzen k├Ânnen sich Eltern und Kind dann abwechseln." Will das Kind zwischendurch ein Buch anschauen, sollten die Eltern die Unterbrechung ruhig zulassen. "Es h├Ârt sich aufwendig an und das ist es an manchen Tagen auch", sagt die Erziehungsberaterin. "Aber wenn Eltern viel Geduld mitbringen, dann sp├╝rt das das Kind und mit der Zeit entspannt sich die Situation deutlich."

3. Das Kind will den Spielplatz nicht verlassen

Das Kind will weiter spielen und toben, obwohl es Zeit f├╝r den Nachhauseweg und das Abendessen ist: In einer solchen Situation ist sein Autonomieanspruch sehr hoch. Am besten k├╝ndigen Eltern ihrem Nachwuchs rechtzeitig an, dass sie bald gehen m├╝ssen, ruhig eine halbe Stunde vorher. "Sie sollten diese Ank├╝ndigung aber konkret formulieren, da Kinder in dem Alter noch nicht wissen, was 30 Minuten sind", so Retz. Man k├Ânne sagen: "Noch f├╝nfmal Rutschen, dann gehen wir nach HauseÔÇť oder auch: "Was m├Âchtest du zum Abschluss noch spielen?" Es sei wichtig, das Kind hier auch ein wenig mitbestimmen zu lassen.

Wenn es wirklich Zeit ist zu gehen, muss die Mutter beziehungsweise der Vater sehr klar in Kommunikation und Verhalten sein: "Das hei├čt: Nicht mehr aufs Handy gucken, sich nicht mehr in ein Gespr├Ąch mit anderen Eltern verwickeln lassen. Sondern ganz beim Kind sein und ihm klar sagen, dass es wichtig ist, jetzt zu gehen." Dabei ist es von Bedeutung, das Kind in seinem Kummer und seiner Frustration ernst zu nehmen und zu tr├Âsten: "Ich kann verstehen, dass du gerne noch weiterspielen willst."

4. Das Kind will kein Gem├╝se essen

Wenn der Nachwuchs mit zwei oder drei Jahren kein Gem├╝se essen m├Âchte, sollten Eltern das grunds├Ątzlich akzeptieren, so Retz. "Kinder verstehen noch nicht, dass manche Nahrungsmittel ges├╝nder sind als andere und dass sie bestimmte N├Ąhrstoffe brauchen."

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Man k├Ânne aber ein gutes Vorbild sein: "Wenn Eltern sich gesund ern├Ąhren, viel Salat essen, dann ├╝bernehmen die Kinder das." Zudem k├Ânne es sich lohnen, bisher verschm├Ąhte Nahrungsmittel immer und immer wieder anzubieten. "Dann steigt das Vertrauen des Kindes, dass man sie mal probieren kann."

Au├čerdem sollten Familien nicht st├Ąndig zwischen den Mahlzeiten Snacks bereithalten. "Im besten Fall sind Kinder hungrig, wenn sie an den Tisch kommen. Dann steigt oft auch die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren."

Kleinkind: Eliane Retz sieht in der Lebhaftigkeit von Kleinkindern etwas Positives. "Es ist gut, wenn sich das Kind traut, zu weinen, zu schreien, zu toben, wenn ihm etwas nicht gef├Ąllt."
Kleinkind: Eliane Retz sieht in der Lebhaftigkeit von Kleinkindern etwas Positives. "Es ist gut, wenn sich das Kind traut, zu weinen, zu schreien, zu toben, wenn ihm etwas nicht gef├Ąllt." (Quelle: Nadezhda1906/getty-images-bilder)

5. Das Kind weigert sich morgens, etwas anzuziehen

Um den morgendlichen Kampf vor dem Kleiderschrank zu vermeiden, hilft eine klare Struktur. Die kann mithilfe eines Rituals gelingen: Am besten schauen Eltern abends gemeinsam mit dem Kind, wie das Wetter am n├Ąchsten Tag wird und legen zusammen entsprechende Kleidung raus. "Das Kind sollte dabei mitentscheiden d├╝rfen", r├Ąt Retz.

Manchmal weigern sich Kinder auch, sich allein anzuziehen, obwohl sie dazu in der Lage sind. Dahinter k├Ânne das Bed├╝rfnis stecken, sich zu versichern: Mama und Papa sind f├╝r mich da, auch wenn ich das schon selbst kann. "Dann d├╝rfen Eltern ruhig mithelfen. Oder anbieten, eine Geschichte vorzulesen, w├Ąhrend sich das Kind allein anzieht", sagt Retz. "Und auf diese Weise die Bindung st├Ąrken."

Wenn sich das Kind morgens nicht anziehen m├Âchte, kann es aber auch sein, dass es nicht in die Kita m├Âchte, weil es sich dort gerade nicht wohlf├╝hlt. Eltern sollten ein solches Verhalten grunds├Ątzlich ernst nehmen.

6. Das Kind h├╝pft abends durch die Wohnung, anstatt zu schlafen

Manchmal ist das Kind noch nicht m├╝de genug. "Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern ihre Kinder nicht zum Schlafen zwingen. Wenn Eltern hier entspannt bleiben, das Kind noch etwas wach bleibt, kann sich das sehr positiv auswirken, sodass das Kind kurze Zeit sp├Ąter ruhig und friedlich einschl├Ąft", sagt Retz.

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Ist das Kind bereits zu m├╝de, kann sich das ebenfalls erschwerend auf das Einschlafen auswirken. Kinder sind in solchen Momenten oft ├╝berdreht, motorisch unruhig. "Sie brauchen dann Eltern, die ihnen beim Einschlafen helfen. Zudem ist es wichtig, die M├╝digkeitszeichen des Kindes fr├╝her wahrzunehmen, damit die abendliche Einschlafsituation in Zukunft leichter wird."

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