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Tui will im Sommer zurĂŒck auf Vorkrisenniveau

Von dpa
08.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Reisekonzern Tui
Das Logo des Reiseunternehmens Tui ist an der Fassade eines ReisehÀndlers angebracht. (Quelle: Nicolas Armer/dpa/dpa-bilder)
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Das zweite Corona-Jahr hat dem weltgrĂ¶ĂŸten Reisekonzern Tui einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt. Erst im Sommer zog das GeschĂ€ft deutlich an. Dank auch zuletzt starker Buchungszahlen wagte Vorstandschef Fritz Joussen bei der Vorlage der Jahresbilanz am Mittwoch aber eine optimistische Prognose: "Wir erwarten fĂŒr den Sommer 2022 und die Hauptreisezeit die RĂŒckkehr zu einem Buchungsniveau in etwa wie vor Corona 2019."

Dabei schloss der Manager eine weitere Kapitalerhöhung nicht aus. Tui könnte das Geld zur RĂŒckzahlung der milliardenschweren Staatshilfen benötigen. Die Hannoveraner hatten erst im Herbst 1,1 Milliarden Euro mit einer erneuten Kapitalerhöhung hereingeholt.

Auch wegen dieser Finanzspritze zeigte sich Joussen sicher, dass dem Konzern im typischerweise reiseschwachen Winterhalbjahr nicht das Geld ausgeht. "Die LiquiditĂ€t ist so stark, dass wir denken, LiquiditĂ€t spielt fĂŒr uns keine Rolle mehr", sagte er in einer Telefonkonferenz. Am 6. Dezember verfĂŒgte die Tui-Gruppe ĂŒber flĂŒssige Mittel und Kreditlinien in Höhe von 3,5 Milliarden Euro.

Im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr 2020/2021 bis Ende September hinterließ die Pandemie noch einmal tiefe Spuren in der Tui-Bilanz. Der Umsatz sackte um rund 40 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro nach unten, nachdem das Winterhalbjahr 2019/2020 noch kaum von Corona betroffen gewesen war. Unterm Strich stand jetzt ein Fehlbetrag von fast 2,5 Milliarden Euro - immerhin gut ein FĂŒnftel weniger als ein Jahr zuvor.

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Joussen zufolge hat Tui fĂŒr das laufende Winterhalbjahr noch fast ein Drittel weniger Buchungen als im letzten Winter vor der Krise. Die Entwicklung bleibe aber unsicher. "Auch Omikron wird diese Zahlen nicht groß beeinflussen können", meinte er mit Blick auf die neue Virusvariante. Zum folgenden OstergeschĂ€ft zeigten die Buchungen dann schon wieder deutlich nach oben: "Man sieht, dass die Buchungsmuster nach der Krise sehr stark sind, auch das Preisniveau ist gut."

Auch im wichtigen Sommerquartal 2021 lief es wieder besser. So lag der Umsatz von Juli bis September dieses Jahres mit 3,4 Milliarden Euro 173 Prozent höher als im Sommer 2020. Konzerneigene Hotelketten wie Tui Blue, Riu und Robinson lieferten im laufenden GeschÀft schwarze Zahlen ab, konzernweit reduzierte sich der bereinigte operative Verlust (bereinigtes Ebit) auf knapp 100 Millionen Euro.

Insgesamt zĂ€hlte Tui im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr nur 5,4 Millionen GĂ€ste, davon 3,8 Millionen im Sommerquartal. Damit erreichte das GeschĂ€ft in den Monaten Juli bis September lediglich rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus. FĂŒr den laufenden Winter und den Sommer 2022 hat Tui derzeit schon 4,1 Millionen Buchungen eingesammelt - trotz der Verunsicherung durch die neue Virus-Variante.

"Die Leute wollen verreisen und sind bereit, fĂŒr ihren Urlaub relativ viel Geld auszugeben", sagte Joussen. So investierten Tui-Kunden in diesem Winter im Schnitt etwa 15 Prozent mehr in ihren Urlaub als vor der Pandemie. FĂŒr den kommenden Sommer seien die bereits gebuchten Reisen 23 Prozent teurer als 2019. Dies liege jedoch weniger an Preiserhöhungen als am Produktmix: Die Menschen buchten lĂ€ngere Urlaube und höherwertige Hotels - etwa fĂŒnf Sterne statt vier Sterne.

Von der neuen Virus-Variante ließ sich der Manager seine Erwartungen nicht madig machen. "Diesen Sommer hatten wir eine viel niedrigere Impfquote als jetzt", sagte Joussen. Mit den jetzigen Quoten, den Booster-Impfungen und den ersten Medikamenten gegen Covid-19 sieht er gute Voraussetzungen dafĂŒr, dass sich die Nachfrage weiter erholen kann. Zudem erwartet er mehr Buchungen aus Großbritannien. Die Reiselust der dortigen Kunden war im letzten Sommer noch von strengen QuarantĂ€neregeln fĂŒr RĂŒckkehrer aus vielen LĂ€ndern gebremst worden.

Joussens Prognose fĂŒr nĂ€chsten Sommer bedeutet jedoch nicht, dass die Menschen etwa aus Deutschland oder Großbritannien schon 2022 wieder so viel reisen wie vor der Krise. Gemeint sei "das Vorkrisenniveau fĂŒr uns, nicht das Vorkrisenniveau fĂŒr den Markt", sagte der Manager. Schließlich habe es 2019 mit Thomas Cook in Europa noch einen großen Wettbewerber gegeben. Sollte Tui im Sommer 2022 das Vorkrisenniveau erreichen, lĂ€ge dies wohl auch an frĂŒheren Thomas-Cook-Kunden.

Um Tui vor dem Aus zu retten, hat der deutsche Staat rund vier Milliarden Euro an Kapital und Krediten zur VerfĂŒgung gestellt. Davon hatte Tui Anfang Dezember noch rund 1,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen, dafĂŒr aber eine große Kreditlinie privater Banken in Ă€hnlicher Höhe fast voll genutzt. Insgesamt lag die Nettoverschuldung Ende September bei fast 5 Milliarden Euro. Wie schon die Lufthansa wĂŒrde sich Tui gern wieder vom staatlichen Hilfstropf lösen.

"Die Staatshilfe wollen wir zurĂŒckfĂŒhren, und zwar zĂŒgig", sagte Joussen. Dazu will er das laufende GeschĂ€ft mittelfristig deutlich profitabler machen. Als weitere mögliche Geldquellen nannte er eine weitere Kapitalerhöhung sowie Fusionen und Übernahmen. So hat Tui eine Reihe von Hotelimmobilien abgestoßen und die Kreuzfahrt-Reederei Hapag-Lloyd Cruises an das Gemeinschaftsunternehmen Tui Cruises verkauft, das dem Konzern nur zur HĂ€lfte gehört.

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