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Tocotronic: Verwerfungen und Neubeginn

Von dpa
Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 3 Min.
"Nie wieder Krieg" - eine Reise mit Tocotronic.
"Nie wieder Krieg" - eine Reise mit Tocotronic. (Quelle: Gloria Endres de Oliveira/Tocotronic/Universal/dpa./dpa)
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Berlin/Hamburg (dpa) - Es gibt wieder keine Sicherheiten. Die Wege durch die Welt von Tocotronic stecken voller Windungen, Kehren, ĂŒberraschenden Abzweigungen.

Mit ihrem neuen Album "Nie wieder Krieg" entfĂŒhrt die Band um SĂ€nger Dirk von Lowtzow an die ÜbergĂ€nge von RealitĂ€t zu Traum, von banalem Alltag zu intensivem GefĂŒhl. Zwölf Songs lang zeigen die Musiker, wie wunderbar inspirierend und gleichzeitig tanzbar ihre StĂŒcke immer wieder sein können.

Nach vier Jahren Pause

Seit der letzten Studioeinspielung bis zu diesem 13. Album hat es auch pandemiebedingt vier Jahre gedauert. "So hatten wir das GlĂŒck, angefangene Songs liegen lassen zu können", sagt von Lowtzow im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Das Album hat damit eine grĂ¶ĂŸere Sorgfalt und PrĂ€zision. Ein bisschen mehr Zeit zum Nachdenken, fĂŒr Verwerfungen und Neubeginn."

Das Album ist eine kleine Reise geworden, es lÀsst sich eine Dramaturgie darin entdecken. Die paroligen AnsÀtze - von der Band "Sloganeering" genannt - bergen politisch-klare Ansagen etwa bei den bereits veröffentlichten Singles "Nie wieder Krieg" und "Jugend ohne Gott gegen Faschismus" oder in "Komm mit in meine freie Welt".

Intimer auf Zweisamkeit und GefĂŒhle bezogen wird es mit "Ich gehe unter", dem das Album unmittelbar "Ich tauche auf" folgen lĂ€sst. Dort hat die als Soap&Skin arbeitende SĂ€ngerin Anja Plaschg einen Part ĂŒbernommen.

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Offene TĂŒr in der hermetischen Welt

Damit lassen sich von Lowtzow, Bassist Jan MĂŒller, Gitarrist Rick McPhail und Schlagzeuger Arne Zank erstmals auf eine Gastmusikerin ein. "Wir sind als Band sehr autonom, so eine Zelle", erlĂ€utert von Lowtzow. "Das birgt manchmal auch die Gefahr, dass man ein bisschen hermetisch nach außen wirkt. Wir haben auch viel darĂŒber gesprochen, wie man diesen Nukleus öffnen kann."

Die Band habe das lange nicht zugelassen. "Keiner quatscht einem rein und wir machen das alles untereinander." Das sei auch wichtig. "Wenn man es dann zulĂ€sst und sich öffnet fĂŒr Leute, dann kriegt das noch mal eine andere FĂ€rbung."

Weiter in die Niederungen des Alltags. "Wenn die Liebe endet, ist es mitten in der Nacht", heißt es im Song "Ich hasse es hier". Da wird die kaum veredelbare Pizza aus dem TiefkĂŒhlfach zum Synonym fĂŒr Trostlosigkeit. "Nachtflug" beginnt mit einer fĂŒr Tocotronic typisch rĂ€tselhaften Zeile "Das vorletzte Glas, trink ich nicht aus" und wird zu einer wunderschön gefĂŒhlvollen Reise durch die aus der Nacht erwachende Stadt. Das Monster im gleichnamigen Song ist auch eher ein Sehnsuchtswesen: "Monster, ich folge dir, durch die SchranktĂŒr - fĂŒr immer."

Es ist ein rockiges, von Gitarren bestimmtes Album geworden. Das wird gerade auch durch dazwischen platzierte, balladig-ruhige Elemente oder geschmeidige Pop-Töne betont. Melodien und Texte bleiben im Ohr, setzen sich nachhaltig fest. Dabei warnt die Band in "Leicht lÀdiert" noch: "Ihr sollt euch keinen Songtext aufschwatzen lassen."

Seit fast drei Jahrzehnten ist Tocotronic mit Indie-Rock dabei. Die Band wird neben Blumfeld und Die Sterne trotz weitgehender Übersiedlung in die Hauptstadt noch immer zu den wichtigsten Vertretern der intellektuellen "Hamburger Schule" gezĂ€hlt. Die letzten acht Platten waren alle in den Top Ten platziert.

Weitgehend konfliktfrei

Das neue Album ist fĂŒr von Lowtzow kein SelbstlĂ€ufer. "Wenn man so eine langjĂ€hrige Praxis hat wie wir, ist es gar nicht so selbstverstĂ€ndlich, dass man ĂŒberhaupt ein Album macht, man das GefĂŒhl hat, man hat was zu sagen." Die Band funktioniere weitgehend konfliktfrei. "Da ist man schon wahnsinnig froh. Deshalb sehen wir es im Überschwang als eines unserer schönsten Alben."

Es geht fĂŒr ihn um innere Zerrissenheit, seelische Kipppunkte. "Es ist das persönlichste Album, das wir gemacht haben", findet von Lowtzow. Zwar wolle er "die Leute nicht mit seinem GefĂŒhlsquark belĂ€stigen", aber "ich bin sehr froh, dass wir das so gemacht haben".

Er habe als Songwriter in sich hinein gehorcht. "Was will ich eigentlich mitteilen? Was sind das fĂŒr Stimmungen, Heimsuchung und DĂ€monen, denen man ausgesetzt ist?" Nicht nur mit der fĂŒr MĂ€rz und April geplantenTourkönnen Tocotronic-Fans auf Fortsetzung von GefĂŒhlen und Seelenschau hoffen. In "Ich gehe unter" heißt es bei der Band: "Das ist ein Hilfeschrei, es gibt uns immer noch, wir sind noch nicht vorbei."

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