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Brunnen bohren im eigenen Garten: Das sollten Sie wissen

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Brunnen bohren im Garten: Das sollten Sie wissen

22.05.2020, 10:56 Uhr | mb, dpa, t-online.de, ron

Brunnen bohren im eigenen Garten: Das sollten Sie wissen. Praktisch und dekorativ: Viele Gartenbesitzer träumen vom eigenen Brunnen im Garten. (Quelle: imago images/Peter Widmann)

Praktisch und dekorativ: Viele Gartenbesitzer träumen vom eigenen Brunnen im Garten. (Quelle: Peter Widmann/imago images)

Mit einem eigenen Brunnen können Hobbygärtner ihren Garten einfach und unkompliziert bewässern und dabei auch noch Kosten sparen. Das ist zu beachten.

Ganz ehrlich: Ein Brunnen im eigenen Garten hört sich erst einmal gut an. Einerseits können Sie mit dem geförderten Grundwasser regelmäßig Ihre Parzelle bewässern – gerade auch, wenn das Wasser in der Regentonne mal wieder zur Neige geht. Andererseits lassen sich Hunderte Euro an Wasserkosten im Jahr sparen. Vor dem Hintergrund der hohen Trinkwasserpreise ein durchschlagendes Argument.

Einen Brunnen bohren: Darf man das einfach?

Grundsätzlich erlaubt das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), nach Grundwasser zu bohren und es zu nutzen: egal, ob zur Brauch- und Trinkwassergewinnung oder zum Gießen von Rasen, Blumen- oder Gemüsebeet. Im Paragraf 46 heißt es dazu:

Keiner Erlaubnis oder Bewilligung bedarf das Entnehmen, Zutagefördern, Zutageleiten oder Ableiten von Grundwasser
1. für den Haushalt (...)
2. für Zwecke der gewöhnlichen Bodenentwässerung (...) gärtnerisch genutzter Grundstücke.

Zugleich sagt das Gesetz aber, dass das Landesrecht letztlich darüber entscheidet, ob eine Brunnenbohrung im eigenen Garten erlaubt oder verboten ist. Hier gibt es entsprechende Landeswassergesetze (LWG). Die Voraussetzungen für Brunnenbohrungen sind in den örtlichen Kommunen oder Städten teilweise sehr unterschiedlich.

Sie hängen auch davon ab, in welcher Umgebung sich Ihr Grundstück befindet – zum Beispiel im Bereich einer Wasserschutzzone. Außerdem müssen Sie sich darüber erkundigen, ob Sie den Brunnen in Ihrem Fall auch bei der örtlichen Wasserbehörde, zum Beispiel der unteren Wasserbehörde, anmelden müssen. Zumeist besteht eine sogenannte Anzeige- oder Genehmigungspflicht. In vielen Kommunen muss ein Formular zusammen mit einem Lageplan eingereicht werden.

Wichtig: Grundwasserentnahmen, die zur Trinkwasserversorgung dienen, müssen dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

Brunnen bohren: Selbst machen oder Firma beauftragen?

In der Regel beauftragen Grundstückseigentümer für die Bohrung spezielle Firmen wie Brunnenbauer. Doch mit etwas Know-how und dem richtigen Equipment können Sie einen Brunnen auch selbst bohren. Je nachdem, welche Funktion dieser im Garten erfüllen soll, stehen verschiedene Brunnenformen zur Auswahl.

Handschwengelpumpe: eine nostalgische Bewässerungsmethode, die Geld spart und praktisch ist. (Quelle: imago images/Michael Eichhammer)Handschwengelpumpe: eine nostalgische Bewässerungsmethode, die Geld spart und praktisch ist. (Quelle: Michael Eichhammer/imago images)

Rammbrunnen: der Beliebte

Der Rammbrunnen, auch Schlagbrunnen genannt, ist besonders beliebt, weil er sich verhältnismäßig einfach bohren beziehungsweise in den Boden rammen lässt.

Wie funktioniert’s?

Das Anlegen des Brunnens erfolgt durch eine elektrische Ramme und ein Metallrohr, das bis zum Grundwasserspiegel in den Boden gestoßen wird. Dieser darf allerdings nicht tiefer als sieben Meter liegen. Der Grund: Das Wasser wird bei dieser Möglichkeit üblicherweise mithilfe einer Handpumpe, zum Beispiel einer Schwengelpumpe, an die Oberfläche befördert. Deren Kraft reicht aber für einen Pumpweg, der länger als sieben oder acht Meter ist, nicht aus.

