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Microsoft kauft Spielefirma Activision Blizzard

Von dpa
Aktualisiert am 18.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Microsoft ĂŒbernimmt den Videospieleanbieter Activision Blizzard.
Microsoft ĂŒbernimmt den Videospieleanbieter Activision Blizzard. (Quelle: Mark Lennihan/AP/dpa./dpa)
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Redmond (dpa) - Mega-Übernahme in der Spielebranche: PopulĂ€re Games wie "Call of Duty" und "Candy Crush" sollen kĂŒnftig von Microsoft kommen. Der Software-Riese hinter der Spielekonsole Xbox kauft dafĂŒr den Spieleanbieter Activision Blizzard fĂŒr fast 70 Milliarden Dollar.

Microsoft ist bereit, fĂŒr Activision Blizzard einen heftigen Aufpreis zu zahlen: Das Gebot von 95 Dollar je Aktie liegt gut 45 Prozent ĂŒber dem Schlusskurs von 65,39 Dollar am vorherigen US-Handelstag am Freitag. Die Spielefirma werde damit insgesamt mit 68,7 Milliarden Dollar (60,4 Mrd Euro) bewertet, wie Microsoft am Dienstag mitteilte.

Der umstrittene Chef von Activision Blizzard, Bobby Kotick, werde weiter an der Spitze der Spielefirma bleiben, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Das "Wall Street Journal" berichtete allerdings wenige Stunden spĂ€ter unter Berufung auf informierte Personen, er solle gehen, wenn die Übernahme abgeschlossen ist.

Kotick war in den vergangenen Monaten nach VorwĂŒrfen von sexueller BelĂ€stigung und Diskriminierung bei dem Unternehmen in die Kritik geraten. Unter anderem wurde ihm vorgehalten, nicht entschieden genug gegen Fehlverhalten von Managern eingeschritten zu sein.

Activision Blizzard war im Sommer vom US-Bundesstaat Kalifornien verklagt worden. Der Konzern habe eine sexistische Unternehmenskultur gefördert, bei der Frauen systematisch benachteiligt wĂŒrden, kritisierte die fĂŒr die Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen in dem Bundesstaat zustĂ€ndige Behörde DFEH. Die Firma wies die VorwĂŒrfe zunĂ€chst weit von sich, beauftragte dann aber doch eine Anwaltsfirma mit der AufklĂ€rung der VorwĂŒrfe.

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In der Industrie wurde auch immer wieder die Frage aufgeworfen, ob ein Neuanfang bei Activision Blizzard mit Kotick an der Spitze ĂŒberhaupt möglich sei. Er hielt sich jedoch mit RĂŒckhalt seines Verwaltungsrates fest im Chefsessel. Nach Abschluss der Übernahme soll Activision Blizzard nun Microsofts Spiele-Chef Phil Spencer unterstellt werden, der damit Koticks Boss wĂ€re.

Microsoft rechnet mit einem Abschluss des Deals bis Ende seines nĂ€chsten GeschĂ€ftsjahres, das bis Mitte 2023 lĂ€uft. Vorher muss unter anderem noch die Zustimmung der WettbewerbshĂŒter eingeholt werden. Die Aktie stieg im US-Handel am Dienstag zeitweise auf gut 82 Dollar, noch deutlich entfernt von den gebotenen 95 Dollar - was eine gewisse Skepsis der Anleger zeigt.

Microsoft, das bereits Spielestudios mit bekannten Titeln wir "Doom" und "Minecraft" unter seinem Dach hat, wĂŒrde seine Marktposition mit Activision Blizzard deutlich stĂ€rken. Games der Firma locken monatlich knapp 400 Millionen Spieler an. Rund 245 Millionen davon entfallen auf den vor einigen Jahren ĂŒbernommenen "Candy Crush"-Anbieter King.

Die Spielebranche befindet sich aktuell in einem großen Wandel. Zum einen verlagert sich mehr GeschĂ€ft von Konsolen und PCs auf Smartphones. Dort sind die Games meist zwar kostenlos zu spielen - viele Nutzer geben aber Geld fĂŒr zusĂ€tzliche Inhalte oder Hilfen aus. Diese kleinen BetrĂ€ge addieren sich angesichts der GrĂ¶ĂŸe des Smartphone-Marktes zu betrĂ€chtlichen Summen.

Zum anderen gehört Microsoft zu den Plattform-Anbietern, die versuchen, Spiele-Streaming im Markt zu etablieren. Die Spiele laufen dabei eigentlich nicht auf den GerĂ€ten der Nutzer, sondern auf Servern im Netz. Das Modell bietet die Aussicht auf fortlaufende Abo-Einnahmen statt des einmaligen Verkaufs einer Konsole. Allerdings sind schnelle und reaktionsfreudige Internet-Verbindungen eine Grundvoraussetzung fĂŒr das Modell, das bisher noch ein Nischenangebot ist.

Microsofts GeschĂ€ft mit der Xbox-Konsole wurde zuletzt - wie auch beim Konkurrenten Sony mit seiner Playstation - stark von den globalen EngpĂ€ssen bei Chips und anderen Bauteilen zurĂŒckgehalten. Xbox- und Playstation-GerĂ€te der neuesten Generation sind mehr als ein Jahr nach der MarkteinfĂŒhrung nach wie vor schwer zu bekommen.

Activision Blizzard profitierte wie auch andere Branchenplayer zeitweise von der Corona-Pandemie, in der Menschen mehr Zeit mit Videospielen und Smartphone-Games verbringen. Zuletzt verbuchte die Firma im Ende September abgeschlossenen Quartal ein leichtes Umsatzplus auf gut zwei Milliarden Dollar. Der Gewinn legte im Jahresvergleich um rund sechs Prozent auf 639 Millionen Dollar zu.

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