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Köln: Serie von Farbattacken auf Obdachlose geht weiter – Polizei ermittelt

Mindestens zehn Fälle in Köln  

Serie von Farbattacken auf Obdachlose geht weiter

Von Rebecca Welsch

14.11.2021, 14:32 Uhr
Köln: Serie von Farbattacken auf Obdachlose geht weiter – Polizei ermittelt. Der mit Farbe übergossene Platz eines Obdachlosen in Köln: Vor etwas mehr als zwei Monaten begann die Serie der Farbattacken. (Quelle: Straßenwächter e.V.)

Der mit Farbe übergossene Platz eines Obdachlosen in Köln: Vor etwas mehr als zwei Monaten begann die Serie der Farbattacken. (Quelle: Straßenwächter e.V.)

Seit mehr als zwei Monaten werden Obdachlose in Köln immer wieder mit Farbe überschüttet – zumeist im Schlaf. Die Polizei hat mittlerweile eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Cindy sitzt unter dem Torbogen vor der Wallfahrtskirche St. Maria in der Kölner Innenstadt. Noch immer klebt weiße Farbe am Bogen vor dem Eingangstor. Zweimal wurde die junge Frau nachts von einem vorbeifahrenden Radfahrer mit Farbe überschüttet. Beide Taten erfolgten mit kurzem Abstand im Oktober.

Dabei ist Cindy nicht die einzige Betroffene. Seit Anfang September sind mehrere Kölner Wohnungslose mit Farbe überschüttet worden, die meisten wurden im Schlaf überrascht. Die Farbe zerstört die Habseligkeiten und Schlafsäcke von Menschen, die all ihren Besitz bei sich tragen. Die Polizei geht von bislang mindestens zehn Attacken aus, ermittelt werde wegen gefährlicher Körperverletzung gegen unbekannt.

Die meisten der bekannten Vorfälle gab es in der linksrheinischen Innenstadt. Zuletzt traf es in der vergangenen Woche aber auch zwei 29- und 32-jährige Obdachlose, die an einer Treppe zu einer U-Bahnhaltestelle im Stadtteil Mülheim übernachtet hatten – auf der anderen Seite des Rheins. Dort hatte ein Unbekannter die Schlafsäcke und persönlichen Habseligkeiten der beiden Männer mit Farbe überschüttet. Die beiden Wohnungslosen hatten den Mann gegen fünf Uhr bemerkt, anschließend sei dieser geflüchtet.

Nicht alle Attacken auf Obdachlose werden angezeigt

Wahrscheinlich kommen aber nicht alle Attacken zur Anzeige: "Mehrere Obdachlose machen keine Angaben oder möchten die Angriffe nicht anzeigen, weil sie Angst vor dem Angreifer haben", sagt Dennis Bucek, Gründer von "Straßenwächter e.V.". Der Verein kümmert sich um wohnungslose Kölnerinnen und Kölner und versorgt sie mit Essen und Kleidung.

Doch nicht nur die Angst vor dem Täter, auch die Angst vor Behörden und der Polizei sorgt dafür, dass die Dunkelziffer der Farbangriffe höher liegen könnte. Dabei betont Bucek, dass die Polizei die Farbangriffe nicht unbearbeitet lasse: "Ich habe schon das Gefühl, dass die Polizei die Sache mit Ernsthaftigkeit verfolgt". Die Polizei hat die "Ermittlungsgruppe Farbe" eingerichtet, die sich um die eingegangenen Anzeigen und die Suche nach dem Täter kümmert.

Neue Ermittlungserkenntnisse sollen jedoch zum Schutz der Betroffenen nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Die Polizei verweist bei der Frage nach neuen Informationen zum Täter auf das laufende Verfahren. Bald soll eine Übergabe an die Staatsanwaltschaft erfolgen.

Köln: Farbattacken nur ein kleiner Teil aller Angriffe auf Obdachlose

Die Farbattacken sind eine ungewöhnliche Straftat, machen aber nur einen kleinen Teil aller Angriffe auf wohnungslose Menschen in Köln aus: "2020 wurden insgesamt 186 Straftaten, in denen Obdachlose als Opfer eingetragen sind, erfasst", sagt Polizeihauptkommissarin Annemarie Schott. In diesem Jahr wurden von Januar bis September etwa 120 Straftaten erfasst. Dabei werden Obdachlose hauptsächlich Opfer von Körperverletzungsdelikten.

Die Gründe für die Übergriffe auf Obdachlose sind schwer zu fassen. Der Verein BAG Wohnungslosenhilfe unterscheidet zwischen "milieuinterner" Gewalt und externer Gewalt. Milieuinterne Gewalt wird von wohnungslosen Täterinnen und Tätern gegen andere Obdachlose gerichtet – häufig geht es dabei um Ressourcen wie Geld. Die Täter von außen handelten meist aufgrund von Vorurteilen, Ablehnung und Hass gegen Arme. Häufig kämen die Täter aus dem rechtsextremen Spektrum.

Für Cindy wird sich erst einmal nichts ändern. Die Wohnungslose möchte ihren Platz vor der Kirche nicht aufgeben. "Die Farbangriffe habe ich eigentlich schon wieder vergessen", sagt die junge Frau. Die Kirche hat ihr ihre zerstörte Kleidung, den Schlafsack und die Isomatte ersetzt. Auf die Frage, ob sie Angst davor hat, dass der Täter erneut nachts kommt und sie mit Farbe bewirft, antwortet sie resigniert: "Soll er doch kommen."

Verwendete Quellen:
  • Telefonat mit der Polizei Köln
  • Gespräch mit Dennis Bucek, Straßenwächter e.V.
  • Gespräch mit Wohnungsloser Cindy
  • BAG Wohnungslosenhilfe
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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