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"Mama Leaks": Wenn Kinder fiese Geheimnisse ausplaudern


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Wenn Kinder peinliche Geheimnisse der Eltern ausplaudern

Von dpa
Aktualisiert am 27.09.2016Lesedauer: 3 Min.
Kleine Kinder wissen noch nicht, was sie lieber für sich behalten sollten.
Kleine Kinder wissen noch nicht, was sie lieber für sich behalten sollten. (Quelle: dpa-bilder)
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Ob Details über Toilettengänge oder böse Meinungen über unliebsame Verwandte: Wer kleine Kinder hat, muss damit rechnen, dass sie frei über vieles reden. Ein Redeverbot sollten Eltern ihnen trotzdem auf keinen Fall auferlegen.

"Ist das die hässliche Kleid, von das du gesprecht hast, Mami?" oder "Meine Mama blutet aus der Scheide! Deine auch?" Diese peinlichen, vom Kind ausgeplauderten Sätze hat die Berliner Bloggerin "Das Nuf" ins Netz gestellt. "'Ich habe nichts zu verbergen...' Wie falsch dieser Satz ist, das wird einem erst klar, wenn man ein flüssig sprechendes Kind im Kindergartenalter hat", schreibt sie im Beitrag "Mama Leaks".

Über dunkle Geheimnisse muss man sprechen

Wie sollen Eltern mit solchen unangenehmen Situationen umgehen? Und wann begreifen Kinder, dass man über bestimmte Sachen besser nicht mit jedem spricht?

Im Alter von fünf bis sechs Jahren verstehen Kinder noch nicht viel vom Hüten von Geheimnissen, sagt der Pädagoge Michael Schnabel. Aber: "Interessanterweise unterscheiden Kinder in diesem Alter schon zwischen schönen und schlimmen Geheimnissen."

Untersuchungen bereits aus den 90er-Jahren zeigen, dass jüngere Kinder der Ansicht sind, über schlimme Geheimnisse müsse man reden. "Diese Offenheit und das damit verbundene Vertrauen darf nicht enttäuscht werden. Vielmehr sollten Eltern ihren Kindern immer wieder erklären, dass das Gespräch über schlimme Geheimnisse sogar überlebenswichtig sein kann", erklärt Schnabel, ehemals wissenschaftlicher Mitarbeiter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.

Wann Kinder ein Schamgefühl entwickeln

Es geht aber nicht nur um den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen, sondern auch um den Lernprozess, den Kinder durchlaufen: Was ist gesellschaftlich akzeptiert, was ist Privatsphäre und was nicht?

"Wenn Kinder etwas aus der Familie ausplaudern, haben die Eltern sie wohl in den meisten Fällen nicht extra gewarnt 'erzähl das nicht weiter'", sagt die Professorin Bettina Schuhrke von der Evangelischen Hochschule Darmstadt. "Kinder haben eine andere Perspektive als Erwachsene. Sie verstehen noch nicht die komplizierten Regeln, dass etwas vor manchen Personen okay ist und vor anderen nicht."

Schuhrke und Kollegen hatten vor mehreren Jahren in einer Studie 41 Familien befragt und dabei erkannt, dass Kinder zwischen vier und sieben Jahren ein Gefühl von Selbstscham entwickeln, etwa was die eigene Nacktheit oder Toilettengänge angeht. "Nachdem sie diese Selbstscham entwickelt haben, kommt auch noch etwas dazu, das wir die Fähigkeit zur Fremdscham nennen, also sich stellvertretend für andere zu schämen, aber auch Rücksicht auf andere zu nehmen." Diese Fähigkeit beginne etwa im Vorschulalter.

Warum ist etwas überhaupt peinlich?

Schuhrke ist überzeugt: Sämtlichen peinlichen Situationen, in denen Kinder etwas ausplaudern, kann man nicht vorbeugen. "Da müsste man sich mit seinen Aussagen und seinem Verhalten ja ständig kontrollieren." Wenn es passiert, sei es wichtig, dass die Eltern reflektieren: Warum ist mir das überhaupt peinlich? Dann sollten sie mit dem Kind darüber sprechen und ihre Gefühle erklären.

Das sieht der Erziehungsberater Ulrich Gerth aus Mainz ähnlich: "Kommt es zu einer peinlichen Situation in der Kita, weil das Kind zum Beispiel ausplaudert, dass man die Mutter eines anderen Kindes nicht mag, dann liegen die Karten offen auf dem Tisch." In dieser Situation sollten die Erwachsenen auch offen damit umgehen. Mit dem Kind zu schimpfen, wäre falsch.

Und wenn etwas wirklich in der Familie bleiben soll, sei es wohl besser, das nicht vor kleinen Kindern besprechen.

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