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Der Gr├╝ne Engel der Uniklinik

Von t-online
Aktualisiert am 01.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Wilma Jessen vor einem Schild am UKSH: Die 71-J├Ąhrige ist seit zehn Jahren bei den "Gr├╝nen Engeln".
Wilma Jessen vor einem Schild am UKSH: Die 71-J├Ąhrige ist seit zehn Jahren bei den "Gr├╝nen Engeln". (Quelle: t-online/T-Online-bilder)
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Zeit f├╝r Patienten ist ein rares Gut in Kliniken. Die "Gr├╝nen Damen und Herren" schenken am UKSH in Kiel genau das. Als Leiterin der Ehren├Ąmtler k├╝mmert sich Wilma Jessen seit zehn Jahren um die kleinen materiellen und die gro├čen seelischen Belange der Kranken.

Einmal zum Beispiel, erinnert sich Wilma Jessen, sei eine Patientin aus S├╝ddeutschland in die Uniklinik in Kiel gekommen. Die Frau hatte nichts dabei und auch keine Verwandten oder Bekannten in der Gegend, die sie h├Ątten besuchen k├Ânnen.

Einsatz Wilma Jessen: Sie versorgte die Frau mit Zahnb├╝rste, Waschzeug, frischer Kleidung. "Sie war so froh dar├╝ber, dass da jemand war, der ihr half, dass sie in Tr├Ąnen ausbrach", erz├Ąhlt Jessen. "Sie nahm meine Hand, dr├╝ckte ganz fest und l├Ąchelte dankbar."

Zum Wohlbefinden der Patienten

Dankbar war die Frau nicht nur f├╝r die materielle Versorgung, sondern vor allem f├╝r den menschlichen Kontakt, die warmen Worte, die Aufmerksamkeit, die Wilma Jessen ihr schenkte. Jessen leitet das ehrenamtliche Team der "Gr├╝nen Damen und Herren" am UKSH. "Unsere Hauptaufgabe ist es, den Patienten unsere Zeit zu schenken", beschreibt sie selbst das T├Ątigkeitsfeld ihres auch als "Gr├╝ne Engel" bezeichneten Teams.

Dem Krankenhauspersonal fehle h├Ąufig die Zeit, sich die Sorgen und Probleme der Patienten anzuh├Âren. "Wir bem├╝hen uns, zum Wohlbefinden der Patienten beizutragen, indem wir Gespr├Ąche f├╝hren und zuh├Âren."

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Denn wie im Fall der s├╝ddeutschen Dame sei nicht immer ein Familienmitglied oder Freund zur Stelle. Manch einer tue sich auch schwer, seine N├Âte dem engeren Kreis anzuvertrauen. "Da sind sie froh, wenn sie eine neutrale Person haben, mit der sie sich unterhalten k├Ânnen", sagt Jessen.

Organisation bei eigenem Krankenhausaufenthalt kennengelernt

Die 71-j├Ąhrige ehemalige Lehrerin ist seit zehn Jahren bei den "Gr├╝nen Engeln". "Ich war vor 20 Jahren selber mal Patientin. Da habe ich das erste Mal die Gr├╝nen Damen ÔÇô damals hie├čen sie noch so ÔÇô kennengelernt."

Der Besuch der Gr├╝nen Dame an ihrem Bett habe ihr so gut gefallen, dass sie beschloss: Wenn sie in Rente geht, macht sie das auch. Zwei Jahre nach ihrem Antritt gab die damalige Einsatzleiterin ihren Posten auf, und Jessen ├╝bernahm die F├╝hrung. "Ich hatte zun├Ąchst gez├Âgert, weil es doch eine gro├če Aufgabe ist. Ich f├╝hlte mich aber auch geehrt, dass ich gefragt worden bin."

