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Essener Uniklinik-Professor: "Situation auf der Intensivstation ist wirklich dramatisch"

Klinikarzt über Intensivstation  

"Unklar, ob diese Patienten jemals nach Hause kommen"

Von Benedikt Kaninski

26.11.2021, 08:53 Uhr
Essener Uniklinik-Professor: "Situation auf der Intensivstation ist wirklich dramatisch". Professor Dr. Thorsten Brenner in der Uniklinik Essen: Der Mediziner bezeichnet die Lage in seinem Krankenhaus als dramatisch. (Quelle: Uniklinik Essen)

Professor Dr. Thorsten Brenner in der Uniklinik Essen: Der Mediziner bezeichnet die Lage in seinem Krankenhaus als dramatisch. (Quelle: Uniklinik Essen)

Die vierte Welle des Coronavirus überrollt Deutschland. In den Krankenhäusern steigt die Sorge vor einer Überlastung der Kapazitäten. Auch in der Essener Uniklinik ist das Personal am Rande der Erschöpfung. Die Covid-Patienten werden immer jünger. 

17 Jahre alt ist der aktuell jüngste Intensivpatient an der Uniklinik in Essen. Statt sich mit Freunden zu treffen, Sport zu treiben oder für die Schule zu lernen, liegt der junge Mann – ohne Vorerkrankungen – mit Covid-19 auf der Intensivstation.

"Es ist unklar, ob diese Patienten jemals wieder nach Hause kommen. Und wenn sie nach Hause kommen, in welchem Zustand. Die Situation auf der Intensivstation ist wirklich dramatisch", erklärt Professor Dr. Thorsten Brenner, der am Klinikum die Anästhesie leitet.

Intensivstation Essen: Großteil der Patienten nicht geimpft

Dabei ist der 17-Jährige nicht der einzige junge Covid-19-Patient. "Die anderen sind unter anderem 23, 32, 37 oder 43 Jahre alt", sagt Brenner. Corona reiße sie aus ihrem Alltag. "Sie sind allesamt nicht geimpft und hatten sicher eine andere Lebensplanung, als jetzt bei uns auf der Intensivstation zu liegen." 

Insgesamt behandelt die Uniklinik auf den Intensivstationen derzeit 24 Patienten, 48 sind es inklusive der Normalstationen. Erst vor vier Wochen hatte sich t-online mit einer Intensivpflegerin des Klinikums unterhalten.

Eine Intensivstation der Uniklinik Essen (Archivbild): Hier werden auch viele junge Corona-Patienten behandelt. (Quelle: Benedikt Kaninski)Eine Intensivstation der Uniklinik Essen (Archivbild): Hier werden auch viele junge Corona-Patienten behandelt. (Quelle: Benedikt Kaninski)

Die Lage in Essen hat sich seitdem dramatisch verschlechtert. Nicht zu vergessen: Im Süden und Osten Deutschlands sieht es auf den Intensivstationen noch weitaus schlimmer aus.

Brenner stellt sich auch in Essen auf harte Wochen ein: "Wir hoffen, dass diese Welle vielleicht irgendwann Halt macht und wir nicht in die Situation kommen, wie es letzten Winter war. Das ist aber eine Hoffnung, die nicht sonderlich realistisch ist".

Vor etwa einem Jahr waren es in den Hochzeiten 150 Corona-Patienten, die im Uniklinikum Essen versorgt wurden. 60 von ihnen mussten intensivmedizinisch behandelt werden.

Im medizinischen Team vor Ort steigt die Frustration über diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen. Gerade weil das Pflegepersonal sowie die Ärzte jeden Tag an ihre persönlichen Belastungsgrenzen gehen.

Kein Verständnis für "Ungeimpft"-Arzt aus Essen

Erst vor kurzem hatte ein Arzt am Sankt Josef Krankenhaus in Kupferdreh für Aufsehen gesorgt. Er kam mit einer Armbinde zur Arbeit, auf der "Ungeimpft" stand. Über das Verhalten des Fachkollegen kann Professor Brenner nur mit dem Kopf schütteln: "Ich finde es sehr schade, dass Menschen in dieser Garantenstellung in die Öffentlichkeit treten und damit das Gros der Ärzteschaft, das durchgeimpft ist, ins schlechte Licht rückt".

Ein solcher Vorfall könne sich am Klinikum nicht abspielen: "Ausschließen kann man generell natürlich gar nichts. Ich kann aber für meine Klinik garantieren, dass wir im ärztlichen Dienst eine Impfquote von 100 Prozent haben."

Trotzdem sei die derzeitige Situation mit Blick auf die Mitarbeiter nicht leicht. "Betten und Maschinen haben wir mittlerweile genug, aber wir brauchen einfach mehr Personal", fordert Brenner.

Die meisten Patienten auf der Intensivstation sind ungeimpft

Eine Impfpflicht im medizinischen Bereich sei außerdem eine sinnvolle Maßnahme: "Wer bei uns auf die Station kommt, sieht den puren Beweis dafür, dass die Impfung wirkt und schwere Verläufe verhindert. Bei uns sind über 80 Prozent der Patienten, die auf der Intensivstation liegen, nicht geimpft", moniert der Arzt.

Weiter fügt er hinzu: "Diejenigen, die geimpft sind, haben in der Regel Vorerkrankungen, durch die die Impfung nicht ihre vollständige Wirkung entfalten kann". Trotzdem scheint einigen der Ernst der Lage noch immer nicht klar zu sein.

Verwendete Quellen:
  • Telefonat mit Thorsten Brenner

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