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Auto – Idiotentest: Warum jeder Zweite an der MPU scheitert

Punkte, Kosten, Vorbereitung  

Idiotentest: Warum jeder Zweite an der MPU scheitert

Von Markus Abrahamczyk

15.08.2019, 07:28 Uhr
Auto – Idiotentest: Warum jeder Zweite an der MPU scheitert. Verkehrskontrolle: Sie kann der Beginn einer Geschichte sein, die erst bei der MPU ihr Ende findet. (Quelle: imago images/Michael Schick)

Verkehrskontrolle: Sie kann der Beginn einer Geschichte sein, die erst bei der MPU ihr Ende findet. (Quelle: Michael Schick/imago images)

Die weit verbreitete Sorge vor dem "Idiotentest" scheint berechtigt. Denn fast jeder Zweite scheitert an der MPU. Wie es dazu kommen kann und was Sie die Untersuchung erfolgreich meistern.

Bereits eine Alkoholfahrt genügt – und die MPU ist unausweichlich. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (im Volksmund auch "Idiotentest" genannt) soll klären: Darf ein auffällig gewordener Autofahrer seinen Führerschein behalten oder ist er dazu nicht geeignet?

Allein im Jahr 2018 mussten fast 90.000 Autofahrer zur MPU antreten – beinahe jeder Zweite (40 Prozent) ist gescheitert. Mit gutem Grund zittern Betroffene deshalb dem Termin entgegen. Doch wie kann es so weit kommen? Was geschieht bei der MPU? Und wie bereiten Sie sich ideal darauf vor?

Eine MPU wird angeordnet – was bedeutet das?

Bei Zweifeln an Ihrer Eignung als Verkehrsteilnehmer kann ein Gericht oder eine Behörde Ihre Fahrerlaubnis einziehen und eine MPU anordnen.

Dabei beurteilt ein Sachverständiger, welches Risikopotenzial von Ihnen ausgeht: Wie sicher können Sie am Verkehr teilnehmen, wie stark würden andere dadurch gefährdet. Der Experte fragt also nicht ab, wie gut Sie die Verkehrszeichen und Regeln kennen, sondern er prüft Ihre charakterliche Eignung.

Bei einem Scheitern wird die bestehende Fahrerlaubnis entzogen beziehungsweise keine neue erteilt. Betroffene müssen für das Gutachten 412 Euro bezahlen.

Der Hauptgrund für eine angeordnete MPU sind Alkohol- und Drogendelikte.

Wie läuft die MPU ab?

Die MPU setzt sich aus drei Teilen zusammen:

  • eine medizinische Untersuchung (kann z.B. eine Blutabnahme enthalten)
  • einen Reaktionstest
  • ein psychologisches Gespräch

In diesem Gespräch prüft der Gutachter, ob Sie aus Ihren Fehlern gelernt und Ihr Verhalten verändert haben. Sie sollten unter anderem Ihren Fehler erklären können und auch, warum Sie ihn überhaupt begangen haben. Der Gutachter will auch wissen, wie Sie Ihr Verhalten geändert haben und wie Sie sicherstellen, frühere Fehler nicht zu wiederholen.

Experten raten dazu, in diesem Gespräch offen und ehrlich aufzutreten. Die erfahrenen Gutachter erkennen schnell, ob Sie es ernst meinen oder nur einen vorbereiteten Text vortragen.

Der typische Verlauf einer MPU

  1. Bei der Anmeldung erfahren Sie das weitere Prozedere. Ihre Personalien werden eingesehen, Zahlungsvorgänge geprüft und Sie erhalten Informationen zum Ablauf der weiteren Untersuchung.
  2. Sie erhalten zwei bis drei Fragebögen zu Ihrem Lebenslauf, zu Gesundheit und Erkrankungen und zum Untersuchungsanlass, etwa dem Missbrauch von Alkohol oder Drogen.
  3. Ein Leistungstest am Computer zeigt Ihre Fähigkeiten in den für den Führerschein relevanten Bereichen (Wahrnehmung, Konzentration und Reaktion.
  4. Bei der medizinischen Untersuchung prüft man Ihre körperlichen Voraussetzungen (Herz oder Kreislauf, Nerven und Reflexe, ggf. alkohol- und drogenspezifische Werte).
  5. Das folgende psychologische Gespräch dauert etwa 45 Minuten. Sie schildern die Verkehrsdelikte ausführlich aus Ihrer Sicht und erläutern Ihre Erfahrungen, Veränderungen und Vorsätze für Ihr zukünftiges Verhalten. Anschließend gibt der anwesende Psychologe eine Beurteilung ab. Fast die Hälfte aller MPU-Kandidaten scheitert hier.
  6. Etwa zehn Tage nach dem Begutachtungstermin erhalten Sie das schriftliche Gutachten mit den einzelnen Untersuchungsergebnissen und der abschließenden Beurteilung.

Wie kann ich mich auf die MPU vorbereiten?

Die Durchfallerquote ist zwar hoch. Aber: Mehr als 80 Prozent der Prüflinge bestehen die MPU auf Anhieb, wenn sie sich rechtzeitig informieren und eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Das besagen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Dazu nehmen Sie am besten zunächst an einem Informationsabend teil. Organisationen wie Tüv und Dekra bieten solche Veranstaltungen kostenlos an.

Wichtig ist, dass Sie während der Vorbereitung Ihre Einstellung zum Straßenverkehr überdenken. Dabei können Sie verschiedene professionelle Unterstützung nutzen:

  • Individuelle Beratungsgespräche (etwa 100 Euro)
  • Gruppenmaßnahmen (etwa 600 bis 800 Euro)
  • verkehrstherapeutische Einzelgespräche (etwa 1.000 Euro, hier erstellen Sie mit einem seriösen Berater einen Fahrplan für den Weg zurück zum Führerschein)

Wie erkenne ich geeignete Berater?

