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Zeitzeugin beim Holocaust-Gedenken im Landtag

Von dpa
27.01.2022Lesedauer: 3 Min.
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Abitur 1944 in der Eifel: "Nie haben wir ├╝ber den Krieg gesprochen, nie haben wir ├╝ber Politik gesprochen, weil es zu gef├Ąhrlich war." Eindringliche Erinnerungen der Zeitzeugin Monique L├ęvi-Strauss haben am Donnerstag eine Sondersitzung des Landtags Rheinland-Pfalz zum Holocaust-Gedenktag bestimmt. Gebannt h├Ârten die Abgeordneten der 95 Jahre alten Dame zu, die daf├╝r trotz der Corona-Pandemie von Paris nach Mainz kam.

"Ihr Zeitzeugnis verstehe ich als klare Aufforderung an uns, auch heute nicht gleichg├╝ltig zu sein", sagte Ministerpr├Ąsidentin Malu Dreyer (SPD). Es sei zutiefst verst├Ârend, dass in der Nachkriegszeit lange niemand etwa von der Geschichte der franz├Âsischen Anthropologin h├Âren wollte, die von 1939 bis 1945 nach dem Willen ihres Vaters in Deutschland leben musste - obwohl ihre j├╝dische Mutter st├Ąndig in Gefahr war, verhaftet und deportiert zu werden.

In der Bundesrepublik habe es mehr als drei Jahrzehnte gedauert, "das eiserne Band des Schweigens ├╝ber die deutsche Schuld aufzubrechen", sagte Dreyer. Heute verbinde sich der 27. Januar als Gedenktag mit dem Bekenntnis: "Wir wollen wissen und wir wollen erinnern." Damit das Gedenken nicht zu einem Ritual werde, m├╝ssten sich die Formen der Erinnerung weiterentwickeln und auf Fragen der jungen Generation eingehen.

Dies tat Monique L├ęvi-Strauss mit Antworten auf Fragen von Abiturientinnen und Abiturienten des Regino-Gymnasiums in Pr├╝m, die in einem kurzen Film an sie gestellt wurden. Dort bestand die damals junge Frau zusammen mit sieben weiteren Sch├╝lerinnen ihre Abiturpr├╝fung - die jungen M├Ąnner waren alle im Krieg.

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"Der Deutsch-Lehrer weinte oft w├Ąhrend des Unterrichts", berichtete L├ęvi-Strauss, die in Paris geboren wurde. Der Bewunderer Goethes sei ebenso wie der Mathematik-Lehrer nach Pr├╝m strafversetzt worden, m├Âglicherweise aus politischen Gr├╝nden.

Sp├Ąter half die junge Frau in einer Klinik in Weimar und traf dort auf franz├Âsische H├Ąftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald, die w├Ąhrend der Zwangsarbeit bei einem Luftangriff verletzt wurden. "Wir hatten nicht genug Narkosemittel, man musste die Beine s├Ągen." Die Chirurgen h├Ątten sie gebeten, auf Franz├Âsisch mit ihnen zu reden. "So habe ich sie gehalten f├╝r Stunden, w├Ąhrend man ihnen die Beine s├Ągte", erinnerte sich Monique L├ęvi-Strauss. "Das kann ich nicht vergessen."

Eingerahmt wurde das Gedenken mit Liedern, die von der israelischen Mezzosopranistin Shai Terry vorgetragen wurden, welche in Mainz studiert. Die Abgeordneten des Landtags folgten der Bitte von Landtagspr├Ąsident Hendrik Hering (SPD), sich zum Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen schweigend zu erheben. Sowohl Hering als auch Dreyer sprachen antisemitische Tendenzen bei Demonstrationen gegen die Corona-Ma├čnahmen an. "Denjenigen, die sich auf Corona-Demos einen gelben Stern anheften, sage ich: Sie verh├Âhnen damit die j├╝dischen Opfer des Nationalsozialismus!" Wer an deren Seite mitdemonstriere, "ist im wahrsten Sinne des Wortes mindestens ein Mitl├Ąufer", sagte Hering.

Monique L├ęvi-Strauss hat ihre Erinnerungen in einem Buch festgehalten, das im vergangenen Jahr unter dem Titel "Im Rachen des Wolfes" auch auf Deutsch erschienen ist. Das Buch endet mit ihrer Heirat mit dem Soziologen und Ethnologen Claude L├ęvi-Strauss (1908-2009). Die Jahre in Deutschland, so schloss die Zeitzeugin im Mainzer Landtag, h├Ątten sie gelehrt, "dass man andere Kulturen und andere Religionen respektieren muss - es gibt keine Kultur, die einer anderen ├╝berlegen ist, es gibt auch keine Hautfarbe, die sch├Âner ist als eine andere".

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