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Hurricane Festival: Kampf gegen Müllberge – So nachhaltig ist das Event wirklich


Müllpfand und Sponsoren
Wie öko ist das Hurricane-Festival?

  • Katharina Grimm
Von Katharina Grimm

Aktualisiert am 18.06.2023Lesedauer: 3 Min.
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Zwei Menschen küssen sich beim Hurricane Festival: Seit Freitag wird wieder gefeiert.Vergrößern des Bildes
Zwei Menschen küssen sich beim Hurricane Festival: Seit Freitag wird wieder gefeiert. (Quelle: Achille Abboud/imago images)

Das Scheeßeler Hurricane-Festival galt lange als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Aber nach einem problematischen Sponsoring stellt sich die Frage: Ist das immer noch so?

Am Wochenende ist es wieder so weit: Der niedersächsische Ort Scheeßel wird von zig Tausenden Festival-Fans gestürmt. Rund 80.000 Menschen werden erwartet. Und die hinterlassen nach drei Tagen Party und Camping vor allem eines: Müll.

Es hält sich immer noch der Mythos, dass auf Festivals so viel Müll entsteht, wie in Städten mit der Einwohneranzahl wie Festivalbesucher. Bestätigen mag das kaum ein Festivalbetreiber. Das Hurricane-Festival führte vor vielen Jahren das Müllpfand ein: Man zahlte 10 Euro zusätzlich zum Ticket. Wurde ein voller Müllsack abgegeben, bekam man das Geld vor Ort zurück. Eine gute Idee? Leider nicht.

"Viele Fans haben den Obolus von zehn Euro als Freifahrtschein verstanden – ein falsches Signal", sagte eine Mitarbeiterin von FKP Scorpio, die das Festival veranstalten, zur "Kreiszeitung". Im vergangenen Jahr wurde die Müllgebühr abgeschafft. "Das Müllpfand haben wir in einer Zeit etabliert, in der Nachhaltigkeitsthemen gesellschaftlich noch längst nicht so verbreitet waren wie heute", sagte eine Sprecherin von FKP Scorpio zu t-online. "Wir sind überzeugt, dass es zeitgemäßer ist, unsere Gäste auf positive Weise dazu zu animieren, ihren Müll abzugeben."

Müll sammeln auf dem Festival

Inzwischen gibt es ein neues System: Der Festival-Veranstalter zahlt einen Euro pro abgegebenem Müllsack für soziale Projekte. "Wird der Festivalabfall sauber getrennt, können dessen Wertstoffe viel besser aussortiert und in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden", erklärt der Festival-Veranstalter auf seiner Seite. Tatsächlich war anfangs das Mülltrennen ein großes Problem. Zum Start gab es Müll-Lotsen, die händisch trennten.

Nun soll soziales Engagement die Besucher zum Müllsammeln bringen. "Jeder volle Müllsack wird von uns gezählt und löst eine Spende von einem Euro an soziale Projekte aus der Region aus", so eine FKP-Sprecherin. "Sobald dadurch ein Projekt umgesetzt werden kann, starten wir den Zähler für das nächste. So sehen unsere Gäste live, dass ihr Verhalten Gutes bewirkt."

Allerdings: So richtig gut lief das Ganze im vergangenen Jahr noch nicht. Der "Weser-Kurier" berichtete am Montag nach dem Festival 2022, dass nicht mal 7.000 Müllsäcke abgegeben wurden. Und das bei 80.000 Besuchern. Auch Projekte konnten nicht unterstützt werden, weil zu wenig gespendet wurde.

Neuer Sponsor sorgte für Ärger

Doch nicht nur das Müll-Thema ist für die Festival-Veranstalter nicht ganz einfach. Im Jahr 2022 sorgten neue Sponsoren für Ärger. Vor allem das Unternehmen Shein, eine Fast-Fashion-Firma aus China, erzürnte die Fans. "Shein hatte uns eine Anfrage gestellt, und wir haben uns dazu entschieden, sie anzunehmen", lässt der Veranstalter t-online wissen. "Wir verstehen, dass die Kritik an Shein als Gegensatz zu unserer nachhaltigen Ausrichtung aufgefasst wird."

FKP Scorpio geht argumentativ sogar noch weiter: "Wir glauben, dass echter Wandel nur möglich ist, wenn er von großen Firmen wirklich mitgetragen wird", so eine Sprecherin. Dafür gebe es etwa in der Nahrungsmittelindustrie viele Beispiele: Vegetarismus und Veganismus seien so alltäglich geworden, weil große Fleisch- oder Fast Food-Produzenten ihre Produktion umgestellt hätten. "Heutzutage sind pflanzliche Ersatzprodukte überall zu kaufen." Und genau das würde man sich auch in der Modeindustrie wünschen.

Ob der Plan aufgegangen ist, bleibt unklar. Zumindest das Sponsoring wurde 2023 nicht verlängert.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Telefonat mit einer Sprecherin der FKP Scorpio Agentur
  • weser-kurier.de: Hurricane 2022: Müllsammelaktion findet kaum Anklang
  • kreiszeitung.de: Beim Scheeßeler Hurricane ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema
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