Im Internet können Sie auf Anbieter mit windigen Versprechen stoßen: Sie trainieren angeblich die richtigen Antworten auf Fragen in der MPU oder sie bieten Schauspielunterricht, sogar mit Geld-Zurück-Garantie. Meiden Sie unbedingt solche Angebote. Mit einer erfundenen Geschichte und gespielter Reue werden Sie Ihre Fahrerlaubnis nicht zurückerhalten.

Qualifizierte Beratung erhalten Sie stattdessen von einem Psychologen mit Diplom oder Master sowie verkehrspsychologischer Ausbildung. Er sollte sich außerdem in der Diagnostik zu Alkohol- und Drogenkonsum und im Straßenverkehrsrecht auskennen. Während der Beratung macht er Aufzeichnungen, danach erhalten Sie ein Beratungsergebnis oder eine Teilnahmebescheinigung.

Wer Sie gut und seriös auf die MPU vorbereiten kann, erfahren Sie zum Beispiel bei einer Info-Veranstaltung (siehe oben).

Wann ist der Führerschein weg?

Das kann sehr schnell gehen. Der häufigste Grund ist Alkohol am Steuer, gefolgt von Drogen. Weitere Gründe sind körperliche Mängel oder sonstige Verkehrsauffälligkeiten (etwa viele Punkte in Flensburg).

Allerdings gibt es hier einen wichtigen Unterschied zwischen einem Fahrverbot und dem Entzug der Fahrerlaubnis.

Fahrverbot

Das Fahrverbot gilt für ein bis drei Monate. Es tritt zum Beispiel ein, wenn Sie innerorts ab 31 km/h oder außerorts mindestens 41 km/h zu schnell waren. Dann wird zwar der Führerschein für die Dauer des Fahrverbots einkassiert. Die Fahrerlaubnis bleibt davon aber unberührt. Nach Ablauf des Fahrverbots erhalten Sie Ihren Führerschein zurück. Dazu müssen Sie ihn nicht neu beantragen.

Wann genau Sie den Führerschein abgegen, können Sie innerhalb einer Viermonatsfrist selbst entscheiden. Dadurch sollen Härtefälle verhindert werden.

Dieses Angebot gilt allerdings nicht für Wiederholungstäter, die in den zwei Jahren zuvor bereits zu einem Fahrverbot verdonnert wurden.

Entzug der Fahrerlaubnis

Die Fahrerlaubnis wird beispielsweise eingezogen, wenn sich acht Punkte auf dem Flensburger Konto angesammelt haben. Auch eine Alkoholfahrt kann zum Einzug führen, bei einer Fahrt mit mindestens 1,6 Promille führt kein Weg an ihr vorbei. Das gilt übrigens auch für Radfahrer – selbst dann, wenn sie überhaupt keinen Führerschein besitzen. Wenn Sie bereits häufiger Ärger wegen Alkohol am Steuer hatten, genügen 0,5 Promille zur Anordnung einer MPU.

Auch der Führerschein wird dann sofort eingezogen oder der Fahrer muss ihn unverzüglich abgeben. Der Unterschied zum Fahrverbot: Wer nun wieder wieder fahren will, muss eine Neuerteilung des Führerscheins beantragen. Eine Bedingung dafür kann das Bestehen der MPU sein – nach einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten.

Wo gibt man den Führerschein ab?

Fahrverbot

Bei einem Fahrverbot geben Sie den Führerschein bei der Behörde ab, die ihn ausgestellt hat – meist bei der Bußgeldbehörde. Dort können Sie ihn später auch wieder abholen. Teilweise können Sie sich den Führerschein auch zuschicken lassen.

Wenn das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder allgemeinen Feiertag fällt, dann endet sie mit Ablauf des nächsten Werktags.

Entzug der Fahrerlaubnis

Bei einem Entzug ist der Führerschein durch das Urteil oder die entsprechende Behörde eingezogen. Oftmals hat ihn die Polizei dann ohnehin bereits beschlagnahmt.

Kann sich ein Fahrverbot auf eine Führerscheinklasse beschränken?

Ja. Das verdeutlicht ein Beispiel: Ein Taxifahrer fährt privat zu schnell auf einem Motorrad. Das folgende Fahrverbot kann auf Krafträder beschränkt oder die Pkw-Berechtigung vom Fahrverbot ausgenommen werden. Dadurch können einschneidende berufliche Nachteile eines generellen Fahrverbots verhindert werden.

Darf ich Fahrstunden nehmen während des Fahrverbots?

Ja. Denn während der Fahrstunden sind Sie nicht der verantwortliche Fahrzeugführer – sondern der Fahrlehrer. Sie verstoßen deshalb nicht gegen das Fahrverbot.

Darf ich Fahrrad fahren während des Fahrverbots?

Unter Umständen nicht. Worauf sich das Fahrverbot und der Eignungsmangel beziehen, legt die Behörde genau fest. Es kann auch für Fahrzeuge gelten, für die Sie keinen Führerschein benötigen – etwa das Fahrrad. In diesem Fall ist selbst das Radfahren strafbar.
 

 
Muss ich den Führerschein neu machen?

Das ist zumindest möglich. Die Behörde kann die Prüfung anordnen, wenn Sie nicht mehr die notwendigen Fähigkeiten haben. Das kommt zum Beispiel in Frage, wenn Sie seit mehr als acht Jahren keine Fahrpraxis haben.

Verwendete Quellen:
  • Bundesanstalt für Straßenwesen

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