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"Ich habe dem Patienten von draußen beim Sterben zugucken müssen"

Von dpa, mec

Aktualisiert am 04.07.2022Lesedauer: 2 Min.
Uniklinik-Beschäftige mit Plakat: Eindrückliche Erfahrungsberichte, vorgelesen in einer Kölner Kirche, sollen aufrütteln.
Uniklinik-Beschäftige mit Plakat: Eindrückliche Erfahrungsberichte, vorgelesen in einer Kölner Kirche, sollen aufrütteln. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)
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Wochenlanger Streik: Mit erschütternden Erfahrungsberichten aus dem Arbeitsalltag möchten Uniklinik-Beschäftigte aufrütteln.

Uniklinik-Beschäftigte haben mit dramatischen Erfahrungsberichten aus ihrem Alltag auf die Gefahren von Personalmangel in Krankenhäusern hingewiesen. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trugen am Montag in Köln in einer voll besetzten Kirche anonymisierte Texte vor, die nach Angaben der Organisatoren von Kolleginnen und Kollegen verfasst worden waren.

Sie sollten verdeutlichen, was es für Patienten bedeute, wenn in Unterbesetzung gearbeitet werde und wie es für Beschäftigte sei, derartigen Situationen ausgesetzt zu sein. Mitinitiator und auch Zuhörer bei der Aktion in der Kirche war der Kriminalbiologe Mark Benecke.

Mark Benecke in der Kirche: Der Kriminalbiologe unterstützt die Streikenden in Köln.
Mark Benecke in der Kirche: Der Kriminalbiologe unterstützt die Streikenden in Köln. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Die Berichte sind stationsübergreifend, sie reichen von der Geburtsstation über die Radiologie bis über die Notaufnahme. In einigen Aspekten ähneln sie sich aber: Patientinnen und Patienten können nicht gut genug versorgt werden, verbringen teils Stunden in ihren eigenen Exkrementen, manche versterben unbemerkt beinahe oder tatsächlich – so die Erfahrungsberichte. Sie sind eindrücklich und beklemmend, und sie sollen darauf aufmerksam machen, dass zu wenig Personal zu viele Patientinnen und Patienten versorgen muss, aus kommerziellen Gründen, heißt es von den Initiatoren.

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Köln: "Schwarzbuch" soll bei Tarifverhandlungen helfen

Auch von "Fließbandarbeit" war die Rede, in der keine Zeit für Trauer bleibe. Ein Corona-Patient sei allein gestorben, weil es unmöglich gewesen sei, ihm aufgrund der Personal-Lage noch Gesellschaft zu leisten. "Ich habe dem Patienten von draußen beim Sterben zugucken müssen, weil zu wenig Personal da war", hieß es in dem Text. Auch für Essen oder Getränke bleibe mitunter keine Zeit.

Eine Autorin berichtete in den auch online veröffentlichten Dokumenten, wie sie nach dem Tod eines Kindes in der Notaufnahme zurück auf die Station gegangen sei. Dort habe man "funktionieren" müssen. "Als ich später weinend im Schwesternzimmer zusammenbrach, hatte keine andere Schwester auch nur eine Minute Zeit, mich zu trösten." In einem anderen Text wurde berichtet, wie eine Frau bei einer Untersuchung krampfte. "Sofort rannte ich in den Untersuchungsraum, holte die Patientin aus dem Gerät, hielt sie fest und schrie um Hilfe", hieß es. "Doch leider hörte mich niemand, denn ich war allein."

Hintergrund der "Schwarzbuch Krankenhaus" genannten Aktion ist die laufende Tarifauseinandersetzung an den NRW-Unikliniken. Mit Streiks machen Verdi und Beschäftigte seit Wochen Druck bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern über einen sogenannten Tarifvertrag Entlastung.

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Mehrere Kliniken reagierten auf die Aktion. "Die im ,Schwarzbuch Krankenhaus' enthaltenen anonymen Schilderungen enthalten keine konkreten Angaben zu den jeweiligen Krankenhäusern, zum Zeitpunkt des Geschehens oder zu den beteiligten Personen. Insofern ist eine Zuordnung und damit inhaltliche Aufarbeitung der beschriebenen Fälle nicht möglich", erklärte ein Sprecher der Uniklinik Köln. Beschäftigte könnten aber auf mehreren Wegen kritische Situationen melden. "In allen Fällen wird nach Möglichkeiten gesucht, sofort Abhilfe zu schaffen."

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