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Bielefeld: Wie ein Ehepaar Lebensmittel retten will

Nachhaltiges Konzept  

Wie dieses Ehepaar aus Bielefeld Lebensmittel retten will

Von Christine Georg

31.01.2020, 10:12 Uhr
Bielefeld: Wie ein Ehepaar Lebensmittel retten will. Das Ehepaar Budumlu: Elif und Mustafa betreiben in Bielefeld einen Laden, in dem aussortierte Lebensmittel gekauft werden können. (Quelle: Budumlu)

Das Ehepaar Budumlu: Elif und Mustafa betreiben in Bielefeld einen Laden, in dem aussortierte Lebensmittel gekauft werden können. (Quelle: Budumlu)

In Bielefeld hat der erste sogenannte Rettermarkt eröffnet. Zwei ambitionierte Jungunternehmer bieten hier aussortierte Lebensmittel an, um Verschwendung entgegenzuwirken.

Seit Mitte Januar gibt es in Bielefeld eine neue Möglichkeit, um Lebensmittel nachhaltig einzukaufen. Der Laden "Restlos – dein Rettermarkt" bietet auf rund 40 Quadratmetern in der Johannisstraße 35 im Viertel Schildesche Lebensmittel an, die andere Supermärkte aussortieren. In kleinen Holzkisten finden Kunden unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten sowie Backwaren.

Ein Kühlschrank mit Lebensmitteln: Auch Kühlprodukte können in dem Rettermarkt gekauft werden. (Quelle: Budumlu)Ein Kühlschrank mit Lebensmitteln: Auch Kühlprodukte können in dem Rettermarkt gekauft werden. (Quelle: Budumlu)

Für eine Reihe von Molkereiprodukten stellt das Betreiberehepaar einen kleinen Kühlschrank auf. Jeden Freitag und Samstag nutzen Mustafa und Elif Budumlu die Fläche vor dem Laden, um ein großes Zelt aufzubauen. Dort wird frisch und vegan für die Kunden gekocht.

Motto: "Zahl, was es dir wert ist"

Für ihr Konzept gründeten sie zunächst den Verein Restlos e.V. und starteten eine Crowdfunding-Kampagne, die ihr Ziel von 33.000 Euro allerdings nicht erreichte. Beirren ließen sie sich davon nicht und realisierten den Markt schließlich auf eigene Kosten. Vor der Umsetzung holten sich die Budumlus Ratschläge bei Märkten mit ähnlichen Konzepten ein, um vorab wichtige Fragen zu klären.

Radieschen liegen in einer Auslage: In dem Markt gibt es keine festen Preise, jeder kann zahlen, was er will. (Quelle: Budumlu)Radieschen liegen in einer Auslage: In dem Markt gibt es keine festen Preise, jeder kann zahlen, was er will. (Quelle: Budumlu)

"Unser Motto lautet: Zahl, was es dir wert ist", erklärt Mustafa Budumlu, der sich die Geschäftsleitung mit seiner 25-jährigen Frau Elif teilt. "Jeder bestimmt selbst, was er am Ende zahlt. Es gibt kein zu wenig oder zu viel. Unter dem Strich soll sich ein gesunder Ausgleich ergeben." Feste Preise suchen die Kunden in dem Rettermarkt daher vergebens.

Ein Blick in den Rettermarkt in Bielefeld: Der Laden ist nur rund 40 Quadratmeter groß. (Quelle: Budumlu)Ein Blick in den Rettermarkt in Bielefeld: Der Laden ist nur rund 40 Quadratmeter groß. (Quelle: Budumlu)

Dennoch müssen die Budulums häufig eine Orientierungshilfe zu den Preisen geben. Viele Kunden fragen sie, wie viel die Waren wert sind. Das Ehepaar will dafür bald kleine Tafeln mit Preisvorschlägen aufstellen, die aber nicht bindend sind. Die Einnahmen fließen als Spende an den Verein. Die beiden Bielefelder selbst arbeiten ehrenamtlich in ihrem Markt. Natürlich hoffen Mustafa und Elif zukünftig Sponsoren zu finden, damit auch sie irgendwann von ihrem Konzept leben können. Mit den Spenden sollen in erster Linie soziale Projekte realisiert werden.

Soziale Projekte sollen gefördert werden

"Ein weiterer Baustein von unserem Konzept ist das Fördern von sozialen Projekten. Wir möchten Bildungsarbeit und Aufklärungsarbeit leisten, vor allem an Schulen." Aus diesem Grund wollen sie Einrichtungen wie Schulen beliefern, damit Kinder und Jugendliche dort frisches Obst und Gemüse haben. Zusätzlich sind Projekttage an den Schulen geplant. Hier steht die Sensibilisierung gegenüber der Umwelt und der Gesundheit im Vordergrund. Im Anschluss soll mit den Kindern und Jugendlichen gekocht werden.

Obst und Gemüse liegen in einer Auslage: Was Supermärkte aussortieren, wird in dem Rettermarkt an Kunden weitergegeben. (Quelle: Budumlu)Obst und Gemüse liegen in einer Auslage: Was Supermärkte aussortieren, wird in dem Rettermarkt an Kunden weitergegeben. (Quelle: Budumlu)

Auch Kritik mussten sich die Budumlus stellen, insbesondere wenn ihr Markt als Konkurrenz zu der Tafel gesehen wird. "Wir konkurrieren keineswegs mit der Tafel", stellt der 29-Jährige klar. "Wir sind eher eine Ergänzung und planen auch Kooperationen mit dem Bielefelder Tisch oder mit der Tafel." Wichtig ist für die Betreiber daher, nur mit Märkten zusammenzuarbeiten, die nicht die Tafel beliefern.

Ein zweiter Rettermarkt für die Zukunft

Mustafa hofft, seine Aufklärungsarbeit in möglichst viele Schulen tragen zu können. Er kann sich außerdem vorstellen, weitere Rettermärkte in den nächsten Jahren zu eröffnen. Auch im Gastronomiebereich sieht er eine Chance.

"Das erste Etappenziel ist es, in Schildische zu bestehen", sagt er. "Alles andere braucht noch etwas Zeit. Dafür muss das Konzept erstmal angenommen werden und langfristig funktionieren." Geöffnet ist der Rettermarkt montags bis freitags von zehn bis 19 Uhr und samstags von neun bis 15 Uhr.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Ehepaar Budumlu

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