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Schmollende Kinder bloß nicht "beleidigte Leberwurst" nennen

t-online, Nicola Wilbrand-Donzelli

Aktualisiert am 09.01.2017Lesedauer: 3 Min.
Wenn Kinder schmollen ist dies immer auch ein Zeichen von Hilflosigkeit.
Wenn Kinder schmollen ist dies immer auch ein Zeichen von Hilflosigkeit. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Manchmal ziehen sich Kinder nach Auseinandersetzungen oder wenn sie sich ĂŒber etwas geĂ€rgert haben, beleidigt in ihr Schneckenhaus zurĂŒck. Wie sollen Eltern in solchen Situationen mit ihrem schmollenden Nachwuchs umgehen? Ein Experte weiß Rat.

"Sei mal nicht so eingeschnappt", sagt die Mutter Ă€rgerlich. Doch ihre zehnjĂ€hrige Tochter Lena sitzt unbeirrt mit einer trotzigen Schnute auf dem Sofa, die HĂ€nde ĂŒberm Bauch verschrĂ€nkt und schaut grimmig Löcher in die Luft. Lena schmollt. Das tut sie öfter - vor allem dann, wenn irgendetwas nicht so lĂ€uft, wie sie sich das vorgestellt hat oder sie bei einem Streit nicht mehr weiter weiß. Dieses Mal ist Lena wegen des Fernsehverbots eingeschnappt, das ihre Mutter verhĂ€ngt hat, weil sie trotz mehrfacher Aufforderung ihr Zimmer nicht aufgerĂ€umt hat.

Schmollen ermöglicht eine Auszeit und Abstand

FĂŒr Kinder, die bei Konflikten Ă€hnlich wie Lena reagieren, ist der RĂŒckzug in die Schmollecke hĂ€ufig die einzige Möglichkeit mit ihrer Wut und ihrem Ärger klar zu kommen. Sie fĂŒhlen sich in solchen Augenblicken unverstanden, wehrlos und gekrĂ€nkt und haben das GefĂŒhl - wie in dieser Auseinandersetzung mit der Mutter - nicht auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Doch Schmollen ist nicht nur reiner Protest: Verschiedene GefĂŒhle mixen sich hier zu einem widersprĂŒchlichen Cocktail.

Ein Cocktail widersprĂŒchlicher GefĂŒhle

"Schmollen ist eigentlich Ausdruck von Frustration und Überforderung, was Kinder ihrer Umgebung meist deutlich signalisieren‚ indem sie in Ruhe gelassen werden wollen und weitere verbale Kommunikation unterbrechen," erklĂ€rt Diplompsychologe und Familientherapeut Andreas Engel gegenĂŒber t-online.de.

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"Zugleich strafen sie dabei auch den anderen ab, um so Einfluss auf sein Verhalten nehmen zu können und vielleicht doch noch ihre Interessen und WĂŒnsche durchzusetzen."

Doch Schmollen sei auch ein Zeichen von Hilflosigkeit und der nach außen gerichtete Apell: "KĂŒmmer dich um mich und hilf mir wieder raus aus dem Loch!" Dieses Verhalten habe etwas sehr Demonstratives.

Schmollen schauen sich Kinder bei anderen ab

Eine Schnute zu ziehen und eingeschnappt zu sein will allerdings gelernt sein. Kleinkinder unter drei Jahren wissen nÀmlich noch nicht, "wie Schmollen geht". Erst ab dem Kindergartenalter beginnt der Nachwuchs - abgeschaut bei Erwachsenen oder bei Àlteren Kindern - die entsprechenden Verhaltensweisen nachzuahmen.

Auch Jugendliche schmollen

Typisch und hĂ€ufig ist der demonstrative RĂŒckzug allerdings wĂ€hrend der PubertĂ€t: In dieser Phase ist es ein wesentliches Werkzeug fĂŒr Kinder im sozialen Umgang mit anderen. Es gehört dann zum festen Repertoire der Jugendlichen so mit ihrer Frustration umzugehen und sich deutlich abzugrenzen.

Eltern sollten Schmollen ihrer Kinder nicht belÀcheln

Doch wie sollen VĂ€ter und MĂŒtter auf eingeschnappte Kinder beziehungsweise Teenager reagieren, um ihnen aus dem GefĂŒhlstief herauszuhelfen? Wichtig sei, kommentiert Psychologe Engel, dass Eltern die abweisende Haltung ihrer Kinder nicht persönlich nehmen dĂŒrfen. So seien auch Ironie und Zynismus fehl am Platz, genauso wie die Kinder mit abwertenden Kommentaren zu belĂ€cheln und sie etwa als "beleidigte Leberwurst" oder "Schmoll-Zicke" abzutun.

"Wenn man in solchen Momenten das Kind noch zusĂ€tzlich herabwĂŒrdigt und nicht ernst nimmt", so Engel, "macht es alles nur noch schlimmer. Man sollte stets versuchen, die Beziehung positiv mit einer Portion Humor und Gelassenheit anzugehen und nicht noch zusĂ€tzlich in Wunden rumstochern."

Auszeit respektieren und GesprÀchsbereitschaft signalisieren

Die beste Strategie fĂŒr Eltern, um ihren eingeschnappten Kindern zu helfen, ist die Distanz und das "Time-Out" zu respektieren und zunĂ€chst einige Zeit verstreichen zu lassen, bevor sie den ersten Versuch unternehmen, wieder behutsam Kontakt zu ihrem Nachwuchs aufzunehmen und einfĂŒhlsam GesprĂ€chsbereitschaft zu signalisieren, rĂ€t Andreas Engel.

"Gerade die selbst gewĂ€hlte Auszeit, in der Kinder hĂ€ufig in einen inneren Dialog treten, kann bewirken, dass sie ĂŒber die Konfliktsituation nachdenken und sich so ihre Emotionen nach und nach von alleine verĂ€ndern. Sie machen dann vieles mit sich selbst aus und das erhitzte GemĂŒt kĂŒhlt dann oft wieder runter."

Zu schnell zu intervenieren und Machtworte zu sprechen oder ein Ultimatum zu setzen, um der Schmollerei ein schnelles Ende zu bereiten, sei dagegen keine gute Strategie. Dann reagierten die Kinder oftmals nur noch trotziger und abweisender, zögen sich noch mehr zurĂŒck.

"Schmollen ist eine kulturell verfeinerte Form der Aggression"

Kindliche Schmollreaktionen sollten von MĂŒttern und VĂ€tern also nicht negativ bewertet oder gar bekĂ€mpft werden, denn sie haben eine wichtige Funktion: "Dieses Verhalten, das man als kulturell verfeinerte Form der Aggression bezeichnen kann, ist fĂŒr Heranwachsende eine frĂŒhe Möglichkeit, den Umgang mit Frustration zu lernen und dabei gleichzeitig mit anderen im sozialen Kontakt zu bleiben", so das Fazit von Engel.

Gerade fĂŒr jĂŒngere Kinder, die sich in der Auseinandersetzung mit ihren Eltern oft klein und hilflos fĂŒhlten und noch nichts gegen die verbale Übermacht der Erwachsenen setzen könnten, sei Schmollen deshalb ein Ă€ußerst wirkungsvolles Instrument. So könnten sie sich einfach der Kommunikation entziehen."

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