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Brief an AfD-WĂ€hler: "Ich kann Ihren Unmut verstehen"

t-online, Lamya Kaddor

Aktualisiert am 10.10.2017Lesedauer: 3 Min.
Unsere Kolumnistin Lamya Kaddor schreibt den WĂ€hlern der AfD einen Brief.
Unsere Kolumnistin Lamya Kaddor schreibt den WĂ€hlern der AfD einen Brief. (Quelle: Oliver Berg/dpa-bilder)
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Liebe AfD-WĂ€hler,

am Sonntag steht die Niedersachsen-Wahl ins Haus und in einer Demokratie ist es ja guter Brauch, die Wahlentscheidung von Menschen nicht öffentlich zu kritisieren oder gar zu beschimpfen. Verzeihen Sie mir, wenn ich nun davon abweiche.

Man kann Sie laut der jĂŒngsten Bertelsmann-Studie grob in zwei Hauptgruppen aufteilen. Wenn Sie zum geringeren Teil der WĂ€hler gehören, die die AfD aus voller Überzeugung wĂ€hlen, weil Sie diese Partei fĂŒr ihren in Teilen völkischen, chauvinistischen und rassistischen Kurs schĂ€tzen, scrollen Sie bitte einfach weiter oder klicken Sie auf den nĂ€chsten Artikel. Die nachfolgenden Worte sind nicht fĂŒr Sie bestimmt, denn aus ernsten Diskussionen haben Sie sich lĂ€ngst verabschiedet. Außer Vorurteile zu dreschen und andere Menschen zu diffamieren, fĂ€llt ihnen meist eh wenig ein.

In einem demokratischen Land wie unserem redet man nicht öffentlich mit Extremisten, man grenzt sie aus und ĂŒberlĂ€sst sie der Sozialarbeit. So machen wir das mit Salafisten, ReichsbĂŒrgern, Linksautonomen und anderen Verblendeten auch. Wer mitdiskutieren will, der muss zumindest zuhören und sich auch auf andere Argumente einlassen können.

Sollten Sie allerdings zur zweiten Hauptgruppe derer gehören, die die AfD wĂ€hlen, weil Sie "denen da oben", dem Establishment, eins auswischen wollten, weil Sie sich sozial benachteiligt fĂŒhlen, weil Sie sich nicht wertgeschĂ€tzt fĂŒhlen von der Politik und von den Medien, dann sage ich Ihnen: Ich kann Ihren Unmut verstehen. Politik und Medien verweigern Ihnen seit Jahrzehnten eine Lobby.

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Die echten Themen sind nur Randnotizen

Menschen wie Sie sind fĂŒr die einfach uninteressant. Dabei wollen Sie doch auch nur einen festen Job, berufliche Aufstiegschancen, ein gutes Wohnumfeld, mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Aber die Öffentlichkeit schert sich bloß um populistische Themen wie Innere Sicherheit, FlĂŒchtlinge, Islamkonferenzen.

Die echten Themen von Belang, die uns alle bewegen, wie die Bildung unserer Kinder, die katastrophalen Bedingungen fĂŒr Krankenhaus- und Alten-Pfleger, der RĂŒckbau der sozialen Infrastruktur im lĂ€ndlichen Raum (erst macht der Arzt dicht, die Sparkasse schließt und dann kommt nicht einmal mehr der Bus), Kettenbefristungen von ArbeitsvertrĂ€gen, Arbeitsverdichtungen bei gleichzeitigem Personalabbau etc. – all das ist fĂŒr Politiker ein Feigenblatt, allenfalls mal eine Parole in Sonntagsreden wert, und fĂŒr Medienleute höchstens eine Randnotiz.

Wenn es ernst wird, greifen sie doch lieber auf die populistischen Themen zurĂŒck, denn sie glauben ernsthaft, ein Shitstorm im Netz reprĂ€sentiere die Haltung der Gesamtgesellschaft. Ein Trugschluss. Ich weiß. Meine Familie konnte mir auch keinen goldenen Löffel in den Mund legen, und Politik und Medien haben sich in den 70er, 80er und 90er Jahren nicht nur nicht fĂŒr unsere Sorgen interessiert, wir wurden sogar zumeist noch beschimpft, dass wir ĂŒberhaupt da sind.

Aber, liebe ProtestwĂ€hler der AfD, all Ihre VerĂ€rgerung kann Ihnen nicht das moralische Recht einrĂ€umen, eine in Teilen rechtsextremistische Partei zu wĂ€hlen. Denn wenn Sie Respekt vom Rest der Gesellschaft einfordern, dann mĂŒssen Sie dem Rest ebenfalls gewissen Respekt zollen. ZukunftsfĂ€hige menschliche Beziehungen ohne Leid können nur auf Geben und Nehmen beruhen.

Schrillen da keine Alarmglocken?

Der Fraktionschef Ihrer Partei im Bundestag, Alexander Gauland, spricht davon, Menschen zu entsorgen. Ihr Kandidat fĂŒr das Amt des stellvertretenden BundestagsprĂ€sidenten, Albrecht Glaser, will Muslimen, also den AnhĂ€ngern einer der drei großen monotheistischen Weltreligionen, ernsthaft das Grundrecht auf Religionsfreiheit entziehen. Schrillen da bei Ihnen keine Alarmglocken? Haben Sie in der Schule nicht aufgepasst? Haben Sie nie Guido Knopps Dokumentationen "Hitler – Eine Bilanz" oder "Unser Jahrhundert – Deutsche Schicksalstage" im ZDF gesehen? Oder wenigstens "Hitlers Aufstieg und Untergang", "Apokalypse Hitler - Werdegang eines Diktators" bei n-tv?

In Deutschland gab es schon einmal eine Zeit, in der eine zunĂ€chst kleine, unterschĂ€tzte Partei damit warb, Menschen zu entsorgen. Und auch diese zielte damals auf eine bestimmte Religionsgruppe ab. FĂ€llt Ihnen das nicht auf? Wahrscheinlich beklagen auch Sie sich darĂŒber, dass Deutschland immer mit der Nazi-Zeit in Verbindung gebracht wird. Dass man den Deutschen SchuldgefĂŒhle einredet und sie deshalb ein schlechtes Gewissen haben mĂŒssen, wenn sie wie andere Nationen einfach nur ihren Nationalstolz zeigen wollen. Und dann wĂ€hlen Sie eine Partei, die auf frappante Weise an die AnfĂ€nge genau dieser Epoche deutscher Geschichte erinnert?

Liebe AfD-WĂ€hler, es liegt in Ihrer Verantwortung. Man kann und wird Sie daraus nicht entlassen. Sollte Ihnen das am Ende alles völlig egal sein, dann sind Sie vermutlich gar keine ProtestwĂ€hler. Dann gehören Sie vielleicht doch zur ersten Gruppe der AfD-WĂ€hler. Und dann wĂ€ren auch bei Ihnen Hopfen und Malz lĂ€ngst verloren. Hoffen wir fĂŒr uns alle das Beste.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,

Lamya Kaddor

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