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Wuppertal Kolumne: Die Insolvenz der Wuppertaler Bühnen

MEINUNGKolumne "Scheuges Talfahrt"  

Wo ist es hin, das schöne Geld?

Von Jürgen Scheugenpflug

14.02.2020, 11:05 Uhr
Wuppertal Kolumne: Die Insolvenz der Wuppertaler Bühnen. Wuppertal von oben: Kabarettist Jürgen Scheugenpflug kennt die Gepflogenheiten der Stadt in- und auswendig.  (Quelle: imago images/Westend61/Moritz Körschgen)

Wuppertal von oben: Kabarettist Jürgen Scheugenpflug kennt die Gepflogenheiten der Stadt in- und auswendig. (Quelle: Westend61/Moritz Körschgen/imago images)

Seine Jahresrückblicke sind in Wuppertal legendär. Kabarettist Jürgen Scheugenpflug kennt die Gepflogenheiten der Stadt in- und auswendig. Für t-online.de schreibt er die Kolumne "Scheuges Talfahrt".

Kaum hat sich das Sturmtief "Sabine" verzogen, zieht über dem Tal ein weiterer Orkan auf. Nein, diesmal nicht über dem WSV, obwohl der Vorgang genauso skurril daher kommt, wie vor Jahresfrist bei dem Vorzeigeverein.

Jetzt wurde bekannt, dass Mitte des Jahres den Wuppertaler Bühnen (also Schauspielhaus, Opernhaus und Symphonieorchester) die Insolvenz droht. Es fehlen plötzlich – und völlig unerwartet – 750.000 Euro aus der vorigen und 450.000 aus der laufenden Spielzeit in Wuppertal. Macht nach Adam Riese 1,2 Millionen Euro. Weg, einfach weg.

Und ebenso überraschend kann sich der seit einem Jahr aktive Geschäftsführer Daniel Siekhaus nicht erklären, wo die Kohle geblieben ist. Auch die kontrollierenden Wirtschaftsprüfer sind ratlos. Und so fiel der vielzitierte Baum der Erkenntnis wohl der neuen Baumschutzsatzung zum Opfer.

Wofür habe ich nur mein Geld ausgegeben?

Der Vorgang klingt für mich persönlich allerdings durchaus plausibel, denn an dieser Stelle muss ich da mal mit mir selber ins Gericht gehen. Auch ich weiß manchmal nicht mehr so genau, ob ich mir vorige Woche einen neuen Porsche zugelegt habe. Und auch nicht, was der so gekostet hat. Und schon gar nicht, wo ich den hingestellt habe. Interessiert mich auch nicht, ich hab's ja.

Und so ähnlich muss man sich das auch bei der Stadt Wuppertal vorstellen. Vielleicht mit dem klitzekleinen Unterschied, dass es das Geld der Bürger ist, das man hier verjubelt. Aber das spielt ja keine Rolle, die halten schon still. Und was ist angesichts der exorbitanten Prozesskosten, Ausgleichszahlungen und Abfindungen der letzten Jahre schon ein solches Sümmchen? Nun gibt es zur Belohnung dann ab Herbst 2020 die bergische Dreigroschenoper unter freiem Himmel.

Politik will "Bühnen retten" – aber wer oder was ist das?

Wirklich beunruhigend ist aber, dass "die Politik die Bühnen auf jeden Fall retten will". Da bekomme ich Angst. Und es stellt sich die Frage: Wer ist das eigentlich, die Politik? Stadtkämmerer Johannes Slawig ist jedenfalls sehr überrascht. Und sicher sind es der Kulturdezernent Matthias Nocke und der Kulturausschussvorsitzende Dr. Rolf Köster auch. Aber die haben sich bislang noch nicht geäußert oder wissen es noch nicht. Nun sind die Personen, die hier möglicherweise an "strategischer Demenz" leiden, allesamt keine gewählten, sondern intern "Berufene". Und denen geht die Meinung des Volkes, wie bei vielen anderen Entscheidungen, offenbar am A…. vorbei.

Am Ende läuft es wohl auf die gleiche Feststellung hinaus, wie Weiland beim WSV: Es gehe nicht um die Einnahmen, sondern um die Ausgaben, postulierte WSV-Finanzgenie Lothar Stücker seinerzeit öffentlich. Und da, muss man sagen, ist was dran.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedyserie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig.

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