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Hohe Kosten, unklare Zukunft: Verbraucher suchen Rat

Von dpa
09.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Energiekosten
Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Zahlreiche Menschen in Rheinland-Pfalz machen sich Sorgen wegen steigender Energiepreise und der ungewissen Zukunft ihrer Öl- oder Gasheizungen. Viele suchen Rat und Hilfe bei der Verbraucherzentrale. Die Berater dort können sich vor Anfragen kaum noch retten. "Im Moment sind wir am Anschlag", sagte Energie- und Bauexperte Hans Weinreuter der Deutschen Presse-Agentur. So unterschiedlich die Probleme der Menschen im Einzelfall auch sein mögen: Meist geht es ums Geld und eine tragfĂ€hige Entscheidung fĂŒr die Zukunft.

Bei der klassischen Energieeinsparberatung, die die VerbraucherschĂŒtzer schon seit Jahrzehnten anbieten, sind die Beratungstermine an einigen Orten in Rheinland-Pfalz bereits bis zum Sommer ausgebucht. "Wir machen Energiechecks bei den Leuten vor Ort. Da hatten wir in den vergangenen zwei Jahren wegen Corona ein Problem, weil wir pausieren mussten", berichtete Weinreuter. Deshalb sei eine lange Warteliste entstanden.

Die VerbraucherschĂŒtzer leiden - ebenso wie viele Betriebe in der Wirtschaft - unter FachkrĂ€ftemangel. Bei der klassischen Energieberatung arbeiten sie mit Fachleuten auf Honorarbasis zusammen. Und die sind mit ihren eigenen IngenieurbĂŒros "dicht bis zum Anschlag", berichtete Weinreuter. Daher seien auch deren KapazitĂ€ten, fĂŒr die Verbraucherschutzzentrale Energieberatung zu machen, begrenzt. Gerade im lĂ€ndlichen Bereich sei es nicht leicht, qualifizierte Energieberater zu finden.

Parallel dazu haben die VerbraucherschĂŒtzer noch ein besonderes Beratungsangebot fĂŒr Leute, die Zahlungsprobleme im Energiebereich haben. "Auch da nimmt die Nachfrage jetzt zu", sagte der VerbraucherschĂŒtzer. "Das kommt etwas zeitverzögert, weil viele Leute erst reagieren, wenn sie ihre Schlussrechnung erhalten und dort dann eine hohe Nachzahlung prĂ€sentiert bekommen."

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Die Nachfrage verunsicherter Kunden nach Rechtsberatung wegen einseitiger KĂŒndigungen von StromliefervertrĂ€gen durch Energie-Discounter ist nach Angaben des VerbraucherschĂŒtzers ebenfalls gestiegen. Auch hier sei "der Teufel los", berichtete er.

Allein im MĂ€rz gingen nach seinen Worten auf einer extra fĂŒr den Energiebereich eingerichteten Mailadresse ĂŒber 800 Anfragen ein. "Es brummt ohne Ende", sagte er. Die VerbraucherschĂŒtzer tĂ€ten zwar alles, was sie könnten, um den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dennoch sei ihnen bewusst, dass manche Leute unzufrieden seien, weil sie am Telefon nicht durchkĂ€men oder sie nicht schnell genug eine Antwort erhielten. "Doch auch wir können nicht beliebig schnell das Personal hochfahren."

Rat suchen auch Hausbesitzer, die sich ĂŒberlegen, wie sie in Zukunft die eigenen vier WĂ€nde warm bekommen. Der Hintergrund: Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine will Deutschland weg von Energie aus Russland. Ab dem Jahr 2024 sollen nach dem Willen der Bundesregierung möglichst nur noch Heizungen neu eingebaut werden, die zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Der Einbau von Gasheizungen wĂ€re damit im Regelfall nicht mehr möglich. Es soll zudem der Rahmen dafĂŒr geschaffen werden, dass EigentĂŒmerinnen und EigentĂŒmer von Immobilien ihre ĂŒber 20 Jahre alten Heizungsanlagen austauschen können. Außerdem soll eine große WĂ€rmepumpen-Offensive mit staatlicher Förderung gestartet werden.

Auch diese Aussichten treiben viele Rheinland-PfĂ€lzerinnen und -PfĂ€ler um, wie Weinreuter berichtet. Nicht nur wegen der durch die Decke gegangenen Gas- und Heizölpreise wachse die NervositĂ€t, auch die Frage der Versorgungssicherheit spiele wegen der Diskussionen um einen Boykott oder einen Lieferstopp fĂŒr russischen Erdgas eine wichtige Rolle. "Die Leute haben es jetzt sehr eilig und wollen nach Alternativen schauen". Weiter wichtig sei auch das Thema Photovoltaik.

Besonders schwierig ist nach EinschĂ€tzung des Energieexperten die Situation fĂŒr Haushalte, die eine alte Heizanlage haben, falls die jetzt kaputt geht und repariert oder ersetzt werden muss. Klar im Trend seien WĂ€rmepumpen, sagte er. Doch da mĂŒsse man sich genau die Ausgangssituation anschauen: Gibt es eine Fußbodenheizung oder große Heizkörper? Wie sieht es mit der GebĂ€udedĂ€mmung aus? "FrĂŒher sagte man, wenn das Haus nicht modernisiert ist und keine FlĂ€chenheizung hat, sollte man es lassen", erklĂ€rte Weinreuter. "Doch so pauschal gilt das jetzt nicht mehr, da sich die Technik weiterentwickelt hat. Das kann funktionieren, wenn man kleinere Heizkörper gegen grĂ¶ĂŸere austauscht und die Vorlauftemperatur absenken kann."

Denkbar sei auch, eine WĂ€rmepumpe an die Seite eines alten, konventionellen Heizkessels zu stellen, wenn der noch nicht zu alt sei. Auf diese Weise könne ein Hausbesitzer ĂŒbergangsweise ein paar Jahre zweigleisig fahren und den alten Gas- oder Ölkessel als Spitzenlastkessel in den Wintermonaten zu benutzen. Danach könne man in den nĂ€chsten Jahren nach Kassenlage das GebĂ€ude energetisch aufrĂŒsten, also beispielsweise WĂ€rmedĂ€mmung aufbringen und Fester austauschen. "Wenn man das gemacht hat, kann man dann endgĂŒltig den alten Brenner rauswerfen und voll auf die WĂ€rmepumpe setzen", sagte er. Welche Option die beste sei, hĂ€nge vom Einzelfall ab.

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