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Das Mini-Penis-Syndrom

  • Jennifer Buchholz
Eine Kolumne von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 02.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Poser: Angeber möchten vor allem eins: auffallen. (Symbolbild)
Poser: Angeber möchten vor allem eins: auffallen. (Symbolbild) (Quelle: Peopleimages/getty-images-bilder)
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Lautes Sprechen oder Grölen, auffällige Kleidung und ausgedehnte Gestik: Es gibt Männer, die immer und überall auffallen – meist mit Absicht. Wenn man sie so beobachtet, merkt man, dass sie sich quasi in der Aufmerksamkeit ihres Umfelds suhlen. Dabei sind sie doch oft nur unsicher.

Anschaulichkeit ist die halbe Miete. Darum möchte ich hier gleich zum Einstieg zwei kürzlich beobachtete Szenen schildern.

"Hey Puppe! Schieb mal dein Gefährt hier rüber. Oder ist hier Selbstbedienung?", ruft ein 60-jähriger, solariumgebräunter Mann im weißen Poloshirt im Restaurant der Kellnerin zu – und hat damit nicht nur ihre Aufmerksamkeit, sondern auch die der halben Gaststätte auf sich gezogen. "Oder ist der Kunde hier nicht König?", wirft er lautstark hinterher. Die Gäste drehen sich fremdschämend weg.

Mit röhrenden Motoren steht ein getunter schwarzer Mercedes-AMG C-Klasse Cabriolet an der Ampel einer belebten Straße. Der Fahrer – zurückgegelte Haare, verspiegelte Pilotensonnenbrille und Lederjacke – drückt im Sekundentakt aufs Standgas. Leider nicht synchron mit seinen wummernden Bassboxen. Da fehlt wohl das Taktgefühl. Habe ich erwähnt, dass es gerade einmal minus 3 Grad Celsius kalt ist? Zwei Frauen, die neben mir stehen, schütteln den Kopf und kommentieren die Situation mit: "Der hat sicherlich einen kleinen Penis!" und "Na, wenn er im Bett auch so taktlos ist, tut mir die Frau echt leid."

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Zugegeben: Es ist nicht das erste und einzige Mal, dass ich auch so denke. Ich stigmatisiere bestimmte Männer aufgrund ihres Aussehens und ihres Verhaltens.

Sportwagenfahrer haben einen kleinen Penis

Nicht nur bei Sportwagen-Liebhabern oder offensichtlichen Egozentrikern klappt meine Klischeeschublade auf. Auch bei Pumpern, Jachtbesitzern oder Goldkettchen tragenden Solariumanbetern sowie bei Frauen hinterher grölenden Bauarbeitern denke ich nicht selten: "Der muss sexuell echt frustriert sein."

All die übertriebenen Poser und Proleten erinnern mich mit ihrem Verhalten und ihrem Auftreten meist an eins: Gorillamännchen, die im Großstadtdschungel stehen, sich auf die eigene Brust trommeln und dabei rufen: "Seht her! Schaut mich an! ICH bin der King." Doch bei so gut wie allen anderen erweckt das Gehabe offenbar keinen Respekt. Stattdessen denkt man an den möglicherweise kleinen Penis. Ja! Durch ihr Gehabe bügeln sich diese Herren den Stempel "Mini-Penis-Syndrom" selbst auf.

Und was sagt die Realität?

Der deutsche Psychologe Michael Thiel bestätigt in einem Interview, dass Männer, "deren Äußeres in irgendeiner Form von der Norm abweicht", dies durch andere Dinge zu kompensieren versuchen. Das kann sowohl materiell (Luxusgüter) als auch immateriell (auffälliges Verhalten) sein. Klingt plausibel – und eindeutig nach Großstadtgorilla, oder?

Eine Dosis Mitleid

Bevor Sie jetzt aber die kleine Mitleidsvioline rausholen: Frauen wird auch oft ein "Die hat es echt nötig"-Stempel aufgedrückt – wenn sie besonders laut lachen oder sich aufreizend stylen. Habe ich Sie, liebe Herren, jetzt auch teilweise ertappt? So hat jedes Geschlecht seine potenziellen Kandidaten für das "Mini-Penis-Syndrom".

Der Schulhofdschungel lehrt etwas anderes

Das hat natĂĽrlich GrĂĽnde. Nur leider ist Schubladendenken zwar bequem, nur nicht immer logisch.

Denn ist es nicht wahrscheinlicher, dass Männer mit – nennen wir es mal körperlichen oder charakterlichen – "Makeln" eher unter dem Radar schwimmen und nicht auffallen wollen? Ich denke dabei an meine Schulzeit: Mädchen und Jungen, die aus der "Norm" fielen, wurden gemobbt. Dicke Kinder wurden verbal und körperlich angegangen, schwächliche Jungs oder Mädchen mit Minibrüsten wurden beim Duschen nach dem Sport ausgelacht, Rothaarige gehänselt. Daraufhin versuchten die "Opfer" sich zu verstecken, kleinzumachen und bloß nicht aufzufallen. Ich jedenfalls habe nie einen oder eine beobachtet, der oder die auf die Brust trommelnd im Schulhofdschungel stand und um Aufmerksamkeit brüllte.

Mag schon sein, dass der ein oder andere Sportwagenfahrer, Bodybuilder oder Goldkettchenträger tatsächlich zumindest das Gefühl hat, bei irgendeinem körperlichen Attribut nicht mit dem Durchschnitt mithalten zu können. Aber was genau bei diesen Herren Frust hervorruft und zu ausgeprägt nervigen Verhaltensweisen beiträgt – wen interessierts. Denn letztlich will man sich doch gerade nicht auf ein Niveau herablassen, auf dem man dann hämisch körperliche oder soziale Mängel unterstellt. Die Penislänge und die sexuelle Ausgeglichenheit solcher Mitmenschen ist doch total egal. Schlimm ist einfach nur ihr Verhalten. Statt uns also mit irgendwelchem Body-Shaming aufzuhalten, sollten wir lieber etwas anderes etablieren: Verhaltens-Shaming. Das zumindest ist bei Posern häufig wesentlich angebrachter.

Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" ĂĽber Liebe, Partnerschaft und Sex.

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