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Kölner Zoo Wiedereröffnung nach mehr als vier Monaten Lockdown

Nach über vier Monaten  

Die Kölner haben ihren Zoo zurück

13.03.2021, 07:28 Uhr
Kölner Zoo Wiedereröffnung nach mehr als vier Monaten Lockdown. Der Tiger hielt sich am ersten Tag der Öffnung noch im Hintergrund. (Quelle: Johanna Tüntsch)

Der Tiger hielt sich am ersten Tag der Öffnung noch im Hintergrund. (Quelle: Johanna Tüntsch)

Nach mehr als vier Monaten Lockdown hat der Kölner Zoo wieder seine Pforten geöffnet. Die Sehnsucht mancher Besucher nach den Giraffen und Erdmännchen war immens.

Köln bekommt das erste Mal seit November wieder ein bisschen Normalität zurück. Am Freitag öffnete der Zoo wieder. So ganz im Alltag angekommen wirken die Zootiere aber noch nicht wieder. Ein kleines Mädchen mit Blick auf die Tiger: "Die beiden langweilen sich."

Von den Erdmännchen, die sich sonst dutzendweise um ihre Löcher herum tummeln, es sich unter den Wärmelichtern gut gehen lassen oder als Aufsichtsposten wichtige Security-Aufgaben für ihren Clan übernehmen, sind auch nicht so viele zu sehen wie sonst.

"Kinder hatten große Sehnsucht"

Die Löwen scheinen zur Schau zu stellen, dass nichts sie weniger kümmern könnte als das Geschehen da draußen. Dafür ist allerdings im Gehege der Schneeleoparden mehr Bewegung als sonst: "Die sieht man sonst ganz selten, heute habe ich sogar beide gesehen", berichtet Anne (40). Zusammen mit ihren Kindern und der 42-jährigen Silke, die ebenfalls ihre Kinder dabei hat, hat sie gleich am ersten Öffnungstag nach dem Lockdown eine Runde gedreht.

"Die Kinder hatten sehr große Sehnsucht. Wenn wir in der Nähe waren, mussten wir zumindest zu den Stellen gehen, wo man von außen ein paar Zootiere sehen kann", erzählt Anne. Silkes Kindern ging es ähnlich: "Selbst meine Dreijährige hat immer gefragt, wann wir denn wieder in den Zoo gehen."

Isa (6) zählt auf, welche Tiere sie gerne wiedersehen wollte: "Erdmännchen, Leoparden, Nilpferde." Bei Letzteren wurde sie allerdings enttäuscht: Zwar gehört das Hippodom, in dem die Flusspferde leben, zu den Tierhäusern, die geöffnet sind, aber der Einlass wird mit einem Ampelsystem reguliert, damit nicht zu viele Personen auf einmal darin sind. So hatte sich eine Warteschlange gebildet und die Familie ließ das Highlight für dieses Mal aus.

10.000 Reservierungen in zwei Stunden

Seit dem 2. November 2020 war der Zoo geschlossen, am Freitag öffnete er nun erstmals wieder. Besucher müssen sich anmelden, damit ihre Zahl reguliert werden kann. Das gilt auch für die Inhaber von Jahreskarten, weil sich maximal 3.300 Gäste gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen.

Sonst selten zu sehen: Bei der Wiedereröffnung zeigte sich sogar der Schneeleopard. (Quelle: Johanna Tüntsch)Sonst selten zu sehen: Bei der Wiedereröffnung zeigte sich sogar der Schneeleopard. (Quelle: Johanna Tüntsch)

Die Sehnsucht der Kölnerinnen und Kölner war offensichtlich groß: Nachdem die Online-Reservierung freigeschaltet war, gab es innerhalb von zwei Stunden schon 10.000 Reservierungen. Bis jetzt sind bereits 35.000 Reservierungen für die nächste Zeit vermerkt. "Es lohnt sich aber auch für Kurzentschlossene, auf die Homepage zu schauen", sagt Zoo-Sprecher Christoph Schütt: Wie viele der angemeldeten Personen an einem Tag bereits wieder gegangen sind, wird nämlich erfasst und diese Kapazität dann jeweils wieder freigegeben.

