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Schulen in Kiel setzen auf Fairtrade und Nachhaltigkeit

Von Sven Raschke

Aktualisiert am 07.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Die Berufsschule RBZ Wirtschaft in Kiel: Die Schule hat fĂŒr ihr Projekt Auszeichnungen der Stadt Kiel, der UN, UNESCO und den Deutschen Schulpreis gewonnen.
Die Berufsschule RBZ Wirtschaft in Kiel: Die Schule hat fĂŒr ihr Projekt Auszeichnungen der Stadt Kiel, der UN, UNESCO und den Deutschen Schulpreis gewonnen. (Quelle: Sven Raschke/leer)
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Das Thema nachhaltiger und fairer Handel ist in den Bildungseinrichtungen der Stadt angekommen. Besonders die Berufsschule RBZ Wirtschaft Kiel macht mit ihrem Engagement europaweit auf sich aufmerksam.

Das Thema Fairtrade durchdringt mehr und mehr die Gesellschaft. So setzen sich in Kiel neben Vereinen und VerbĂ€nden auch eine Reihe von Schulen fĂŒr nachhaltigen Konsum und gerechtere Handelsstrukturen ein. Vom gemeinnĂŒtzigen Verein Transfair, der den fairen Handel in Deutschland voranbringen will, sind sie dafĂŒr als "Fairtrade-School" zertifiziert. Vorreiter und MusterschĂŒler unter den drei Ausgezeichneten ist dabei ohne Frage die Berufsschule RBZ Wirtschaft in im Stadtteil Ravensberg.

An der Schule engagiert man sich seit bald 20 Jahren intensiv in dem Bereich und wurde dafĂŒr bereits vielfach ausgezeichnet. Neben dem Angebot von Fairtrade-Produkten in der Schule ist man hier besonders stolz auf ein Förderprojekt in Tansania, wo mithilfe der Kieler eine neue Schule aufgebaut wurde.

Schulprojekte in Afrika, faire Snacks in der Cafeteria

"Mit der Sekundarschule am Kilimandscharo pflegen wir engen Kontakt", erklĂ€rt Oliver Zantow. Mit dem Abteilungsleiter fĂŒr den Bereich "Bildung fĂŒr Nachhaltigkeit" hat die Schule einen eigenen Posten fĂŒr die Thematik. "Das ist bundesweit vielleicht nicht einmalig, aber schon sehr außergewöhnlich", so Zantow. Er selbst war bis vor Corona jedes Jahr vor Ort in Tansania, SchĂŒler und andere Lehrer besuchen die Schule regelmĂ€ĂŸig und helfen beim Aufbau der Strukturen.

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"CafĂ© Kilimanjaro": Dort werden ausschließlich Fairtrade- und Bio-Snacks sowie GetrĂ€nke verkauft.
"CafĂ© Kilimanjaro": Dort werden ausschließlich Fairtrade- und Bio-Snacks sowie GetrĂ€nke verkauft. (Quelle: Oliver Zantow/leer)

Aus der Auslandshilfe hat sich daheim am RBZ ein dauerhaftes SchĂŒlerprojekt entwickelt. Die von SchĂŒlern gefĂŒhrte Cafeteria "CafĂ© Kilimanjaro" verkauft ausschließlich Fairtrade- und Bio-Snacks sowie GetrĂ€nke und ist eng in den Unterricht eingewoben. So sollen die SchĂŒler den Zusammenhang von Wirtschaft und gerechtem, nachhaltigem Welthandel lernen und zugleich umsetzen.

Nachhaltigkeitspreis gewonnen

Ein weiteres Projekt an der Schule ist die Textilwerkstatt "Leuchtstoff". Hier nĂ€hen junge GeflĂŒchtete aus den DaZ-Klassen der Schule Feder- und UmhĂ€ngetaschen sowie andere GegenstĂ€nde fĂŒr den Schulbedarf – ĂŒberwiegend aus Altkleidern. "Daneben bestellen wir ausschließlich Produkte aus Fairtrade und Bio-Baumwolle", so Zantow. Das Thema Nachhaltigkeit wird im begleitenden Unterricht ergĂ€nzend behandelt. Verkauft werden die Sachen schulintern. Im Dezember letzten Jahres gewann das Projekt den Hauptpreis im Nachhaltigkeitswettbewerb der Stadt.