Vorteile
Mit einigen Hundert Euro ist diese Methode im Vergleich zu anderen die kostengünstigste. Zudem sind der Material- und Arbeitsaufwand vergleichsweise gering.

Nachteile
Die Fördermenge des Wassers ist eher gering und das Metallrohr muss je nach Beanspruchung nach etwa fünf Jahren ausgewechselt werden. Bei einem Grundwasserstand von unter sieben bis acht Metern ist eine Wasserförderung nicht möglich.

Schachtbrunnen: der Historische

Historischer Schachtbrunnen: Ein hölzernes Brunnenhaus mit altem Räderwerk, errichtet um 1600, diente zur Wasserversorgung der Burganlage im hessischen Schlitz. (Quelle: dpa/Friedel Gierth)Historischer Schachtbrunnen: Ein hölzernes Brunnenhaus mit altem Räderwerk, errichtet um 1600, diente zur Wasserversorgung der Burganlage im hessischen Schlitz. (Quelle: Friedel Gierth/dpa)

Dieser klassische Brunnentyp besteht – wie der Name schon sagt – aus einem breiten Schacht, der bis zum Grundwasser ausgehoben wird. Die Wände sind gemauert und der Grund wird mit Kies aufgefüllt. Der Schachtbrunnen gilt als der dekorativste Brunnentyp, mit dem Sie Ihrem Garten eine persönliche Note geben können.

Wie funktioniert’s?

Der Schachtbrunnen verhält sich ähnlich einem Wasserloch. Er wird ausgeschachtet und füllt sich jede Nacht mit Wasser bis auf Höhe des Grundwasserspiegels. Am Tag können Sie das Wasser herausschöpfen. Die Tiefe eines Schachtbrunnens kann bis zu zehn Meter betragen. Sinnvoll ist es allerdings, wie auch beim Rammbrunnen, eine Stelle dafür auszuwählen, an der sich das Wasser möglichst nah an der Oberfläche sammelt.

Vorteil
Ein Pluspunkt des Schachtbrunnens ist seine Langlebigkeit.

Nachteile
Allerdings ist die Menge des Wassers, die Sie damit fördern können, eher gering und die Kosten für das Anlegen eines Schachtbrunnens betragen durchschnittlich mehrere Tausend Euro. Zudem gilt der Schachtbrunnen heutzutage als hygienisch bedenklich, auch wenn ein Brunnendach das Wasser vor Schmutz schützen soll.

Bohrbrunnen: der Kostenintensive

Die teuerste Brunnenvariante ist der Bohrbrunnen. Allerdings bietet er auch die effizienteste Lösung zur Wassergewinnung. Dabei wird zwischen Bohrbrunnen mit Hauswasserwerk und Tiefbrunnenpumpe unterschieden. Wichtig ist, dass Sie die Brunnen fachmännisch bohren lassen sollten. So gehen Sie sicher, dass der Bohrbrunnen möglichst viel Wasser fördert.

Bohrbrunnen mit Hauswasserwerk

Ein sogenanntes Hauswasserwerk besteht aus drei Dingen: Jetpumpe, Druckbehälter und Drucksteuerung. Es pumpt Wasser vom Brunnen zur Verbrauchsstelle im Garten. Hierbei kann der Grundwasserstand auch unter acht Meter liegen.

Vorteile
Er bietet eine sehr hohe Lebensdauer, die mehrere Jahrzehnte betragen kann. Die Förderleistung kann bis zu 5.500 Liter pro Stunde erreichen. 

Nachteil
Der erhöhte Aufwand verursacht mehr Kosten.

Bohrbunnen mit Tiefbrunnenpumpe

Die Tiefbrunnenpumpe ist eine Tauchpumpe, die im Grundwasser oberhalb der Filterstrecke eingetaucht wird. Das Pumpengehäuse befindet sich deshalb unterhalb des Wasserspiegels. Im Hinblick auf den Grundwasserstand gibt es keine Einschränkungen.