"Wissen nicht, was uns hinter der T├╝r erwartet"

Zuh├Âren, da sein, Hand halten, kleinere Besorgungen machen, wenn etwas fehlt ÔÇô sei es die Zahnb├╝rste oder etwas zum Anziehen aus der Kleiderkammer der "Gr├╝nen Engel". Bei Bedarf stellen sie auch Kontakt zum Sozialdienst oder zur Klinikseelsorge her. "Man muss schon eine ganze Menge an Einsch├Ątzungs- und Einf├╝hlungsverm├Âgen mitbringen", sagt Jessen. "Denn wir gehen in jedes Krankenzimmer, ohne zu wissen, was uns hinter der T├╝r erwartet."

Die meisten Patienten seien sehr dankbar f├╝r das Angebot. "Es kann sein, dass wir lange, pers├Ânliche Gespr├Ąche f├╝hren. In anderen F├Ąllen sind wir schon nach wenigen Minuten wieder drau├čen."

"Es ist manchmal sehr, sehr schwierig"

Manchmal tut es auch schon die praktische Hilfe bei der Bedienung des Fernsehers oder des Telefons. Andere F├Ąlle sind selbst f├╝r die Erfahrenen unter den Engeln eine Herausforderung ÔÇô etwa wenn ein Patient nach einer Diagnose wei├č, dass das Leben zu Ende geht. "Das ist dann auch f├╝r uns eine sehr belastende Situation", sagt Jessen. "Da fehlen einem h├Ąufig die Worte. Aber Worte sind dann vielleicht auch nicht das Richtige. Dann hilft eine Ber├╝hrung, das Zeigen von Mitgef├╝hl, oft mehr."

"Es ist manchmal sehr, sehr schwierig", sagt Jessen. "Es gibt Geschichten, die man mit nach Hause nimmt und mitleidet."

Warum sie das Ehrenamt macht? "Weil ich darin eine sehr sinnvolle T├Ątigkeit sehe." Sie mag es, ihre Zeit daf├╝r einzusetzen, anderen Menschen zu helfen. "Ich mache es nicht nur f├╝r den Patienten, sondern ich muss zugeben, auch f├╝r mich, weil es sehr bereichernd ist." Nach dem Dienst, ├╝blicherweise einmal die Woche von 9 bis 12 Uhr, f├╝hle man sich einfach gut. "Man wei├č, dass man den Patienten ein L├Ącheln gebracht hat. Dass meine Anwesenheit gutgetan hat, dass die Menschen und auch die Klinikleitung es sch├Ątzen. Und das erf├╝llt mich nat├╝rlich auch mit Stolz und mit einem guten Gef├╝hl."

Corona l├Ąsst Gruppe schrumpfen

Als Einsatzleiterin kommen bei Wilma Jessen zum 9-bis-12-Patientendienst noch weitere Aufgaben dazu. Da ist die allgemeine Organisation, der regelm├Ą├čige Besuch der verschiedenen Gruppen des etwa 60-k├Âpfigen Teams, das Planen von Ausfl├╝gen und Weiterbildungen. Die Weihnachtsfeier falle dieses Jahr allerdings leider erneut aus ÔÇô Corona.

Die Pandemie ist auch der Grund, warum zurzeit nur etwa die H├Ąlfte der "Gr├╝nen Engel" im Einsatz ist. Die meisten seien bereits etwas ├Ąlter. Was auch der Grund sei, warum die Gruppe zuletzt immer kleiner wurde, denn der Nachwuchs r├╝cke nicht entsprechend nach. Vor zwei Jahren zum 20. Jubil├Ąum waren es noch etwa 70 "Gr├╝ne Engel". "Wir k├Ânnen jeden gebrauchen, der Interesse hat und die Voraussetzung mitbringt", sagt Jessen. M├Ąnner ├╝brigens genauso wie Frauen, auch wenn die ├╝berwiegende Mehrheit der Engel bisher weiblich ist.

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Warum das so sei? "Das ist eine gute Frage", sagt Wilma Jessen. Eine Vermutung liegt ihr auf der Zunge, doch sie m├Âchte nicht gern die ├╝blichen Klischees bedienen. So sagt sie nur: "Wir sind froh um jeden, der zu uns kommt."

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