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1. FC Köln: Sportchef Keller: "Sind auf positive Ergebnisse angewiesen"


Sportchef Keller: "Sind auf Gedeih und Verderb auf positive Ergebnisse angewiesen"

Von Marc Merten

26.09.2022Lesedauer: 5 Min.
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Die Neuzugänge beim 1. FC Köln haben noch Entwicklungspotenzial, bei vielen aktiven Spielern laufen die Verträge aus. Sportchef Keller erklärt, wie es beim FC weitergeht.

Der 1. FC Köln ist mit zehn Punkten gut in die Bundesliga-Saison gestartet und steht in der Conference-League-Gruppe an der Tabellenspitze. Sportchef Christian Keller zieht im Interview eine erste Bilanz – sportlich, finanziell und in Sachen Kaderplanung.

Herr Keller, nach bereits zwölf Pflichtspielen für den 1. FC Köln – wie fällt Ihr Zwischenfazit zum Saisonstart aus?

Christian Keller: Fangen wir in der Bundesliga an, dem mit Abstand wichtigsten Wettbewerb. Dort haben wir ungefähr einen Punkteschnitt von 1,5 nach sieben Spielen. Das ist okay. Wenn wir den halten würden, wären wir am Ende bei 51. Dann hätten wir eine sehr ordentliche Saison gespielt. Gleichzeitig habe ich eher das Gefühl, dass wir den ein oder anderen Punkt mehr hätten holen können.

Angesichts der Doppelbelastung haben wir es bis dato gut gemacht. Das Pokal-Aus war sehr ärgerlich, ist aber nicht mehr zu ändern. In der Conference League haben wir unser großes Ziel mit der Gruppenphase erreicht und schon zwei gute Spiele absolviert. Wir dürfen nicht vergessen, unsere Kadergüte immer im Vergleich zum Wettbewerb zu betrachten.

Wie ist es denn um die Kadergüte bestellt?

Es gibt sicherlich Mannschaften in der Bundesliga, die von ihrer individuellen Qualität her noch stärker besetzt sind. Wenn unser Kollektiv funktioniert, sind wir allerdings auch für die individuell noch stärkeren Teams schwer zu bespielen.

Sie haben den Kader im Sommer verändert. Worauf haben Sie bei den Neuzugängen geachtet?

Wir sind finanzwirtschaftlich derzeit nicht in der Lage, fertige Qualität zu holen, die uns konstant hohes Bundesliga-Niveau garantiert. Wir haben nur Spieler geholt, die entweder noch nie die Bundesliga gesehen haben, oder sie gesehen haben und sich bislang aber noch nicht nachhaltig durchsetzen konnten.

Alle Spieler haben deshalb Entwicklungspotenziale. Diese fallen uns nicht erst auf, wenn ein Spieler für uns spielt. Wir müssen bei der Rekrutierung nur davon überzeugt sein, dass wir den Spieler besser machen können, wenn wir systematisch mit ihm trainieren, insbesondere auch individuell.

Sie haben kurz vor Ende der Wechselfrist Nikola Soldo verpflichtet. Wie kam es zu diesem Transfer?

Wir wussten, dass wir aufgrund der im Stuttgart-Spiel eingetretenen Verletzungen kurzfristig nachlegen müssen. Der Markt war zu diesem späten Zeitpunkt aber einfach überteuert für das, was an Qualität da war. Wir hätten uns einen Söldner reinholen können, der uns wahrscheinlich nicht mal sportlich richtig weitergeholfen, dafür aber das Bankkonto erleichtert hätte. Das wollten wir nicht.

Wieso fiel die Entscheidung dann auf Soldo?

Auch da ging es um Abwägungen. Nikola ist ein talentierter Spieler, der aber wie alle anderen neuen Spieler auch noch Entwicklungspotentiale hat, unter anderem im athletischen Bereich. Nikola ist sehr offen und hat eine hohe Bereitschaft, Lernimpulse anzunehmen. Ich bin daher davon überzeugt, dass er sich bei uns deutlich verbessern wird. Aber selbst, wenn seine Entwicklung nicht in konstantes Bundesliga-Niveau münden sollte, haben wir in der Gesamtabwägung aus sportlicher und finanzwirtschaftlicher Perspektive keinen Fehler gemacht.

Als sich Jeff Chabot verletzte, hieß es aber, Sie suchten eine Soforthilfe. Bei allem Respekt vor Nikola Soldo: Ein 21-Jähriger aus der kroatischen Liga, der noch nie in der Bundesliga gespielt hat, scheint diesem Anforderungsprofil eher nicht zu entsprechen.

"In dem Moment, in dem wir durch die Verletzung von Jeff eine Notwendigkeit bekommen haben, hätten wir in Ihrer genannten Kategorie vielleicht noch Dan-Axel Zagadou holen können."

Haben Sie sich um ihn bemüht?

