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Hagen: Hochwasser spült geheimes Nazi-Versteck frei

"Wissenschaftlicher Schatz"  

Hochwasser spült geheimes Nazi-Versteck frei

04.08.2021, 08:20 Uhr | dpa, t-online, mtt, nhe

Hagen: Hochwasser spült geheimes Nazi-Versteck frei. Gasmasken für Frauen, Männer und Kinder aus der Nazizeit: Sie lagen in einer Art Schacht hinter einer Wand. (Quelle: dpa/Stadtarchiv Hagen)

Gasmasken für Frauen, Männer und Kinder aus der Nazizeit: Sie lagen in einer Art Schacht hinter einer Wand. (Quelle: Stadtarchiv Hagen/dpa)

Ein Dreivierteljahrhundert haben historisch wertvolle Briefe, Dokumente und Gegenstände hinter der Wand eines Wohnhauses in Hagen gelegen. Dann kam die Flut – und legte das alte Nazi-Versteck frei.

Ein Geschichtslehrer hat in dem Hagener Haus seiner Tante ein verborgenes Versteck der Nationalsozialisten gefunden. Bei Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser stellte er fest, dass sich an einer Wand im Erdgeschoss eine Rigipsplatte gelöst hatte. Dahinter stieß Sebastian Yurtseven zunächst auf eine Zeitung aus dem Jahr 1945, dann auf zahlreiche weitere Gegenstände und Dokumente, die in einer Art Schacht lagerten – darunter ein Revolver, Schlagringe, Gasmasken, ein Parteiadler der NSDAP und alte Briefe.

Da der gesamte Fund unter Bodendenkmalschutz fällt, begann die LWL Archäologie für Westfalen zusammen mit Mitarbeitern des Stadtmuseums und des Stadtarchivs ihre Arbeit. Die Objekte werden nun nach und nach gereinigt, konserviert und ausgewertet.

"Unmengen an Material" der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt

Zwischen Backsteinen liegen in einer Wand Nazi-Dokumente: Das verheerende Hochwasser in NRW hat sie freigespült. (Quelle: dpa/Stadtarchiv Hagen)Zwischen Backsteinen liegen in einer Wand Nazi-Dokumente: Das verheerende Hochwasser in NRW hat sie freigespült. (Quelle: Stadtarchiv Hagen/dpa)

Es handle sich um "Unmengen an Material" einer örtlichen Dienststelle der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), sagte Ralf Blank, Leiter des Hagener Stadtarchivs am Dienstag. Die frühesten Fundstücke werden bislang auf das Jahr 1928 datiert. Experten seien weiterhin mit der Sichtung des Materials beschäftigt, das in rund einem Dutzend großer Kunststoffkisten liege.

Nazis versteckten wohl geheime Unterlagen bei Einmarsch der US-Truppen

NSV-Mitglieder hätten womöglich die Unterlagen ihrer Dienststelle im Stadtteil Eckesey hektisch in den rund 30 Zentimeter breiten Zwischenraum von zwei Häusern geworfen, als amerikanische Truppen im April 1945 nach Hagen einrückten, vermutete Blank. Die NSV habe im Zweiten Weltkrieg etwa die Kinderlandverschickung verantwortet und die Bevölkerung nach Luftangriffen betreut oder auch Schwangerschaften dokumentiert.

Eine Signalpfeife der SA: Das Stadtarchiv datiert sie circa auf das Jahr 1933. (Quelle: Juliane Wahlsdorf/Stadtarchiv Hagen)Eine Signalpfeife der SA: Das Stadtarchiv datiert sie circa auf das Jahr 1933. (Quelle: Juliane Wahlsdorf/Stadtarchiv Hagen)

Zu der NSDAP-Parteiorganisation existiere bisher wenig Quellenmaterial, weshalb es sich laut Blank um einen "seltenen Fund" handelt. Dieser soll zunächst im Stadtarchiv bleiben. Man wolle die Dokumente auch teils für eine Ausstellung im Stadtmuseum aufbereiten.

"Das ist der absolute Hammer"

Dass die Nachfrage dafür besteht, zeigen die Reaktionen in den sozialen Medien. Der erste Beitrag des Stadtarchivs über den Fund vom 28. Juli wurde bereits über 270 Mal geteilt. "Das ist doch der absolute Hammer, eine wahre Zeitkapsel", schreibt eine Userin. Eine andere hofft auf weitere Berichterstattung über den Fortgang der Auswertung.

Das Stadtarchiv überprüft eine Wand: Hier wurden die Objekte gefunden. (Quelle: Dr. Ralf Blank/Stadtarchiv Hagen)Das Stadtarchiv überprüft eine Wand: Hier wurden die Objekte gefunden. (Quelle: Dr. Ralf Blank/Stadtarchiv Hagen)

"Das sind keine Goldbarren und es ist nicht das Bernsteinzimmer. Aber es ist ein wissenschaftlicher Schatz", sagte ein Experte zu t-online. Und Finder Sebastian Yurtseven erinnerte sich an den Moment der Entdeckung: "Das war tatsächlich erst mal Gänsehaut. Dass das so ein Riesenfund wird, habe ich nicht gedacht."

Verwendete Quellen:

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