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Aus und vorbei: Darum lassen sich Paare scheiden

dpa, Ira Schaible

11.07.2017Lesedauer: 3 Min.
Ein junges Paar streitet sich
Virtuelles Fremdgehen und Stress sind Gr├╝nde f├╝r eine Scheidung. (Symbolbild) (Quelle: Deagreez/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Nie war eine Scheidung so einfach wie heute. Trotzdem entschlie├čen sich weniger Menschen in Deutschland zu diesem Schritt. Steckt dahinter eine neue Sehnsucht nach Zweisamkeit?

M├Ąnner haben bei einer Ehescheidung ihren 45. Geburtstag schon hinter sich und Frauen l├Ąngst den 40. gefeiert: Das gilt in Deutschland dem Statistischen Bundesamtes zufolge 2016 jedenfalls im Durchschnitt. Die Scheidungszahlen sinken weiter leicht, das Alter steigt.


F├╝nf Tipps f├╝r neues Feuer

Alte Liebe rostet nicht? Dass das nicht immer der Wahrheit entspricht, ist wahrlich keine Neuigkeit mehr. Wir haben f├╝r Sie f├╝nf praktische und prickelnde Tipps, wie Sie die Zeit zu zweit wieder gemeinsam nutzen k├Ânnen und Ihre Beziehung wieder zum Leben erwecken.
Viele Paare kennen sich bereits seit ihrer Jugend und schaffen es nicht immer bis zur goldenen Hochzeit. 50 Jahre sind schlie├člich eine lange Zeit. Versuchen Sie nicht das Unm├Âgliche, sondern n├Ąhern Sie sich wieder Schritt f├╝r Schritt Ihrem Partner an. Das klappt am besten mit innigen Unterhaltungen, die l├Ąnger sein sollten, als die wenigen Worte die Sie beim morgendlichen Kaffee miteinander wechseln.
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Sind Lebenskrisen und Neuorientierungen der Grund?

Diese anhaltende Phase dr├╝ckt nach Einsch├Ątzung von Trendforscher Harry Gatterer "das Ende der Individualisierung" und "ein neues Verst├Ąndnis f├╝reinander" aus. Familientherapeut Achim Haid-Loh h├Ąlt einen "ganz neuen Typus" f├╝r ausschlaggebend: "Es lassen sich immer mehr ├Ąltere Ehepaare auch im hohen Alter mit 70 und 80 Jahren noch scheiden."

Die meisten Menschen durchlebten im Alter von 50 bis 55 Jahren eine Art Lebenskrise und orientierten sich in manchem neu, sagt Gatterer, der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Zukunftsinstituts in Frankfurt und Wien ist. Dazu k├Ânne auch ein neuer Partner geh├Âren. "Jedem ist klar, dass er 80 oder 90 Jahre alt werden kann und Zeit hat."

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F├╝r den R├╝ckgang der Scheidungszahlen gibt es nach Einsch├Ątzung von Evelyn Gr├╝nheid vom Bundesinstitut f├╝r Bev├Âlkerungsforschung noch mehr strukturelle Gr├╝nde: Die Zahl der Verheirateten gehe zur├╝ck. Zugleich seien unter den Eheleuten deutlich mehr ├ältere. So sei der Anteil der 25- bis 35-J├Ąhrigen an den Verheirateten von rund 30 Prozent im Jahr 1970 auf gut 9 Prozent im Jahr 2015 gesunken.

├ältere lie├čen sich zwar nicht so schnell scheiden wie J├╝ngere. Die Scheidungsh├Ąufigkeit bei den J├╝ngeren sinke jedoch st├Ąrker als bei den ├älteren, sagt die Forschungsdirektorin aus Wiesbaden. Das Heiratsalter habe sich auch ge├Ąndert: "Wer jetzt heiratet, macht es sp├Ąter und bewusster als fr├╝her."

Hat sich das Verst├Ąndnis der idealen Beziehung ge├Ąndert?

Trotzdem: "Das partnerschaftliche Ideal von Beziehung auf Augenh├Âhe, bei der man sich die Kinderzerziehung, den Haushalt und die Berufst├Ątigkeit teilt, zerbirst an der Realit├Ąt des Arbeitsmarktes und den Schwierigkeiten der Kinderbetreuung", berichtet Haid-Loh vom Evangelischen Zentralinstitut f├╝r Familienberatung in Berlin. Diese asymmetrische Aufteilung von Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit f├╝hre zu Verwerfungen, Entt├Ąuschungen, Stress und Trennung. Andere blieben zusammen, h├Âhlten ihre Partnerschaft und Sexualit├Ąt aber soweit aus, dass sie sich trennten, wenn die Kinder aus dem Haus seien.

Ist Vertrauensbruch ein Grund?

Der Bielefelder Paartherapeut Detlef Vetter berichtet: "Fremdgehen ist immer noch ein gro├čes Thema." Neu sei "virtuelles Fremdgehen": F├╝r den Umgang mit Internetpornografie und Erotik-Chats h├Ątten Paare noch keine Regeln. Dazu k├Ąmen die Belastungen der Arbeitswelt: Viele betrachteten die Beziehung als R├╝ckzugsraum. "Beide wollen sich entlasten." Dies f├╝hre oft zu dem gegenseitigen Vorwurf: "Ich investiere in die Beziehung, und du nimmst nur raus!"

Soziologe Michael Wagner von der Universit├Ąt K├Âln betont: "Das soziale Problem ist nicht die Scheidung, sondern die Kinder, die darunter leiden." Fast 132.000 waren 2016 betroffen. Haben sie Nachteile? "Viele Befunde sprechen daf├╝r, dass Scheidungskinder ein etwas h├Âheres Risiko f├╝r Bildungsnachteile und Beeintr├Ąchtigungen der psychischen Gesundheit haben", sagt Forschungsdirektorin Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut in M├╝nchen. "Das trifft jedoch keineswegs alle Scheidungskinder, sondern ist davon abh├Ąngig, welche Probleme durch die Trennung der Eltern entstehen oder ihr schon voraus gegangen sind."

Fehlt vielen Paaren die Zeit f├╝r eine Ehe?

Zeit spiele auch eine Rolle. "In der Regel brauchen Scheidungsfamilien rund zwei Jahre, um tragf├Ąhige Regelungen zu treffen, neue Routinen im Alltag aufzubauen und die emotionalen Belastungen zu verarbeiten", sagt Walper. In dieser Zeit gehe es den Kindern zumeist deutlich schlechter. Allerdings: "F├╝r Kinder und Jugendliche mit sehr zerstrittenen Eltern ist es langfristig meist g├╝nstiger, wenn sich die Eltern trennten, als wenn diese zusammenblieben - es sei denn, der Streit geht auch nach der Trennung unvermindert weiter."

Was k├Ânnen Verheiratete f├╝r ihren Bund tun?

Soziologe Wagner fordert, ein "stilvolles Scheidungsritual" zu entwickeln, "um es den Ex-Partnern leichter zu machen, Kr├Ąnkungen, Wut und Trauer besser zu bew├Ąltigen". So k├Ânne der Kontakt als Eltern erhalten bleiben. Als Beispiel nennt er ein Treffen von Verwandten und Freunden nach der Scheidung, ├Ąhnlich wie bei einer Beerdigung ÔÇô wobei es nach der Scheidung "nicht unbedingt traurig zugehen muss".

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