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Wälder im Südwesten lechzen nach Wasser

Freiburg im Breisgau  

Wälder im Südwesten lechzen nach Wasser

10.06.2021, 05:55 Uhr | dpa

Wälder im Südwesten lechzen nach Wasser. Waldstück bei Walldorf

Ein Waldstück bei Walldorf im Süden des Rhein-Neckar-Kreises. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Die Situation in den Wäldern im Südwesten hat sich infolge des relativ feuchten und kühlen Frühjahrs aktuell etwas verbessert. Die Lage ist aus Sicht von Experten aber weiter angespannt, weil die Grundwasservorräte nach den trockenen und heißen Sommern seit 2018 nicht wieder gefüllt sind. Dafür könnten die Borkenkäfer in diesem Jahr weniger Schäden verursachen. Wichtige Themen, denn fast 40 Prozent Baden-Württembergs sind bewaldet.

"Das feuchte und kühle Frühjahr wirkt sich günstig auf die Vitalität unserer Bäume aus und verzögert die Entwicklung der Borkenkäfer", sagte Forstminister Peter Hauk (CDU) der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. "Das bringt etwas Entlastung mit sich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage in den Wäldern nach wie vor sehr angespannt ist. Ein paar niederschlagsreiche Monate können die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels nicht kompensieren."

Die Hauptursachen für die aktuellen Waldschäden liegen nach Angaben des Ministeriums in der massenhaften Vermehrung der Borkenkäfer, der Trockenheit und im Befall mit schädlichen Pilzen. Gerade Fichten und in geringerem Ausmaß Tannen seien von den Borkenkäfern betroffen. Hier erwarten die Fachleute aber, dass die Entwicklung der Käfer durch die kühle Witterung im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich verzögert wird. Da sie später ausschwärmen, wird vielerorts nur mit zwei Generationen in diesem Jahr gerechnet. Auch seien mehr der Tiere infolge der nasskalten Witterung gestorben. "Die Ausgangspopulation der Borkenkäfer ist allerdings immer noch sehr hoch", hieß es.

Die Landesforstverwaltung geht davon aus, dass in diesem Jahr die Schadholzmengen bei den Nadelbäumen geringer als in 2020 ausfallen könnten - sich aber immer noch auf einem hohen Niveau befinden. Die Waldbesitzer und Forstleute seien in nadelholzreichen Regionen nach wie vor mit der Aufarbeitung der Käferholzschäden aus den letzten Jahren beschäftigt. "Das Land unterstützt die Waldbesitzer, wenn es darum geht, die geschädigten Flächen zu räumen und mit klimastabilen Mischwäldern neu zu bepflanzen", sagte Minister Hauk.

Tannen, vor allem aber der häufigste Laubbaum, die Buche, kämpfen mit Dürreschäden. "Für die Schäden unter den Laubbäumen gehen wir in 2021 von einem ähnlich hohen Niveau wie in 2020 aus", hieß es aus dem Ministerium. Der Niederschlag der letzten Wochen habe zwar den Oberboden gut mit Wasser versorgt, das Wasser sei aber nicht überall bis in die tieferen Bodenschichten vorgedrungen. Eine ausreichende Wasserversorgung ist laut Ministerium in vielen Mittelgebirgslagen wieder gewährleistet. In tieferen Lagen des Neckarlandes und am Oberrhein sowie in den Regenschattenlagen der Mittelgebirge habe sich die Situation hingegen noch nicht vollständig entspannt.

Die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe, Eva Bell, hatte jüngst erklärt, die im Durchschnitt ausreichenden, aber sehr wechselhaften Niederschlagsmengen der vergangenen drei Winterhalbjahre hätten die extreme Trockenheit des Jahres 2018 bislang nicht ausgleichen können. "Das zeigt: Extremereignisse lassen sich auch Jahre danach im Grundwasser nachweisen." Auch Anfang Juni waren die Grundwasserverhältnisse im Südwesten laut aktuellem LUBW-Bericht oft leicht unter Durchschnitt.

Der Nationalpark Schwarzwald profitiert von einem schneereichen Winter. Die Wasserversorgung sei in der Region im Moment ganz gut, sagte eine Sprecherin. "Aber jetzt beginnt der Sommer." Auch aus Sicht des Ministeriums wird die Witterung im Verlauf des Sommers entscheidend für die Entwicklung beim Schadholz im laufenden Jahr sein - und für die Fähigkeit der Bäume, die Schäden zu kompensieren. "Ein abschließendes Bild über die Auswirkungen der drei trockenen und heißen Jahre werden wir frühestens erst in 2022 haben, sofern die Witterung weiterhin so günstig verläuft", erklärte ein Sprecher.

Derweil bereiten den Forstexperten auch Schäden Sorgen, die unabhängig von der außergewöhnlichen Witterung der letzten drei Jahre auf einem "besorgniserregend hohen Niveau" seien: Pilz-Erreger sorgen demnach bei Eschen für das sogenannte Eschentriebsterben. Häufig gebe es aber mehrere Ursachen für abgestorbene oder geschädigte Bäume.

Um entscheiden zu können, welche Baumart wo am besten wächst, arbeitet die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mit Sitz in Freiburg daran, den Wasserhaushalt eines Standorts unter Berücksichtigung des Klimawandels abzuschätzen. Die bisherigen Verfahren seien mit Blick auf Extremsommer und Dürrejahre an ihre Grenzen gekommen.

Beim Wasserhaushalt von Wäldern geht es den Angaben nach unter anderem um Regenwasser, das die Baumkronen benetzt und von dort aus wieder verdunstet. Andere Teile des Niederschlags fallen auch zu Boden und können dort direkt von Wurzeln aufgenommen werden. Ein wichtiger Faktor sind dann die Waldböden, die Niederschlagswasser speichern und so auch in regenfreien Zeiten für eine kontinuierliche Wasserversorgung sorgen. Dabei unterscheiden die Fachleute zum Beispiel, wie durchlässig der Boden ist, wie viel Wasser er speichern kann und wie hoch das Risiko für Grund- oder Staunässe ist.

Der forstpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Klaus Hoher, sagte am Donnerstag: "Zum Aufbau klimastabiler Wälder brauchen wir auch neue, nicht-heimische Baumarten. Genau diese nicht gebietsheimischen Baumarten sollen aber nach den Plänen der Landesregierung bei Neupflanzungen zum Waldaufbau nicht mehr als 25 Prozent einnehmen." Wald-Experte Reinhold Pix von den Landtags-Grünen konterte: "Die Deckelung auf einen Anteil von maximal 25 Prozent ist wichtig, weil zunächst die Auswirkungen neuer Baumarten auf das Ökosystem beobachtet werden müssen und es gilt, Monokulturen zu vermeiden."

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