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Der summende Weltraum-Pionier

Der summende Weltraum-Pionier

02.09.2013, 08:58 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Der summende Weltraum-Pionier. Die erste Stimmgabeluhr von Bulova.  (Quelle: HNH)

Die erste Stimmgabeluhr von Bulova. (Quelle: HNH)

Sie ticken nicht, sie summen: Stimmgabel-Uhren sind die Exoten im Uhrenmarkt schlechthin. Mit ihrem technologischen Nerd-Appeal feiern sie in Zeiten der Vintage-Reduktion ein schüchternes Comeback. wanted.de hat sich in der kleinsten Nische der Uhrenwelt einmal umgeschaut.

Foto-Serie mit 8 Bildern

Ihre größten Erfolge feierten Stimmgabel-Uhren in den späten Sechzigern, als ein bösartiger Computer in Stanley Kubrick’s Meisterwerk "2001 - Odyssee im Weltraum" die Hauptrolle spielte und die Amerikaner den Mond eroberten. Ihr minimalistischer Hightech-Appeal war revolutionär – die Uhren boten einen völlig neuen Antrieb.

Die sirrende Uhr

Eine herkömmliche mechanische Armbanduhr funktioniert grob gesagt, indem eine Feder eine Unruh, somit das Uhrwerk antreibt und die Zeiger zum Laufen bringt. Von der Genauigkeit, mit der diese Frequenz eingehalten wird, hängt die Gangabweichung der Uhr ab. Mechanische Uhren schafften damals nur Schwingungen bis zu 5 Hertz pro Sekunde und liefen damit ungenau. Bei Stimmgabeluhren schwingt dagegen eine winzige Stimmgabel mit bis zu 720 Hz. Hier füttert eine Batterie über einen Transistor einen elektrischen Dauermagneten – und der bringt die zwei Arme der Gabel ins Schwingen.

Ein Arm schiebt über einen Stab ein Zahnrad rhythmisch nach vorne – und schon läuft die Uhr.
Diese Zeitmesser liefen wegen der höheren Schwingung enorm genau - der Pionier Bulova garantierte eine Abweichung von nur zwei Sekunden pro Tag, pro Monat ist es also nur maximal eine Minute. Eine weitere Faszination: Der Sekundenzeiger zieht gleichmäßig seine Bahn.

Uhren-Pionier Bulova

Die erste Stimmgabeluhr schuf der aus Basel stammende Physiker Max Hetzel beim US-schweizerischen Uhrenhersteller Bulova im November 1954. Im Oktober 1960 wurden die ersten Modelle namens "Accutron" verkauft – das Wort setzte sich aus dem englischen Begriff Accuracy (Genauigkeit) und Electronic zusammen. Die günstigste Version kostete 175 Dollar, rund 135 Euro. Die "Accutron" läuft auch heute noch recht genau mit 360 Hz, sie summt im Ton Fis, was an einen nervenden Moskito erinnert - und besitzt eine ausgezeichnete Gangabweichung

von nur 60 Sekunden pro Monat. Bei dieser Uhr gibt es kaum Defekte: Während damals ein mechanisches Uhrwerk aus 26 beweglichen Teilen bestand, benötigt ein Stimmgabelwerk nur zwölf Teile. Ein weiterer Vorteil: Die Lebensdauer der Batterie lag damals bei rund einem Jahr.

Mit dem Slogan "The Watch that hums!" wurde die Bulova-Uhr zum Renner. Schnell wurde die Nasa auf die Accutron-Uhren aufmerksam. Die Astronauten in den Kapseln des Gemini-Programms schauten auf eine Accutron mit 24-Stunden-Zifferblatt, damit sie in den Tag- und Nacht-Zeiten nicht durcheinander kamen. In der Mondfähre des Apollo-Programms gab es eine Accutron mit 60-Stunden-Zifferblatt. Auch in Deutschland spielte die Weltraum-Begeisterung einen wesentlichen Faktor für den Erfolg der Accutron. Im Jahr 1968 stellte Professor Heinz Haber eine "Accutron Spaceview" Armbanduhr in der Sendereihe "Was sucht der Mensch im Weltraum?" vor.

Ein Renner bis zur Quartz-Krise

Entsprechend populär wurde die Accutron: Bis 1973 wurden vier Millionen Stück verkauft. Wegen der aufwendigen Fertigung waren diese Uhren damals mit bis zu 500 DM allerdings recht teuer. Das ist kein Wunder: Das Rad aus Berylliumkupfer misst nur 2,4 Millimeter Durchmesser und hat 300 Zähne. Bemerkenswert ist der auf den kleinen Spulen in insgesamt 14.000 Windungen aufgewickelte feinste Draht, der rund 180 Meter lang ist. Er misst im Durchmesser nur 0,015 Millimeter und ist dünner als ein menschliches Haar. Das Pech der Stimmgabel-Uhren: Mitte der Siebziger Jahre steigerte die Quarz-Uhr die Leistung noch einmal erheblich, die Massenproduktion war zugleich weit günstiger - damit war die Stimmgabel-Uhr wieder passé. Im Jahr 1977 machten somit die Quartz-Uhren dem summenden Bulova-Weltraum-Zeitmesser ein Ende. 2011 brachte Bulova zum 50-jährigen Jubiläum eine auf 1000 Stück limitierte Serie des Nachbaus der ersten Accutron heraus.

Sammlerstücke für Technik-Nerds

Und was ist von den summenden Uhren nun geblieben? Techno-Nostalgie. Das Modell "Spaceview" mit sichtbarem Innenleben ist wohl das bekannteste und beliebteste Objekt in den heutigen Sammlerkreisen. Enthusiasten loben bis heute die Genauigkeit in der Fertigung der kleinen Bauteile. Besonders begehrt ist heute die "Accutron Spaceview" in 14-karätigem Gold – sie war anfangs nur für Händler gedacht, die in ihrem Schaufenster einen Blickfang bieten wollen. Ihr offenes Zifferblatt setzte jedoch Standards. Schon wegen der Goldpreis-Rallye kann eine solche Uhr locker mehrere tausend Euro kosten. Auch Omega mischte mit Eta-Esa-Werken kräftig mit und brachte ein Kaliber 1250 heraus, das in der Omega Constellation – Electronic f 300 Hz verbaut wurde. Hier treibt die elektronisch gepushte Stimmgabel die Zentralsekunde an. Die Uhr ist mit gerade einmal 29 Millimetern Durchmesser nur etwas für zierliche Handgelenke. Omega setzte sogar noch einen drauf: Das Omega-Werk 1220 wurde von 1973 bis 1974 in der "Megasonic" eingebaut, die eine Schwingfrequenz von 720 Hertz schaffte – doppelt so viel wie die Accutron von Bulova. Auch Tissot versuchte mit der "Tissonic" zu punkten. Das Problem bei all diesen Veteranen sind die Ersatzteile. Zudem haben die Uhren dank der heutigen stärkeren Batteriespannung mehr Power – die Uhren gehen daher meist vor. Allerdings hält sich der Verschleiß wegen der wenigen Bauteile selbst bei alten Stücken in Grenzen.

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