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Wuppertal-Kolumne: Frauen an die Macht

Kolumne "Scheuges Talfahrt"  

Frauen an die Macht

Von Jürgen Scheugenpflug

12.03.2021, 13:13 Uhr
Wuppertal-Kolumne: Frauen an die Macht. Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.  (Quelle: Uli Kopka)

Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Themen diesmal: der Internationale Frauentag und der Equal-Pay-Day. 

In dieser Woche, genauer am 8. März, feierten wir wieder einmal alle gemeinsam den Tag der Frau. Und damit Sie mich gleich richtig verstehen: Ich finde das ist wichtig. Aber nicht alle denken so, denn die berühmte Tochter Wuppertals, Alice Schwarzer, ist gar nicht glücklich. Deutschlands bekannteste Feministin findet nämlich, dass der Frauentag abzuschaffen ist. Der Tag sei "gönnerhaft" und eine sozialistische Erfindung, die auf einen Streik von tapferen Textilarbeiterinnen zurückgehe.

Das klingt aber ziemlich frustriert, Frau Schwarzer. Und sie legt noch einen drauf: Der Tag sei Dsymbolische Schmeichelei" statt ein Beitrag zu echter Ungerechtigkeit. Das ist hart. Wahrscheinlich deshalb wurde nach der streitbaren Dame bislang im Tal noch nicht einmal eine Sackgasse benannt. Der Feministen-Kollegin Helene Stöcker hingegen hat man wenigstens ein hübsches Ufer am Haspel gewidmet.

Weltfrauentag wichtig?

Abschaffen will Frau Schwarzer also den Tag, der für Kabarettistinnen, (also wenn mal kein Corona herrscht) ein großer Feiertag ist. Gerade an diesem Tag verdienen meine weiblichen Kolleginnen sich – quer durch die Republik und völlig zurecht – eine goldene Nase bei großen Veranstaltungen. Meist nur mit Frauen. Erklären sie denen mal, dass es den Tag künftig nicht mehr geben wird. Die werden Ihnen aber mal was ganz anderes flüstern, Frau Schwarzer. Außerdem sind gerade die es, die effektvoll darauf hinweisen, dass es nach wie vor ungerecht zugeht bei der Verteilung von Posten und Penunsen. Und denen hört man wenigstens zu.  

Am 3.11. ist dann zur Abwechslung mal Weltmännertag. Er soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. So liege die Lebenserwartung der Herren im Durchschnitt sieben Jahre unter jener der Damen, schreibt Wikipedia. Ganz sicher auch ein Grund dafür, dass Männer mehr verdienen müssen, um sich diese Tatsache schön zu trinken. Sie legen ihr mehr verdientes Geld in Alkohol an, denn wo sonst gibt es 40 Prozent? Da aber die Frauen dann ohne ihre Männer weiter leben dürfen, gleicht sich das in vielen Fällen doch wieder aus, oder?

Immer noch Entgeltunterschiede

Dennoch bleibt es ein klarer Missstand. Um das nicht ganz zu vergessen, hat man noch einen Tag gegründet: den equal pay day. Der symbolisiert den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen. Erst am 10. März verdienen Frauen in Deutschland rechnerisch das gleiche wie Männer. Da ändert selbst Corona nichts.

Denn selbst wenn einige von ihnen nach dem Motto leben sollten: solange mein Chef so tut, als würde er mich richtig bezahlen, solange tue ich so, als würde ich richtig arbeiten, löst es das Problem nicht.

Dazu braucht es (auch) mehr Frauen in der Politik. Und da ist Wuppertal auf einem grandiosen Weg. Immerhin 26 von 75 Mitgliedern im Stadtrat sind weiblich, nur wenige in entscheidenden Positionen. Erst einmal gab es eine Oberbürgermeisterin, eine Leiterin des Von-der-Heydt-Museums und eine Ann-Kathrin Kramer. Aber die lebt ja in Beyenburg. Susanne Abbrederis als Intendantin des Schauspiels und Adolphe Binder vom Tanztheater Pina Bausch hingegen wurden von ungeeigneten Männern aus dem Tal gejagt. Da ist die Hoffnung auf etwas Ähnliches wie Gleichberechtigung schnell geplatzt.

Wäre es möglich, dass Alice Schwarzer doch nicht ganz daneben liegt? Vielleicht bekommt sie zur Belohnung posthum doch noch einen Straßennamen. Mindestens aber einen Kreisverkehr, Ehrenwort.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedyserie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig. 

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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