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FI-Schutzschalter: So schützt er vor tödlichen Stromschlägen

Elektrische Geräte  

Stromschlag im Badezimmer: So kann man sich schützen

09.08.2020, 09:30 Uhr | rw, t-online, ron

FI-Schutzschalter: So schützt er vor tödlichen Stromschlägen. FI-Schutzschalter: Er befindet sich immer im Sicherungskasten. (Quelle: imago images/Olaf Döring)

FI-Schutzschalter: Er befindet sich immer im Sicherungskasten. (Quelle: Olaf Döring/imago images)

Er soll Leben retten, wenn der laufende Fön oder das Handy am Ladekabel ins Badewasser fällt: der sogenannte FI-Schalter. Doch die Schutzvorrichtung greift in vielen Fällen nicht. Das ist der Grund.

Laut dem Verband der Elektrotechnik (VDE) nehmen in Deutschland Stromunfälle mit tödlichem Ausgang zu. Nach einem historischen Minimum im Jahr 2016 mit 34 Todesfällen stieg die Zahl 2018 um 24 Prozent auf 42. Ein Drittel davon passiert im Haushalt.

Was viele nicht wissen: Eine ganz normale Haussicherung schützt nicht vor einem lebensgefährlichen Stromschlag, sondern lediglich die Leitungen vor Überlastung. Um tödlichen Stromunfällen im Haushalt vorzubeugen, sollte zusätzlich ein sogenannter Fehlerstrom-Schutzschalter, kurz: FI-Schalter, installiert sein. Dabei gilt die Regel: "Die Sicherung schützt Geräte und Leitungen, der FI-Schalter den Menschen." Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den unscheinbaren Lebensretter.

Was bedeutet FI-Schalter?

Der Fehlerstrom-Schutzschalter heißt im Sprachgebrauch auch oftmals nur FI-Schalter. Dabei steht das "F" für Fehler und das "I" für das physikalische Formelzeichen der elektrischen Stromstärke.

Wo findet man den Fehlerstrom-Schutzschalter?

Wer gar nicht weiß, ob sich im eigenen Haushalt bereits ein FI-Schutzschalter befindet, kann dies leicht durch einen Blick in den Sicherungskasten feststellen. Der Schalter ist als "FI-Schutzschalter" oder "RCD"  (residual current device, deutsch: Reststrom-Schutzgerät) beschriftet und darüber hinaus leicht am Prüfknopf zu erkennen.

FI-Schutzschalter: Er befindet sich immer im Sicherungskasten. (Quelle: imago images/Olaf Döring)FI-Schutzschalter: Er befindet sich immer im Sicherungskasten. (Quelle: Olaf Döring/imago images)

Wie funktioniert der FI-Schalter?

Bei einem elektrischen Gerät fließt der benötigte Strom von der Steckdose über das Kabel zum Gerät und – normalerweise – in gleicher Stärke wieder zurück. Wird dieser Stromfluss durch einen Zwischenfall unterbrochen, etwa wenn ein Mensch ein ungenügend isoliertes Gerät berührt, entsteht eine Differenz zwischen zu- und abfließendem Strom. In einem solchen Fall unterbricht der FI-Schutzschalter abrupt und komplett den Stromkreis. Dieser kurze Zeitraum ist wichtig, da es im Fall von Körperdurchströmungen schnell zu Herzkammerflimmern kommen kann.

Warum reicht die normale Sicherung nicht aus?

FI-Schutzschalter unterbrechen den Stromkreis je nach Art bereits bei einer Stromstärkendifferenz von 30 oder sogar schon bei zehn Milliampere (mA). Letztere werden vor allem in sogenannten sensitiven Bereichen eingesetzt. Das sind beispielsweise Feuchträume wie das Badezimmer. Generell gilt: Je niedriger der Ampere-Wert, umso schneller erfolgt die Abschaltung. Als Faustformel kann man den mA-Wert mit 0,8 multiplizieren und erhält als Ergebnis die Abschaltzeit in Millisekunden.

Zum Vergleich: Die herkömmliche Haushaltssicherung reagiert erst bei einer Stromstärke von 16 oder mehr Ampere (A) und braucht entsprechend länger, bis sie den Stromkreis unterbricht. Damit schützt sie zwar die Leitung vor einer anhaltenden Überlastung und beugt beispielsweise Kabelbränden und Überspannungsschäden vor. Um Menschen vor lebensgefährlichem Stromschlag zu schützen, reagiert sie aber viel zu träge. Fehlerstrom-Schutzschalter reagieren bereits mit einer Abschaltzeit von unter 40 Millisekunden.

Badezimmer: Der Haartrockner sollte nicht neben einem laufenden Wasserhahn abgelegt werden. (Quelle: imago images/nordpool/Riediger)Badezimmer: Der Haartrockner sollte nicht neben einem laufenden Wasserhahn abgelegt werden. (Quelle: nordpool/Riediger/imago images)

Stromschlag in der Badewanne: Schützt ein FI-Schalter?

Ein Großteil der tödlichen Stromunfälle im Haushalt passiert im Badezimmer – in letzter Zeit verstärkt im Zusammenhang mit Handys, die mit dem Ladekabel verbunden sind und in die gefüllte Badewanne fallen. "Dabei hielten die Ladegeräte nachweislich nicht die vorgeschriebenen Anforderungen ein, teils aufgrund mangelhafter Konstruktion, teils wegen Beschädigungen", sagt Klaus Kreß vom Prüf- und Zertifizierungsinstitut des VDE auf Anfrage von t-online.de.

