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Prozess um Lina E. in Dresden: Morddrohungen gegen den Kronzeugen


"9mm für den 31er"
Linksextremismus-Prozess: Morddrohungen gegen den Kronzeugen

Von dpa, pb

Aktualisiert am 28.07.2022Lesedauer: 3 Min.
Lina E. im Oberlandesgericht (OLG) Dresden: Sie und drei weitere Männer stehen hier seit Wochen vor Gericht.Vergrößern des BildesLina E. im Oberlandesgericht (OLG) Dresden: Sie und drei Männer stehen hier seit Wochen vor Gericht. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-bilder)
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Im Prozess rund um die Linksextremistin Lina E. soll nun der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft auspacken. Ist das Leben des Mannes in Gefahr?

Der Prozess des Dresdner Oberlandesgerichtes gegen die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei weitere Beschuldigte erreicht an diesem Donnerstag einen Höhepunkt: Die Vernehmung eines Kronzeugen steht an.

Allerdings war zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag noch unklar, ob die Öffentlichkeit bei der Zeugenbefragung anwesend sein darf. Denn der Anwalt des 30 Jahre alten Mannes fürchtet um die Sicherheit seines Mandanten – und würde die Öffentlichkeit von dem Prozess am liebsten gleich ganz ausschließen.

Denn im Netz kursieren Fotos seines Mandanten, Nutzer versuchen dort auch dessen Wohnort zu identifizieren. Entsprechende Beiträge liegen t-online vor. Brisant: In einem Video, auf das das Gericht sich in der Verhandlung bezog, ist ein meterhohes Graffiti mit dem Schriftzug "Freiheit für Lina, 9mm für den 31er" zu sehen – der Senat des OLG sieht das durchaus als verklausulierte Morddrohung, wie die "Bild"-Zeitung und eine Reporterin des "Spiegel" auf Twitter berichten. Die Verteidigung sieht laut der "Spiegel"-Reporterin darin lediglich jugendliches Rowdytum.

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Diese Drohung ist nicht schwer zu verstehen: Mit neun Millimeter dürfte das Kaliber einer Schusswaffe gemeint sein, die Zahl 31 ist auch ein Code für Kronzeugen – in der Jugendsprache eine Abkürzung für den Paragrafen 31 im Betäubungsmittelgesetz, das es Gerichten ermöglicht, die Strafe eines Schuldigen zu mildern oder ganz fallen zu lassen, wenn dieser durch umfassende Aussagen dazu beiträgt, mögliche weitere Straftaten aufzudecken.

Allein für die Behandlung des Antrages, ob die Öffentlichkeit nun von der Aussage ausgeschlossen wird, mussten die Zuschauer am Vormittag bereits den Saal verlassen.

Prozess um Lina E.: Anklage hofft auf Kronzeugen

Die Anklage setzt große Hoffnungen in die Aussagen des 30-jährigen Kronzeugen: Er soll sich als eine Art Ausspäher an einer der Taten beteiligt und später gegenüber Sicherheitsbehörden die Beschuldigten belastet haben. Die linke Szene in Leipzig hatte den Mann aber schon zuvor aus ihren Reihen ausgestoßen: Er wird der Vergewaltigung verdächtigt.

Auf einer Demonstration von Sympathisanten von Lina E. wiederholte eine Rednerin am Donnerstag diesen Vorwurf. Sie mutmaßte, dass sich der 30-Jährige mit seiner Zeugenaussage an der linken Szene rächen wolle. Auf einem Plakat wurde unter anderem "politischer Verrat" angeprangert.

Bevor der Kronzeuge in den Saal kam, nahmen sechs Personenschützer mit schusssicheren Westen Platz, vier wurden um den Zeugenstand platziert. Ein Verteidiger von Lina E. monierte den in seinen Augen martialisch wirkenden Auftritt. "So wie sich das Szenario darstellt, können wir das nicht akzeptieren", sagte er. Ein vertrauliches Gespräch mit seiner Mandantin sei nicht mehr möglich. Auf diese Weise werde eine besondere Gefährlichkeit der Mandantin suggeriert.

Die Bundesanwaltschaft wirft der aus Kassel stammenden Studentin Lina E. sowie drei Männern aus Leipzig und Berlin vor, zwischen 2018 und 2020 Angehörige der rechten Szene in Leipzig, Wurzen und Eisenach attackiert und zusammengeschlagen zu haben. Zudem sind sie wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt, deren Anführerin Lina E. sein soll.

Die 27-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, die drei Mitangeklagten sind auf freiem Fuß. Sie schwiegen bisher zu den Vorwürfen.

Die Verteidigung wirft der damals mit den Ermittlungen beauftragten Sonderkommission Linksextremismus im Landeskriminalamt Sachsen vor, "aus einer Anzahl von Körperverletzungshandlungen eine kriminelle Vereinigung zu konstruieren" und spricht von einem "politisierten Verfahren".

Verwendete Quellen
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