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Wann "Last Christmas" krank machen kann

Von dpa
26.11.2019Lesedauer: 2 Min.
Frauen auf dem Weihnachtsmarkt: Musik in Läden darf nicht die Grenze von 64 Dezibel überschreiten.
Frauen auf dem Weihnachtsmarkt: Musik in Läden darf nicht die Grenze von 64 Dezibel überschreiten. (Quelle: M_a_y_a/getty-images-bilder)
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Kunden können flüchten, wenn beim Weihnachtseinkauf zum fünften Mal "Last Christmas" gespielt wird. Verkäufer dagegen müssen die Dudelei ertragen – zu Lasten ihrer Gesundheit.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom letzten Weihnachten, als jemand sein Herz verschenkte, aber der Empfänger es direkt am nächsten Tag weiter verschenkte? Zigfach schallen die Zeilen des Weihnachts-Klassikers "Last Christmas" der Band Wham" Jahr für Jahr durch Radios, Fußgängerzonen und Geschäfte. Kaum jemand kann dem Hit von George Michael und Bandkollege Andrew Ridgeley entfliehen, besonders betroffen sind jedoch Verkäufer im Handel. Die Gewerkschaft Verdi warnte bereits im vergangenen Jahr: Die laute Dauerbeschallung sei eine Gefahr für die Gesundheit. Hoher Blutdruck, Stress und ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten könnten die Folge sein.

Vorschriften werden von manchen Filialen kaum beachtet

Die Gewerkschafter weisen auf die geltenden Arbeitsplatzregeln hin: Musik in Läden darf demnach nicht die Grenze von 64 Dezibel überschreiten – das entspricht etwa einem Fernseher in Zimmerlautstärke. Insgesamt sollte der Lärmpegel 70 Dezibel nicht überschreiten, in der stressigen Weihnachtszeit mit vollen Geschäften klingt das nach Utopie. "Es gibt eigentlich keine großen Ketten, die komplett auf die Beschallung verzichten", sagt Verdi-Sprecherin Eva Völpel. Besonders laut sei die Musik oft in Ketten für junge Mode, wo "nochmal mehr der Beat aufgedreht" werde.

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Getan habe sich nicht sehr viel, seit man das Thema vor einem Jahr zur Sprache gebracht habe, heißt es von Verdi. Wie oft und wie sehr die Lautstärkegrenzen tatsächlich überschritten werden, ist kaum nachweisbar. Es gebe aber immer wieder Beschwerden von Betriebsräten oder einzelnen Beschäftigten, erzählt Völpel.

Viel Bass gleich hohe Einnahmen?

Der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Düsseldorfer Management-Hochschule WHU kann das nur bedingt nachvollziehen. "Im Zweifel gehen die Kunden vor", sagt Fassnacht – und für diese hätten Händler einen entscheidenden Anteil daran, Weihnachtsstimmung – und damit auch Konsumfreudigkeit – zu verbreiten. Da ohnehin zunehmend online geshoppt werde, bestehe bei Kunden auch nicht die Gefahr des Überdrusses. "Man kann den Leuten gar nicht so sehr auf die Nerven gehen, weil sie stationär heute weniger da sind", sagt der Experte.

In den eigens produzierten Radioprogrammen von Rewe und Penny wird die Frequenz von Weihnachtssongs wie "Last Christmas" oder "All I Want for Christmas Is You" daher nach Angaben eines Sprechers bis zu den Festtagen nach und nach von zwei pro Stunde auf fünf erhöht. Wie laut, dürften die Mitarbeiter vor Ort selbst entscheiden. Letzteres gilt auch für die Modekette C&A. Der C&A-Weihnachtssong "Winter Wonderland" von Sam Feldt nehme "eine prägnante Rolle" ein, heißt es.

Aber müssen es wirklich immer die gleichen Songs sein? "Wenn Sie etwas Unbekanntes da aufspielen, was nicht an Weihnachten erinnert, dann ist es auch nicht gut", meint Fassnacht. "Zehn Klassiker, that's it." Es sei aber möglich, auf neue Variationen altbekannter Titel zu setzen – ein bisschen Kreativität müsse erlaubt sein.

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