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Berlin sagt sexistischer Werbung den Kampf an

Gremium nimmt Arbeit auf  

Berlin sagt diskriminierender Werbung den Kampf an

Von Kriss Rudolph

04.02.2021, 17:11 Uhr
Berlin sagt sexistischer Werbung den Kampf an. Eine Demo gegen Sexismus in der Werbung am Brandenburger Tor: In Kreuzberg-Friedrichshain ist diskriminierende Werbung bereits seit 2014 verboten. (Quelle: imago images/M. Golejewski/Future Image/Symbolbild)

Eine Demo gegen Sexismus in der Werbung am Brandenburger Tor: In Kreuzberg-Friedrichshain ist diskriminierende Werbung bereits seit 2014 verboten. (Quelle: M. Golejewski/Future Image/Symbolbild/imago images)

Diskriminierende und sexistische Werbung auf landeseigenen Flächen soll in Berlin bald der Vergangenheit angehören. Dabei helfen sollen die Bevölkerung und ein Expertenrat. 

Erstmals nimmt sich eine neunköpfige Jury diskriminierender Werbung an. Ab März soll es ein Onlineformular geben, mit dessen Hilfe die Berliner Beschwerden einreichen können.

Ein Beispiel: Ein Kurierdienst wirbt mit einer aufreizenden Blondine, die sich auf einer Sackkarre räkelt und von einem Fahrer begehrlich angestarrt wird. Klar sexistisch, findet das Leo Yannick Wild von der Schwulenberatung Berlin und dem Antidiskriminierungsprojekt "StandUp". Er ist eins der neun Mitglieder der Jury, einer von zwei Männern.

Herabgewürdigt werden in der Werbung aber nicht nur Frauen. Übel aufgestoßen ist Wild auch die Kampagne einer Baufirma aus Wandlitz. "Ein Mann, geschminkt und mit Krönchen auf dem Kopf, schaut kokett wie ein kleines Kind im Märchen. Dazu der Slogan: 'Wir suchen kein Prinzesschen, sondern Mitarbeiter im Tiefbau.' Hier wird klischeehaft schwule Männlichkeit als 'mädchenhaft' dargestellt."

"Berlin ist eine vielfältige Stadt"

Gegen solche Ausfälle tritt die neue Jury an. Am 20. Januar hat sie sich konstituiert, nach einem Senatsbeschluss vom 8. September 2020. Denn "Berlin ist eine bunte, vielfältige und lebendige internationale Stadt", hat Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) erklärt. Und diese Vielfalt verpflichte, gegen jede Art von Diskriminierung vorzugehen.

Die Jury-Mitglieder entwickeln zunächst Kriterien für sexistische und diskriminierende Werbung; noch im Februar soll eine weitere (virtuelle) Sitzung folgen. Und zum 1. März soll eine Informationsseite mitsamt Beschwerdeformular online geschaltet werden, erklärt die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung gegenüber t-online.

Voraussichtlich drei bis viermal im Jahr wird die Jury tagen. Stellt sie fest, dass ein Plakat auf landeseigenen Werbeflächen diskriminierend und damit gesetzeswidrig ist, ist die Sache einfach: Dann kann die zuständige Senatsverwaltung verlangen, diese Werbung zu entfernen.

Kritik am Werberat

In Kreuzberg-Friedrichshain hat man bereits 2014 beschlossen, auf bezirkseigenen Werbeflächen keine sexistische Außenwerbung mehr zuzulassen – oder solche, die Lesben, Schwule und Transgender herabwürdigt. Befindet sich eine problematische Werbung aber auf privatem Gelände, hat der Bezirk keine Handhabe. Das ist ein Problem, wenn 100 Meter von einer Schule entfernt für ein Bordell geworben wird – gut sichtbar für Kinder. "Das geht nicht", sagt Jury-Mitglied Petra Koch-Knöbel gegenüber t-online.

Beschwerden von Bürgern würden zwar an den Deutschen Werberat weitergeleitet, aber in 80 Prozent der Fälle passiere gar nichts, so Koch-Knöbel. "Dort ist man nicht ganz objektiv", sagt sie über das Entscheidungsgremium, das laut Eigenaussage aus 15 Expertinnen und Experten aus der Werbewirtschaft besteht. "Die beharren auf der Freiheit der Werbung."

Immerhin, die Bevölkerung sei mittlerweile für das Thema Diskriminierung und Sexismus in der Werbung sensibilisiert, auch bei den Werbetreibenden selber könne sie das mehr und mehr beobachten. Trotzdem sei noch viel zu tun für die berlinweite Jury, sagt Petra Koch-Knöbel. Dafür brauche es dann aber auch eine Handhabe.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Anfragen bei Senatsverwaltung und Jurymitgliedern
  • Gespräch mit Gleichstellungsbeauftragter Petra Koch-Knöbel

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