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Schmucklos im Cockpit: Hamilton verliert Kraftprobe

Von dpa
07.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Schmuckvoll behÀngt: Lewis Hamilton.
Schmuckvoll behÀngt: Lewis Hamilton. (Quelle: Wilfredo Lee/AP/dpa./dpa)
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Miami (dpa) - Die Kraftprobe mit dem deutschen Rennleiter um Ohrringe und Piercings hat Lewis Hamilton vorerst verloren.

Trotz heftiger Widerworte beugte sich der Formel-1-Rekordweltmeister in Miami der Anweisung des neuen RegelhĂŒters Niels Wittich und entledigte sich fast aller SchmuckstĂŒcke, bevor er ins Cockpit kletterte. FĂŒr sein Nasenpiercing, das wohl fachmĂ€nnisch entfernt werden muss, erhielt der Mercedes-Superstar eine Ausnahmegenehmigung bis zum Grand Prix in Monaco Ende Mai.

Vettel protestiert in Boxershorts

Zuvor hatte sich Hamilton noch heftig gegen die verschĂ€rften Vorgaben gestrĂ€ubt und sie als "sehr, sehr dumm" bezeichnet. Rennleiter Wittich hatte die Teams in Miami informiert, dass sie kĂŒnftig in offiziellen Dokumenten versichern mĂŒssen, dass ihre Piloten weder Schmuck noch private, nicht feuerfeste UnterwĂ€sche im Auto tragen. Das Verbot steht schon lĂ€nger im Regelwerk und soll fĂŒr mehr Sicherheit sorgen. Wittich kĂŒndigte zudem Stichproben an.

Sebastian Vettel hatte sich auf die Seite des verĂ€rgerten Hamilton geschlagen. "Das ist persönliche Freiheit. Wir sind alt genug, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Dann sollten wir das auch im Auto tun können", sagte der 34-JĂ€hrige. Als Zeichen des Ungehorsams lief Vettel vor dem Auftakttraining in Florida mit ĂŒber seinen Rennanzug gezogenen grauen Boxershorts durch die Boxengasse. "Das war ja mehr ein Gag. Die ganze Diskussion ist so bescheuert", sagte der Aston-Martin-Pilot dem Fernsehsender Sky.

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Ralf Schumacher kritisiert Fahrer: "Kindergarten"

TV-Experte Ralf Schumacher widersprach energisch. "Es ist ein bisschen albern und es erinnert mich an Kindergarten", sagte der frĂŒhere Formel-1-Pilot. Schumacher verwies auf die Vorbildfunktion von Weltmeistern wie Vettel und Hamilton. Es sei schade, "dass sich so erfahrene Leute, die schon so viele UnfĂ€lle gesehen haben, in der Art und Weise darĂŒber lustig machen", sagte der 46-JĂ€hrige.

Als Grund fĂŒr die Maßnahmen gibt der Weltverband Fia an, dass Ringe, Ketten oder Piercings bei NotfĂ€llen unnötige Hindernisse fĂŒr Ersthelfer und Ärzte darstellen könnten. Zudem könne Schmuck auf der Haut als Hitzeleiter die Schutzwirkung darĂŒber liegender feuerfester Kleidung verringern. "Das erhöht das Risiko von Verbrennungen bei einem Feuer", heißt es. Nicht zuletzt berge der Schmuck selbst die Gefahr von Verletzungen und könnte bei UnfĂ€llen verschluckt werden.

Auch das Tragen handelsĂŒblicher UnterwĂ€sche, wie zuletzt angeblich noch bei einigen Fahrern gang und gĂ€be, ist unzulĂ€ssig. Erlaubt ist nur Kleidung, die den Formel-1-Normen der Fia entspricht.

Hamilton hatte sich zunĂ€chst noch an Fia-PrĂ€sident Mohammed bin Sulayem gewendet. Er wolle zur Not eben unterschreiben, dass er den Schmuck auf eigenes Risiko trage. Schließlich sei er seit 16 Jahren so auf der Strecke unterwegs. Die Formel 1 habe "wichtigere Dinge zu tun", als sich mit diesem Thema zu beschĂ€ftigen. "Das ist ein RĂŒckschritt fĂŒr unseren Sport", urteilte der Brite.

Happige Bußgelder

Doch Wittich und die Fia blieben hart. Der Rennleiter, der gemeinsam mit dem Portugiesen Eduardo Freitas seit Saisonbeginn im Amt ist, legt das Regelwerk strikter aus als seine VorgĂ€nger. Der hessische Bauingenieur war zuletzt Renndirektor im Deutschen Tourenwagen Masters. Wittich habe das Kreuz, den Disput durchzufechten, sagte Ralf Schumacher. "Sebastian und Lewis werden sich da die ZĂ€hne ausbeißen, weil sie einfach unrecht haben", sagte der Sky-Fachmann.

Die Bußgelder fĂŒr VerstĂ¶ĂŸe gegen das Verbot von Schmuck und regelwidriger Kleidung im Auto sind happig. Das erste Vergehen werde mit 50.000 Euro Geldstrafe geahndet, berichtete das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport". WiederholungstĂ€ter mĂŒssten 125.000 Euro zahlen. Beim dritten Mal kostet es demnach 250.000 Euro sowie mehrere WM-Punkte. Da ĂŒberlegt wohl auch ein Multi-MillionĂ€r wie Hamilton zweimal.

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