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Bettnässen: Kleine Panne oder Krankheit?

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 (Quelle: Archiv)

Enuresis nocturna  

Bettnässen: Kleine Panne oder Krankheit?

17.04.2018, 15:02 Uhr | Sabine Caron, ron, dpa-tmn, t-online.de

Bettnässen: Kleine Panne oder Krankheit?. Mädchen mit Teddybär: Manchmal hilft sogar ein Kuscheltier dabei, nicht mehr ins Bett zu nässen. (Quelle: imago/Westend61)

Mädchen mit Teddybär: Manchmal hilft sogar ein Kuscheltier dabei, nicht mehr ins Bett zu nässen. (Quelle: Westend61/imago)

Bettnässen kommt bei Kindern und Jugendlichen häufiger vor als viele denken. Wir nennen mögliche Ursachen und informieren über Symptome, Behandlung sowie Vorbeugung.

Bettnässen ist, wie die meisten Dinge über die ungern geredet wird, mit Vorurteilen behaftet. Die Folge ist, dass Betroffene noch stärker leiden als sie es ohnehin schon tun – das gilt für Kinder und ihre Eltern genau so, wie für junge Leute und Erwachsene. Hier beantworten wir die häufigsten Fragen rund um das Bettnässen.

Was heißt Bettnässen?

Der Begriff Bettnässen (auch Enuresis bzw. Enuresis nocturna) bedeutet eine unwillkürliche und vollständige Blasenentleerung im Schlaf. Bettnässen liegt dann vor, wenn:

  • Das Kind ist älter als fünf Jahre.
  • Von Einnässen spricht man, wenn es länger als drei Monate andauert: Bei Kindern unter sieben Jahren mindestens zweimal im Monat sowie bei Kindern über sieben Jahren einmal im Monat.
  • Das Bettnässen ist nicht auf organische Erkrankungen zurückzuführen.

Das Bettnässen bei Kindern unter fünf Jahren ist keine Enuresis. In den ersten fünf Lebensjahren ist es nicht ungewöhnlich, wenn Kinder sich hin und wieder einnässen.

Was bedeutet primäre und sekundäre Enuresis?

Beim Bettnässen wird zwischen der primären und des sekundären Enuresis unterschieden. Hier ist vor allem der Zeitraum entscheidend: Zur primären Enuresis zählt  fortlaufendes Einnässen über das siebente Lebensjahr hinaus, ohne dass das Kind über einen längeren Zeitraum trocken war. Bei der sekundären Form waren die Kinder nachts schon mal trocken und nässen dann wieder ein.

Welche Ursachen gibt es für das Bettnässen?

Bei der sekundären Enuresis liegen in der Regel psychische Gründe vor, wie zum Beispiel Schulstress, Trennung der Eltern oder Probleme mit Freunden. Bei Kindern, die schon immer eingenässt haben, spielen psychische Gründe laut Medizinern in der Regel keine Rolle.

Psychische Probleme werden bei der primären Enuresis eher als eine Folge der Störung betrachtet. Ursache ist häufig eine verzögerte Entwicklung der Hirnanhangdrüse, die zu wenig von einem bestimmten Hormon (ADH oder Vasopressin) produziert, das die Harnproduktion hemmt. Normalerweise wird dieses Hormon von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) in einem bestimmten Rhythmus ausgeschieden: Nachts gelangt weniger Harn in die Blase. Diese hormonelle Regulation kann bei der primären Enuresis nocturna gestört sein.

Primäre Enuresis: Welche Auslöser gibt es zusätzlich?

Häufig fallen Kinder mit primärer Enuresis zusätzlich noch in einen extrem tiefen Schlaf, der ihnen das Erwachen bei Harndrang unmöglich macht. Die Kinder spüren zum Beispiel nicht, dass ihre Blase voll ist. Es gibt familiäre Veranlagungen, die über eine Reifungsverzögerung zum Bettnässen führen können. In knapp 90 Prozent der Fälle hatte ein naher Verwandter das gleiche Problem.

Wie sollten Eltern darauf reagieren?

Wenn das Kind ins Bett gemacht hat, sollten Eltern ruhig reagieren und dem Kind signalisieren, dass sie es beim Trockenwerden unterstützen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin erhöhten Strafen oder Beschimpfungen den Druck auf das Kind und schwächten sein Selbstbewusstsein. Dadurch könne sich das Einnässen sogar verschlimmern.

Für das Kind ist es wichtig zu verstehen, dass es kein Nachzügler ist, weil es länger zum Trockenwerden braucht. Vielleicht ist es in anderen Dingen genauso gut wie andere Kinder oder ihnen sogar voraus? Darauf hinzuweisen, kann das Selbstbewusstsein stärken und Kindern den Umgang mit dem Bettnässen erleichtern, erläutert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Für ein Kind kann es zudem tröstlich sein zu erfahren, dass auch andere Familienangehörige dieses Problem früher hatten.

Therapie: Wie wird Enuresis behandelt?

Um den Nachwuchs zu motivieren, könnten Eltern trockene Nächte mit kleinen Dingen belohnen oder in einem Plan die Fortschritte einzeichnen. Erst wenn diese Tricks nicht greifen oder das Kind psychisch auffällig wird, sollten Eltern einen Termin beim Kinderpsychotherapeuten vereinbaren. Behandelt wird das Einnässen beispielsweise mit einer Verhaltenstherapie oder einer Kontinenzschulung. Hier lernen Kinder, ihren Körper besser wahrzunehmen.

Wie können Eltern dem Bettnässen beim Kind vorbeugen?

Um es vorwegzunehmen: Einer Enuresis können Sie nur bedingt vorbeugen, weil das unbewusste Einnässen aus den verschiedensten Gründen auftreten kann. Dennoch gibt es Ratschläge, an denen Sie sich orientieren können. Die Redaktion der Stiftung Warentest empfiehlt vier einfache Mittel, die Kindern beim Trockenwerden helfen und Stress in der Nacht verhindern. Dazu zählt, dass Sie dem Bettnässen durch veränderte Trinkgewohnheiten zumeist erfolgreich vorbeugen können.

Wann tritt Enuresis bei Erwachsenen auf?

Nicht nur Kinder und Jugendliche sondern auch Erwachsene können von Enuresis betroffen sein. Psychische oder biologische Gründe, wie eine erbliche Veranlagung, können hierfür ursächlich sein. Wie bei Kindern kann auch eine verzögerte Entwicklung der Hirnanhangdrüse die Ursache sein: Es wird nachts zu viel Urin ausgeschüttet, etwa wenn zu wenig des antidiuretischen Hormons (ADH) ausgeschüttet wird.

Grundsätzlich unterscheiden sich Diagnose und Therapie von Enuresis zwischen Kindern und Erwachsenen deutlich. Sollten Sie als Erwachsener vom Bettnässen betroffen sein, ist ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt als erste Anlaufstelle sinnvoll.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen von Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Symptomen auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch Informationen, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen bietet unser Impfkalender

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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