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Helge Schneider macht wieder Jazz

Von dpa
Aktualisiert am 16.07.2021Lesedauer: 3 Min.
Herrlich absurd, herrlich entspannt: Helge Schneider in seinem Garten.
Herrlich absurd, herrlich entspannt: Helge Schneider in seinem Garten. (Quelle: Caroline Seidel/dpa./dpa)
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MĂŒlheim/Ruhr (dpa) - Hat nicht ganz geklappt mit einer Klavierplatte "ohne Quatsch", wie Helge Schneider noch vorigen Sommer ankĂŒndigte. "Macht nichts" sagen jetzt vielleicht die Fans des Jazzmusikers und Multiinstrumentalisten, "zum GlĂŒck" womöglich die AnhĂ€nger des "Musicclowns" (Eigenbezeichnung).

"Die Reaktion" lautet der Titel des neuen Schneider-Albums und eines Songs daraus. "Dies ist meine Reaktion auf das Geschehen", singt er da. "Welche Reaktion, ja, worauf? Das kann man sich dann ausdenken. Das MusikstĂŒck spricht fĂŒr sich", sagt er. 22 StĂŒcke, ĂŒppige 78 Minuten lang ist das Werk - die meisten instrumental, sehr viel Jazz, viel Klavier. "The Last Jazz Vol. II" ist denn auch der Untertitel, der Bezug nimmt auf sein frĂŒhes Album "The Last Jazz" von 1987.

"FĂŒr mich ist alles schrĂ€g oder gar nichts"

Frei improvisierte Quatsch-Lieder, die so wirklich nur "Katzeklo"-Autor Helge Schneider kann, gehören also auch dazu. "Der Pabst" etwa, mit b anstatt p. "Der Pabst ist nur ein Mensch. Wenn er ein Fisch wÀr', könnte er eventuell baden gehen in Rimini, ohne erkannt zu werden", singt der Musiker.

Oder der "Mann ohne Gesicht", schon vorab mit Video veröffentlicht. Ein Lied mit (ĂŒbersichtlicher) Handlung: Der Mann holt einen Karton aus einem Schließfach und findet darin sein Gesicht. "Da sind schon ein paar schrĂ€ge Sachen dabei. Also, fĂŒr mich nicht. FĂŒr mich ist alles schrĂ€g oder gar nichts, das ist alles relativ."

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Eine Gemeinheit gibt es auch: "Mondscheinelise" in Anlehnung an Beethovens "Mondscheinsonate" und "FĂŒr Elise". Der Pianist bekommt leider einen ĂŒblen Hustenanfall, hört aber nicht auf zu spielen. "'Mondscheinelise' ist eine Frechheit", sagt Schneider selbst ĂŒber sein StĂŒck.

Helge und die Ernsthaftigkeit des Musikers beim Vortrag: "Ich finde ja lustig, wenn ein Musiker unheimlich ernste Musik macht, ohne Lust fast schon. Wenn das geschieht auf der BĂŒhne, wenn das auch so wahnsinnig wichtig ist und so aufgeblasen und man dann Smoking anziehen muss, wenn man das hört. FĂŒr mich ist das grotesk, ich mag das auch, aber ich lache da drĂŒber, ich nehme das nicht ernst, weil ich mich selber nicht ernst nehme."

Stimmt nicht ganz: Helge Schneider erfindet und spielt "Verschollene Werke von Bach und HĂ€ndel" und "Variationen auf HĂ€ndels verschollene Aufzeichnungen" virtuos ohne Huster, mit Schneiderschen Akzenten natĂŒrlich, doch ohne offensichtlichen Bruch. "Ich habe mich in die Zeit versetzt mit Fantasie, wie das damals wohl so war, wenn man sich da hat was einfallen lassen. Die Harmonien waren sehr streng. Ich habe versucht, das nachzuempfinden und dabei bloß keinen Jazz, bloß keine Bluenote reinzubringen."

Ein herrlich absurdes Hörspiel (ohne Musik) ist auch unter den 22 StĂŒcken. Klaus hat beim Nordic Walking die Schallmauer durchbrochen und erzĂ€hlt es seinem Kumpel: "Hömma, dat glaubste nich, wat dat fĂŒrn Knall war."

Ein Gesamtkunstwerk

Bis auf zwei hat der 65-JĂ€hrige alle StĂŒcke selbst komponiert. Wieder spielt er auch alle Instrumente selbst. Nur in "The Tadd Walk" (komponiert von Tadd Dameron) sitzt sein Sohn Charlie "The Flash" (11) am Schlagzeug. Schneider mischt seine StĂŒcke auch selbst: Herausgekommen ist Studiomusik, die etwa im komplexen "Großstadtgemecker" klingt, als wĂŒrde im Jazzclub eine mindestens fĂŒnfköpfige Combo spielen - und dabei sehr viel Impro-Spaß haben.

Die Platte (Schneider sagt immer "Platte", weil er an den Vinylscheiben hĂ€ngt) hat er auch fĂŒr sein GemĂŒt gemacht: "Deshalb habe ich die Platte eigentlich machen wollen, damit ich die selber mal hören kann." Wenn er zum Beispiel draußen sitzt.

Keine einzige Platte in seinem Leben habe er jemals wieder gehört nach dem Abmischen, beteuert er. "Nie mehr, wirklich nicht. Das ist fĂŒr mich immer sofort Schnee von gestern." Allzu viel Zeit fĂŒrs Auflegen daheim bleibt ihm indes nicht: Bei seiner Sommertournee "Let's lach" will Helge bis September jeden Monat etwa ein Dutzend Mal auftreten.

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