Auch in der Schulmensa wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. Das komplette Angebot auf Fairtrade und Bio umzustellen, wĂ€re fĂŒr die Schule zu kostspielig. Man bemĂŒhe sich aber um einen "möglichst großen Anteil", so Zantow. So gebe es bei Kaffee und Tee keine Ausnahme, auch die GewĂŒrze seien fair gehandelt.

ZusĂ€tzlich zu weiteren Veranstaltungen hat die Schule eine Nachhaltigkeitsanalyse fĂŒr den gesamten Betrieb anfertigen lassen. "Das gab es bisher noch nirgendwo", so Zantow. Die Ergebnisse lĂ€gen seit kurzem vor. Die Empfehlungen werden man umsetzen.

Vorbild in Deutschland und Europa

"Wir haben Nachhaltigkeit zum strategischen Ziel unserer Schule gemacht", erklĂ€rt Zantow. "Damit gelten wir in Schleswig-Holstein und deutschlandweit als Vorreiter, weil wir auch wirklich PrioritĂ€ten auf diesem Gebiet gesetzt haben. Mittlerweile besuchen auch recht regelmĂ€ĂŸig Landtagsabgeordnete unsere Schule – oder Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa, um sich Anregungen zu holen." Neben dem Eigenlob sprechen fĂŒr das RBZ Wirtschaft die verschiedenen Auszeichnungen von der Stadt Kiel, der UN, UNESCO und durch den Deutschen Schulpreis.

Sieben Schulen in Kiel ausgezeichnet

Das Siegel "Fairtrade-School" tragen in Kiel neben dem RBZ Wirtschaft auch die Lilli-Martius-Schule und das Thor-Heyerdahl-Gymnasium. Daneben sind vier weitere Schulen Mitglieder der Fairtrade-Stadt Kiel (Christliche Schule Kiel, Max-Planck-Schule, Gorch-Fock-Schule, KĂ€the-Kollwitz-Schule). Voraussetzung dafĂŒr: Sie mĂŒssen mindestens ein faires Produkt im Schulalltag anbieten und einmal im Jahr eine Bildungsveranstaltung zum Thema Fairtrade organisieren. Die Stadt selbst trĂ€gt seit 2013 den Titel "Fairtrade-Stadt".

"GrundsĂ€tzlich zeichnet sie alle das Engagement aus, dass sich SchĂŒler mit dem Thema Fairtrade befassen und eigene Projekte starten", erklĂ€rt Nicoline Henkel vom Umweltschutzamt der Stadt und nennt ein Beispiel: "In der Lilli-Martius-Schule haben unter anderem Ă€ltere SchĂŒler fĂŒr GrundschĂŒler fairen Unterricht gemacht, faire NikolĂ€use zu Weihnachten, faire Rosen zum Valentinstag und faire Snacks in der Kantine angeboten."

Die Möglichkeiten sind begrenzt

Die Christliche Schule Kiel ist seit sieben Jahren dabei. Kaffee, Tee und Zucker in den Lehrerzimmern sind Fairtrade. Eine große Umstellung bedeutete der Titel fĂŒr die Schule nicht. "Wir hatten die Produkte vorher nicht durchgehend und haben es dann entsprechend umgestellt", sagt Gesche Wendt, die Leiterin der Gemeinschaftsschule an der Grund- und Gemeinschaftsschule. Zudem habe man das Thema an verschiedenen anderen Stellen sowie im Unterricht aufgegriffen.

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Die Mensa oder Cafeteria entsprechend umzustellen, sei nicht geplant. "Da können wir nicht auf Fairtrade gehen, weil es zu teuer fĂŒr die SchĂŒler wĂŒrde", erklĂ€rt Wendt. Das Projekt unterstĂŒtze man gern, so gut es geht. "Dass wir diese Auszeichnung haben, macht aber nicht den Unterschied, sondern dass wir Kollegen haben, die daran interessiert sind und es zum Thema machen – im Unterricht und im Lehrerzimmer."

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