Tiere vom Fenster aus beobachtet

In einer besonderen Situation sind Christoph (40) und seine Söhne: Sie haben von ihrer Wohnung aus das Gehege der Giraffen und Impalas im Blick. "Ich hab sie nicht vermisst", erklärt einer der Jungs daher pragmatisch: "Ich hab sie ja gesehen." Aber auch sie sind dank einer Dauerkarte normalerweise Stammgäste im Zoo. "Das ist für uns wie eine Parkanlage. Wir kommen auch wegen des großen Spielplatzes hierher", sagt Christoph. Nachdem während des Lockdowns so vieles nicht möglich gewesen sei, hätten sie die Chance zum Zoobesuch nun gleich nutzen wollen.

Botschafter für den Artenschutz

Der Kölner Zoo, der nach eigenen Angaben der drittälteste in ganz Deutschland ist, ist auf die Einnahmen durch Kartenverkäufe angewiesen. "Wir bekommen von der Stadt einen Zuschuss, der etwa 20 Prozent unserer Kosten deckt, aber die anderen 80 Prozent müssen wir in Eigenleistung erbringen", berichtet Schütt. Tickets sind dabei ein wesentlicher Posten, andere Einnahmequellen sind zum Beispiel Merchandising und Gastronomie. All das lag nun den Winter über brach.

"Wir sind froh, dass wir wieder aufmachen können, aber es geht uns dabei nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt", sagt Schütt. Der Zoo habe schließlich auch einen Bildungs- und Artenschutzauftrag. Die 11.800 Tiere von 850 Arten, die in Köln-Riehl leben, sind nicht nur unterhaltsam anzusehen, sie sind auch Botschafter ihrer Artgenossen in freier Wildbahn. In der Zooschule lernten bis zum Beginn der Pandemie jedes Jahr rund 23.000 Kinder wichtige Grundlagen über die Tierwelt und ihre Bedürfnisse.

Die insgesamt 13-köpfige Elefantenfamilie gehört zu den Publikumsmagneten im Kölner Zoo. (Quelle: Johanna Tüntsch)Die insgesamt 13-köpfige Elefantenfamilie gehört zu den Publikumsmagneten im Kölner Zoo. (Quelle: Johanna Tüntsch)

"Wir mussten von jedem Tier Bilder machen, damit die Kinder sie sich zu Hause noch einmal angucken können", erzählt Heidi Schmitz, die mit ihren Enkeltöchtern Finja und Neele hier ist. Auch sie haben Jahreskarten und kommen normalerweise mindestens drei- bis viermal im Monat, im Sommer aber sogar bis zu dreimal in der Woche. Die Zeit der Schließung war für sie ein echter Verlust: "Wir haben die Besuche hier sehr vermisst", seufzt Heidi Schmitz. "Die Giraffen", ruft Neele.

Eher keine Langeweile im Lockdown

Die Giraffen verrenkten sich am Montag sichtbar den Hals nach den Menschen, während sie sonst eher uninteressiert seien, erzählt Schütt. Die Kalifornischen Seelöwen, die es gewohnt sind, für ihre lustige Akrobatik viel Applaus zu bekommen, hätten den wenigen Menschen, die sie während des Lockdowns zu sehen bekamen, manchmal sogar zugeklatscht.

"Es ist aber im Grunde eine menschliche Vorstellung, dass Zootiere sich ohne Besucher langweilen. Aus biologischer Sicht ist das nicht anzunehmen", sagt Schütt: "Zumal viele Abläufe für die Tiere ja gleich bleiben." Die Kunststücke werden ihnen schließlich nicht primär deswegen beigebracht, weil Menschen daran Spaß haben. Vielmehr geht es dabei um Beschäftigung und Training für die Tiere – oder auch um medizinische Untersuchungen. So kann man zum Beispiel bei einem Seelöwen, der die Flosse reckt, sehen, ob er darunter gesund ist.

Das zum Zoo gehörige Aquarium, das schon seit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 geschlossen ist, bleibt vorerst zu . „Hier lässt die Architektur eine Einbahnstraßenführung nicht zu“, bedauert Schütt. Wer Seepferdchen und Tiefseefische, exotische Insekten oder Reptilien sehen möchte, muss sich also noch ein bisschen gedulden.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen und Gespräche

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