Vorteile
Bohrbrunnen mit Tiefbrunnenpumpe können zwischen 6.000 und 17.000 Liter Wasser pro Stunde fördern. Dank ihrer schlanken Bauform passen sie in Brunnenrohre ab einem Durchmesser von 80 Millimetern. Zudem bieten sie eine hohe Lebensdauer.

Nachteil
Er ist wie der Brunnen mit Hauswasserwerk vergleichsweise kostenintensiv.

Einen Brunnen selbst bohren: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Gartenaccessoire: Eine Schwengelpumpe wirkt auch als Dekoration inmitten bunter Pflanzenkübel. (Quelle: imago images/blickwinkel)Gartenaccessoire: Eine Schwengelpumpe wirkt auch als Dekoration inmitten bunter Pflanzenkübel. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Wenn Sie eigenhändig einen Brunnen in Ihrem Garten bohren möchten, überlegen Sie zuvor, ob Kosten und Aufwand im Verhältnis zu Ihrem Wasserkonsum stehen. Erkundigen Sie sich auch, ob es auf Ihrem Gartengrundstück ausreichend Wasservorkommen gibt. Haben Sie von den Behörden eine Genehmigung eingeholt, kann es losgehen.

Werkzeug: Bohrgarnitur oder Motorbohrer, Kiespumpe oder Plunsche (Ventilbohrer), KG-Rohr

  1. Vorbereiten: Entfernen Sie belastende Stoffe wie Öl, Benzin und Ähnliches, die das Grundwasser gefährden können, aus dem Bohrbereich. Prüfen Sie auch, ob dort kein Elektrokabel oder Rohr verlegt ist.
  2. Graben: Heben Sie mit dem Spaten zunächst ein Loch aus, in dem Sie dann den Bohrer ansetzen.
  3. Bohren: Achten Sie darauf, dass Sie sowohl einen Hand- als auch einen Motorbohrer langsam im Uhrzeigersinn in das Erdreich drehen.
  4. Verlängern: Haben Sie eine größere Tiefe erreicht, sollten Sie den Bohrer um zusätzliches Gestänge verlängern. So erreichen Sie bald den Grundwasserspiegel.
  5. Verrohren: Empfehlenswert für das Verrohren des Bohrlochs mit einem Kanalgrundrohr, kurz KG-Rohr, aus PVC.
  6. Plunschen: Setzen Sie das KG-Rohr ins Loch und beginnen Sie mit dem sogenannten Plunschen. Dabei füllt sich das Rohr mit Sand, wenn es auf den Grund herabfällt. Wird es ruckartig wieder nach oben gezogen, verschließt ein Klappdeckel den Boden und der Inhalt kann nach oben befördert werden.
  7. Abpumpen: Befinden sich im Bohrloch etwa zwei bis drei Meter Wasser, ist der Brunnen fertig vorgetrieben. Bevor Sie eine Pumpe einsetzen, sollten Sie das Bohrloch noch von losem Sand befreien. Dazu den Brunnen mehrere Stunden bei allmählich steigender Wasserleistung freipumpen.
  8. Anschließen: Jetzt können Sie eine Gartenpumpe, zum Beispiel eine Schwengelpumpe, anschließen.

Einen Brunnen bohren: Wie hoch sind die Kosten?

Die Kosten für einen Brunnen lassen sich nicht pauschal beziffern, weil sie von den Arbeitsstunden, den Materialkosten, der Brunnenart, der Bohrtiefe und dem Bodengrund abhängig sind. Folgende Richtwerte gibt es aber:

BrunnenartKosten*
Rammbrunnen (eigenhändig)Bohren: keine
Material: circa 20 Euro/m
Bohrbrunnen mit Hauswasserwerk (Firma)Bohren: circa 60 Euro/m
Material: circa 5 Euro/m
Hauswasserwerk: circa 80–400 Euro
Bohrbrunnen mit Tiefbrunnenpumpe (Firma)Bohren: circa 120 Euro/m
Material: 20 Euro/m
Tiefbrunnenpumpe: circa 200–400 Euro

Quelle: Das Haus

Unser Tipp
Möchten Sie für Ihren Brunnen eine Fachfirma beauftragen, lassen Sie sich vorher einen Kostenvoranschlag machen. Denken Sie auch an mögliche Worst-Case-Szenarien, zum Beispiel größerer Bohraufwand wegen Bodenbeschaffenheit.
 

Verwendete Quellen:

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