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Tourismusbetriebe sehen nach Seen-Sperrung schwarz

Von dpa
Aktualisiert am 05.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Mit einer Spundwand wird der Kanal zwischen dem Markkleeberger (hinten) und dem Störmthaler See gesperrt (Archivbild): Mehrere Seen im Leipziger Umland sind gesperrt worden.
Mit einer Spundwand wird der Kanal zwischen dem Markkleeberger (hinten) und dem Störmthaler See gesperrt (Archivbild): Mehrere Seen im Leipziger Umland sind gesperrt worden. (Quelle: Jan Woitas/dpa-bilder)
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Im Leipziger Umland sind kĂŒrzlich mehrere Seen gesperrt worden – wegen dem Risiko fĂŒr Erdrutsche. FĂŒr die ohnehin angeschlagenen Tourismusbetriebe könnte das noch jahrelange Umsatzeinbußen bedeuten.

FĂŒr Stephan Mann haben sich im MĂ€rz die Aussichten fĂŒr die Tourismussaison 2021 verdĂŒstert – und das liegt nicht an Corona. Mann ist Betriebsleiter der Personenschifffahrt im Leipziger Neuseenland. Die drei großen Ausflugsboote des Unternehmens sind auf dem Markkleeberger und dem Störmthaler See unterwegs.

Doch bis Mai werden sie nicht ablegen können. Der Landkreis Leipzig hat die beiden Bergbaufolgeseen gesperrt, nachdem Risse in der Böschung des Kanals gefunden wurden, der die beiden GewÀsser verbindet. "Das war ein Risiko, mit dem man nicht rechnen konnte", sagt Mann.

"Die Situation ist nicht positiv. Wir mĂŒssen jetzt sehen, dass wir das GeschĂ€ft am Laufen halten und den Urlaubern, die hoffentlich weiter kommen, was bieten können", sagt der Betriebsleiter. Schon das Corona-Jahr 2020 sei schwierig gewesen. Nachdem sich das AusflugsgeschĂ€ft immer besser entwickelt habe, sei die GĂ€stezahl voriges Jahr um 45 Prozent eingebrochen.

Durch Pandemie angeschlagen

Bis zur Pandemie habe die Personenschifffahrt 60.000 bis 65.000 Besucher befördert. Highlight der Bootstouren sei immer die Schleusenfahrt zwischen den Seen gewesen. Wann das wieder möglich sein wird, ist aber völlig unklar.

Karsten SchĂŒtze, SPD-OberbĂŒrgermeister der Stadt Markkleeberg und Vorsitzender des Tourismusvereins Leipziger Neuseenland, rechnet mit langwierigen Sanierungsmaßnahmen. Er hoffe, dass die Arbeiten an dem Kanal und der Schleuse "nur einige wenige Jahre" in Anspruch nehmen werden, sagt der SPD-Politiker. Die Reparatur werde in jedem Fall aufwendig und kostspielig. SchĂŒtze hofft, dass der Bund die Bezahlung ĂŒbernehmen wird. Der Schaden wurzele schließlich "ursĂ€chlich im Bergbau". Aber ob das so kommt, ist noch offen.

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Der Bergbausanierer LMBV ist gerade erst dabei, Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr umzusetzen. Der 850 Meter lange Kanal wird zunĂ€chst mit SpundwĂ€nden gesichert. Ist das abgeschlossen, sollen die Seen zumindest jeder fĂŒr sich wieder freigegeben werden. Danach werde geprĂŒft, was an Kanal und der erst 2013 eröffneten Schleuse gemacht werden muss. Schon jetzt stehe fest, dass fĂŒr die Arbeiten unter anderem eine wasserrechtliche Genehmigung nötig sei. "Dies lĂ€sst sich tatsĂ€chlich nicht in Monaten realisieren", erklĂ€rt LMBV-Sprecherin Claudia Hermann.

Auch Veranstaltungsbranche betroffen

OberbĂŒrgermeister SchĂŒtze sagt, die ĂŒberraschende Sperrung der gefluteten ehemaligen Braunkohletagebaue sei ein harter Schlag fĂŒr den Tourismus in der Region. Der Wirtschaftszweig habe sich in der Bergbaufolgelandschaft gut entwickelt. Allein das rund 25.000 Einwohner zĂ€hlende Markkleeberg habe vor Corona jĂ€hrlich 150.000 ÜbernachtungsgĂ€ste begrĂŒĂŸt. "Aber wir befinden uns nun mal auf der grĂ¶ĂŸten Landschaftsbaustelle Europas. Man muss sich eingestehen, dass manches nicht so einfach geht, wie man es mal gedacht hat", sagt SchĂŒtze.

Auch RĂŒdiger Pusch stellt sich auf RĂŒckschlĂ€ge ein. Er gehört zum Team des Krystallpalast VarietĂ©s, das am Störmthaler See mehrere Ausflugsziele bewirtschaftet. Dazu zĂ€hlt die schwimmende Kirche "Vineta" – eine beliebte Location fĂŒr Brautpaare. 16 Trauungen mussten nun abgesagt werden. April und Mai seien extrem wichtige Veranstaltungsmonate. Die Sperrung werde wohl einen Saisonverlust von minus 20 Prozent bringen, sagt Pusch. Auch die Gesamtentwicklung werde weiter zurĂŒckgeworfen – obwohl bis Corona alle Zeichen auf Wachstum gestanden hatten.

Dass die gefluteten Überbleibsel des Braunkohleabbaus zwar schön aussehen, aber auch Risiken bergen können, zeigte sich zuletzt auch in der Lausitz. Dort rutschte im MĂ€rz ein StĂŒck des Ufers des Knappensees ab. Das Areal war allerdings ohnehin gesperrt, weil die LMBV dort seit Jahren den instabilen Kippenboden saniert. Anrufe von potenziellen GĂ€sten, die sich um die Sicherheit sorgen, habe es deswegen nicht gegeben, sagt Kathrin Winkler, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. DafĂŒr sei der Knappensee schon zu lange gesperrt. Anders sei das gewesen, als es 2018 eine Rutschung am Senftenberger See gegeben habe.

"Zu 99,9 Prozent sicher"

Aus Sachsen-Anhalt ist noch der abgerutschte Hang in Nachterstedt am Concordia-See in Erinnerung. 2009 rutschten mehrere Millionen Kubikmeter Erdreich in den kĂŒnstlichen See in einem frĂŒheren Bergbaugebiet und rissen mehrere HĂ€user mit in die Tiefe. Drei Bewohner starben. Nach dem UnglĂŒck war der See zehn Jahre fĂŒr jede touristische Nutzung gesperrt.

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Auch Winkler redet von der "grĂ¶ĂŸten Landschaftsbaustelle Europas", und dass man vor unvorhergesehenen Ereignissen nie ganz gefeit sei. "Wir gehen damit aber ganz offen um", sagt die Tourismusmanagerin. Es gebe gesperrte Bereiche, Seen in der Zwischennutzung und freigegebene Freizeitmöglichkeiten. Jeder Gast, der sich an die vorgegebene Wege halte und keine Sperrschilder missachte, sei zu 99,9 Prozent sicher.

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Von Andreas Raabe
EuropaMarkkleebergSPD

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