Durch einen FI-Schalter kann ein solcher Unfall verhindert werden. Ein Restrisiko bleibt jedoch bestehen. Denn auch ein FI-Schalter schützt nicht immer vor einem Stromschlag beim Baden. Der Grund: "Inzwischen sind fast alle Badewannen aus Kunststoff, Acryl oder emailliertem Stahl. Auch die Abflussrohre bestehen aus Kunststoff, sind somit nicht leitfähig. Eine Erdung bleibt hier wirkungslos. Der FI-Schalter funktioniert nicht", erklärt Kreß.

Sicherheit im Bad: Laufende oder angeschlossene elektrische Geräte sollte man von der Badewanne fernhalten. (Quelle: imago images/Westend61)Sicherheit im Bad: Laufende oder angeschlossene elektrische Geräte sollte man von der Badewanne fernhalten. (Quelle: Westend61/imago images)

Deshalb sollten elektrische Geräte wie zum Beispiel Handys am Ladekabel, aber auch Haartrockner oder Rasierer in sicherer Entfernung aufbewahrt werden – vor allem, wenn Kinder in der Wanne baden.

Info
Obwohl heute bereits zehn mA für Badezimmer vorgeschrieben sind, besteht keine Nachrüstpflicht für bestehende Installationen. Auch wenn ein FI- Schalter nicht in jedem Fall schützen kann, ohne dieses Sicherheitselement ist das Risiko für einen elektrischen Schlag um ein vielfaches höher – und das kann tödlich sein.

Sind FI-Schalter in Deutschland Pflicht?

Dass RCD Leben retten können, ist auch dem Gesetzgeber nicht verborgen geblieben. Deshalb muss seit 2009 in jedem neu eingebauten Steckdosen-Stromkreis auch ein FI-Schutzschalter stecken. Bereits seit 1984 sind in Westdeutschland die Schutzschalter für Feuchträume in Neubauten Pflicht. Seitdem haben sich tödliche Stromunfälle laut Statistischem Bundesamt mehr als halbiert. Eine gefährliche Gesetzeslücke ließ man allerdings offen. Es besteht keine Nachrüstpflicht für ältere Stromanlagen in Altbauten.

FI-Schalter nachrüsten: Wie funktioniert's?

Wer in einem Altbau ohne Fehlerstrom-Schutzschalter wohnt, sollte nachrüsten lassen. Hierbei wird ein FI-Schalter in der Hausverteilung (dem Sicherungskasten) zusätzlich eingerastet und verkabelt. Die gute Nachricht: Es müssen dafür keine Leitungen neu verlegt und somit weder gebohrt noch Wände aufgestemmt werden. In der Regel ist ein nachträglicher Einbau in einer halben bis einer Stunde erledigt.

Wichtig: Einen FI-Schalter darf ausschließlich ein Elektro-Fachbetrieb nachrüsten.

Sicherungskasten: Ganz links befindet sich hier der FI-Schutzschalter. (Quelle: imago images/Shotshop)Sicherungskasten: Ganz links befindet sich hier der FI-Schutzschalter. (Quelle: Shotshop/imago images)

Müssen Mieter auf eigene Kosten nachrüsten?

Mieter einer Altbauwohnung ohne FI-Schalter können für den nachträglichen Einbau nicht ihren Vermieter in die Pflicht nehmen. Denn: "Solange es keine gesetzliche Nachrüstpflicht gibt, kann der Mieter das nicht vom Vermieter verlangen", sagt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund auf Anfrage von t-online.de. Nur neu installierte Stromkreise müssen mit FI-Schaltern gesichert werden – deren Kosten übernimmt der Vermieter.

"Wenn er nachrüsten will, muss der Mieter dies auf eigene Kosten tun und sollte seinen Vermieter um Erlaubnis fragen. Diese darf der Vermieter in der Regel auch nicht verweigern", ergänzt Hartmann.

Info
Eine solche Duldungspflicht des Vermieters gegenüber Modernisierungen durch den Mieter erklärte unter anderem das Landgericht Berlin für rechtens (Az.: 64 S 355/0).

Was sind mobile Fehlerstrom-Schutzschalter?

Sie können auch einzelne Steckdosen oder Stromkreise mit einer Schutzvorrichtung versehen beziehungsweise nachträglich absichern. Dafür gibt es mobile Fehlerstrom-Schutzschalter, sogenannte PRCD-S (Portable Residual Current Device-Safety). Diese werden einfach zwischen Stromverbraucher und Steckdose gesteckt, zum Beispiel im Bad oder Garten. Der Vorteil: Der PRCD-S bietet gegenüber dem fest installierten FI-Schalter mehr Sicherheit, da er nicht nur Fehler im angeschlossenen Elektrogerät, sondern auch im speisenden Netz erkennt.

Wie oft sollte man FI-Schalter kontrollieren?

Wirksamen Schutz bietet nur ein intakter FI-Schalter. Denn: "Wenn der FI-Schalter nie oder nur selten auslöst, verkleben möglicherweise dessen Schaltkontakte. So kann er den Stromkreis im Störungs- oder Gefahrenfall nicht unterbrechen", erklärt Ralf Weber, Sicherheitsexperte beim Infocenter der R+V-Versicherung. Deshalb sollten Sie den Schalter regelmäßig kontrollieren – mindestens zweimal im Jahr. Dabei reicht es aus, die Testtaste beziehungsweise den Prüfknopf des FI-Schalters zu drücken und so einen Fehlerstrom vorzutäuschen.

Verwendete Quellen:

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