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So reagieren Sie richtig bei Wildwechsel

Hirsch und Reh auf der Straße  

So reagieren Sie richtig bei Wildwechsel

12.09.2018, 11:17 Uhr | Peter Löschinger, dpa

So reagieren Sie richtig bei Wildwechsel. Verkehrsschild warnt vor Wildwechsel: Ein Unfall mit einem Tier kann gefährlich werden. (Quelle: imago/Rene Traut)

Verkehrsschild warnt vor Wildwechsel: Ein Unfall mit einem Tier kann gefährlich werden. (Quelle: Rene Traut/imago)

Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen. Was sollten Autofahrer tun, wenn Hase, Hirsch oder Wildschwein auf die Straße springen? Ein Experte gibt Tipps.

Hase, Reh und Fuchs geben beim Spaziergang im Wald ein hübsches Bild ab. Für Autofahrer können solche Wildtiere aber zur Gefahr werden. Wie man am Steuer richtig reagiert, erklärt Jäger und Biologe Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV).

Im Herbst steigt wieder die Gefahr für Wildwechsel, warum?

Torsten Reinwald: Besonders im Oktober und November wechseln viele Wildtiere wie etwa Rehe, Feldhasen, Hirsche, Wildschweine und Füchse ihren Lebensraum und sind aktiv. Die Felder werden abgeerntet und die Vegetation wird kärglich. Viele Tiere ziehen daher zurück in den Wald. Quasi ein Umzug von der Sommer- in die Winterresidenz.

Welche Tiere verursachen besonders häufig Unfälle?

Mit knapp 85 Prozent ist das Reh übers Jahr gesehen Hauptverursacher für die insgesamt rund 250.000 von Jägern registrierten Wildunfälle. Aber auch bei Wildschweinen herrscht recht reger Betrieb. Sie sind für etwa elf Prozent der Wildunfälle verantwortlich.

Wann ist besonders mit Wildwechsel zu rechnen?

Die meisten Wildtiere sind in der Dämmerung unterwegs. Autofahrer müssen morgens und abends besonders vorsichtig fahren. Naturgemäß fällt der Pendlerverkehr im Frühjahr und Herbst in diese Zeiten. Wegen der Zeitumstellung geht diese besonders unfallträchtige Phase dann in eine zweite Runde. Das ist deswegen so gravierend, weil es von einem auf den anderen Tag passiert. Vor allem Pflanzenfresser unternehmen täglich kleine Wanderungen vom Wald auf Wiesen und Felder und zurück. Zwischen ihrem Schlaf- und Esszimmer verlaufen aber eben oft Straßen.

Welche Strecken sind besonders gefährlich?

Überlandstraßen durch einen Wald und Strecken an einer Wald-/Feld-Kante. Denn dort grenzt das Esszimmer an das Schlafzimmer.

Was müssen Autofahrer besonders beachten?

Angepasste Geschwindigkeit ist das A und O. Auch da, wo keine Warnschilder stehen. Wenn ich mit Tempo 80 fahre, komme ich vor dem Tier noch rechtzeitig zum Stehen, wenn es 60 bis 70 Meter vor mir aus dem Gebüsch kommt. Bei Tempo 100 fahre ich schon mit 60 km/h dagegen. Daher bremsbereit die Straßenränder beobachten. Kleine Lichtpunkte am Rand können auf das Licht der Scheinwerfer reflektierende Augen der Wildtiere hindeuten.

Tiere zeigen sich auf der Straße – was tun?

Abblenden, bremsen und hupen. Dämmerungsaktive Tiere haben sehr lichtempfindliche Augen, ein Fernlicht macht sie völlig orientierungslos. Das ist, wie wenn man Ihnen einen Baustrahler vors Gesicht hält. Einem einzelnen Tier folgen meist noch weitere. Rehe etwa sind im Winter in so genannten Sprüngen mit zahlreichen Tieren unterwegs. Wildschweine leben das ganze Jahr in Rotten.

Was bewirkt das Hupen?

Die Tiere haben einen sehr guten akustischen Sinn und weichen dann der Gefahrenquelle reflexartig aus und springen nicht blind auf die Straße.

Was, wenn ich nicht mehr rechtzeitig bremsen kann?

Ein kontrollierter Zusammenstoß ist in der Regel besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver. Lenkrad festhalten und voll bremsen. Denn ansonsten lande ich vielleicht im Gegenverkehr oder an einem Baum. Nach dem Aufprall ist die Unfallstelle mit Warnblinker und Warndreieck zu sichern und die Polizei unter 110 zu alarmieren. Die verständigt dann auch in der Regel den zuständigen Jäger.

Was mache ich mit dem toten Tier?

Ein großes totes Tier auf der Fahrbahn sollten Autofahrer zum Beispiel mit einer Warnweste kenntlich machen. Ein kleineres lässt sich vielleicht noch – nur mit Handschuhen zum Schutz vor Krankheiten – an den Rand ziehen. Dabei steht die eigene Sicherheit aber an erster Stelle. Auf einer stark befahrenen Bundesstraße würde ich nicht herumlaufen.

Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband: Der Experte erklärt im Interview, warum im Herbst die Gefahr für Wildwechsel wieder steigt. (Quelle: dpa/tmn/Deutscher Jagdverband (DJV))Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband: Der Experte erklärt im Interview, warum im Herbst die Gefahr für Wildwechsel wieder steigt. (Quelle: Deutscher Jagdverband (DJV)/dpa/tmn)

Was ist zu tun, wenn das Tier noch lebt?

Ein noch lebendes, verletztes Tier sollte keiner anfassen. Selbst ein Reh kann in Panik für schwere Verletzungen sorgen. Das sollte die Polizei oder der Jäger vor Ort klären. Die stellen vor Ort auch die für die Teil- oder Vollkasko erforderliche Wildunfallbescheinigung aus. Fotos für die Dokumentation gegenüber der Versicherung zu machen, ist immer gut.

Was aber, wenn ein angefahrenes Tier im Wald verschwindet?

Auch dann unbedingt die Polizei informieren, damit der Jäger mit speziell ausgebildeten Hunden die Fährte aufnehmen kann. Oft haben die Tiere starke innere Verletzungen und leiden jämmerlich. Hilfreich ist, die Unfallstelle vor dem Verlassen zu markieren. Etwa mit einem Tuch an einem Ast in der Nähe. Wer so einen Aufprall nicht meldet, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und kann sich strafbar machen.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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