Der Spieler war nicht in unserer Preisklasse. Als wir vor knapp drei Wochen mit dem Berater des Spielers gesprochen haben, waren wir insofern als Klub nicht interessant. Die Gespräche waren daher schnell beendet. Egal, wie gut ein Spieler ist, wollen wir ihn nur dann, wenn er darauf brennt, bei uns spielen zu dürfen.

Warum haben Sie eigentlich trotz aller finanzieller Sorgen in diesem Sommer keine Leihspieler geholt?

Das war schon eine Option, aber die Leihspieler, die verfügbar waren, waren für uns kein Thema – oder konnten nicht. Zum Beispiel Jordan Beyer von Borussia Mönchengladbach. Er ist ein guter Spieler, aber wäre es klug für den FC, einen Spieler aus Gladbach zu leihen? Und wäre es klug für den Spieler?

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Es hat überrascht, dass Sie nicht nur keine Leihspieler verpflichtet haben, sondern auch Millionenablösen ausgegeben haben. Wie geht das mit der finanziellen Schieflage des Klubs zusammen?

Wir hatten die Aufgabe, den Personalaufwand im achtstelligen Bereich zu reduzieren und im achtstelligen Bereich Transfererlöse zu erzielen. Das ist uns beides gelungen. Nur so konnten wir die Saison finanziell glattziehen. Und dann muss man bedenken: Wenn man einen Spieler zum Beispiel für zwei Millionen Euro holt und ihm einen Vier-Jahres-Vertrag gibt, wird das Ergebnis nur in Höhe der Abschreibung plus der Nebenkosten belastet.

Können Sie das für die Nicht-Finanzer erklären?

Abgeschrieben wird linear über die Vertragslaufzeit, also in unserem Beispiel zwei Millionen Euro Ablöse auf vier Jahre – 500.000 Euro belasten jährlich das Ergebnis. Die Nebenkosten sind das Beraterhonorar. Und dann bleibt die Frage der Liquidität, das heißt, ob du die gesamte Summe sofort zahlen musst oder später beziehungsweise in Raten. Das ist Verhandlungssache.

Blicken wir nach vorne: 2023 laufen aktuell zehn Spielerverträge aus. Mit welchen Spielern werden Sie als erstes sprechen?

Diese Frage werde ich natürlich so nicht beantworten. Alle Spieler sind wichtig, das Kollektiv steht über allem.

Ein Kollektiv mit Kapitän Jonas Hector an der Spitze, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft.

Ich werde mit allen Spielern frühzeitig sprechen, deren Verträge auslaufen. Das gebietet der Anstand. Der Verein sollte nicht nur mit einem Spieler sprechen, wenn man verlängern möchte, sondern noch viel eher, wenn der Verein sagen will: Unter diesen Bedingungen können wir uns gerade nicht vorstellen zu verlängern. Ich werde keinen Spieler bis Mitte Mai 2023 hinhalten, ehe ich ihm sage: Wir werden nicht verlängern. Im Winter sollten alle wissen, woran sie sind.

Im Winter steht dann auch schon die nächste Transferperiode an. Wäre der FC finanziell in der Lage im Winter personell noch mal nachzulegen?

Wir werden, sollte die Pandemie nicht noch einmal zuschlagen und es nicht wieder zu massiven Zuschauerbeschränkungen kommen, in diesem Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erzielen. Sollte uns das gelingen, legen wir damit den Grundstein für die Gesundung des FC. Denn klar laufen 2023 einige Verträge aus, nicht nur von Spielern, auch von Dienstleistern. Verträge, die aus finanzieller Perspektive nicht immer gut für uns sind. Mit etwas Vorlauf werden wir also einiges ändern können.

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Wir sind die kommenden Jahre auf Gedeih und Verderb auf positive Jahresergebnisse in Serie angewiesen. Nur so werden wir in der Lage sein, in den nächsten Jahren die über 80 Mio. Euro Verpflichtungen zurückzuzahlen, die derzeit auf dem FC lasten. Und dann reden wir ja auch noch davon, dass wir hier bauen und unsere Infrastruktur modernisieren wollen. Das wird eine riesige Herausforderung. Es ist deshalb alternativlos, den FC zunächst zu gesunden, um ihn langfristig auch wieder investitionsfähig zu machen.

Heißt das, dass sich der FC im Winter keine Transfers wird leisten können, weil es zwingend ein positives Jahresergebnis braucht?

Wir könnten im Winter etwas machen, wenn die Notwendigkeit bestünde. Ob es zielführend wäre, werden wir erst bewerten können, wenn es so weit ist. In jedem Fall würde es finanziell arg im Rahmen bleiben. Wir sollten lieber jetzt schon darüber nachdenken, wie wir im nächsten Sommer gezielt Bausteine zum Kader hinzufügen können.

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Verwendete Quellen
  • Das Interview in voller Länge erschien am 26. September 2022 beim GEISSBLOG.
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Von Florian Eßer
1. FC Köln

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