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Ihr Partner hat komische Freunde? Das können Sie tun

Bloß nicht dagegen hetzen  

Ihr Partner hat komische Freunde? Das können Sie tun

02.08.2020, 17:42 Uhr | Suria Reiche, dpa

Ihr Partner hat komische Freunde? Das können Sie tun. Partnerschaft: Wenn man die Freunde seines Partners kennenlernt, sollte man damit rechnen, dass er in deren Umfeld andere Verhaltensweisen an den Tag legt als gewohnt. (Quelle: Getty Images/Klubovy)

Partnerschaft: Wenn man die Freunde seines Partners kennenlernt, sollte man damit rechnen, dass er in deren Umfeld andere Verhaltensweisen an den Tag legt als gewohnt. (Quelle: Klubovy/Getty Images)

"Zeig mir deine Freunde und ich sag' dir, wer du bist", heißt es. Was aber, wenn der Partner der Richtige zu sein scheint, ich aber seine Freunde nicht mag? Reden hilft, aber nur im richtigen Ton.

Das Bild von der perfekten Partnerschaft sieht in den Köpfen der meisten Menschen so aus: Die Partner haben die gleichen Hobbies, hören die gleiche Musik – und haben natürlich auch den gleichen Freundeskreis, mit dem sie vormittags über den Wochenmarkt schlendern und sich abends auf ein Glas Wein oder ein Bier verabreden.

Sie entscheiden sich für den Partner – nicht den Freundeskreis

Die Realität ist jedoch häufig eine andere, vor allem bei Frischverliebten: Die Freunde des neuen Partners passen nicht zwangsläufig zu einem selbst. Und dann? "Geht man eine Paarbeziehung mit einem Menschen ein, entscheidet man sich für eine Person und nicht für deren Freundeskreis", findet Marga Bielesch, Paartherapeutin und psychotherapeutische Heilpraktikerin aus Weimar.

Dennoch kann es störend sein, wenn die Freunde des Partners Eigenschaften an den Tag legen, die einem selbst völlig fremd sind. Auch Dr. Rouven Gehr, Paartherapeut in Leipzig, weiß, dass es schwierig sein kann, Verständnis und Akzeptanz aufzubringen, wenn man die Freunde seines Partners nicht wirklich mag oder wenig mit deren Aktivitäten anfangen kann. Er sagt aber: "Letztlich sollte ich mich in Akzeptanz üben, wenn meinem Partner der Kontakt wichtig bleibt."

Über die Abneigung sprechen – aber feinfühlig

Wie so oft ist auch hier Kommunikation das Schlüsselwort. Das finden auch Regina und Alberti Stürmer. Das Ehepaar betreibt in Königsfeld im Schwarzwald eine Praxis für Coaching, Beratung und Seminare. Sie sagen: "Man sollte über die Abneigung sprechen. Aber es kommt auf das Wie an."

Statt zu sagen "Die Leute finde ich fürchterlich. Wie kannst du nur solche Freunde haben?" könnte man feinfühliger sein, sich dennoch für die Freunde interessieren und den Partner selbst zum Überlegen bringen. Zum Beispiel mit Formulierungen wie: "Wie findest du es, dass dein Freund immer so oberflächlich ist? Mir kommt das komisch vor." oder "Ich wundere mich darüber, dass deine Freundin immer so laut sein muss."

Bei diesem Gespräch sollte man nicht wertend sein, sagt Gehr. Wenn man seine Bedenken richtig formuliere, könne es ja auch passieren, dass dem Partner selbst klar wird, dass sein bisheriger Freundeskreis auch ihm nicht wirklich guttut und nicht mehr seinen Werten entspricht. In solch einem Fall könne die Partnerschaft dabei behilflich sein, sich aus alten und nicht mehr wohltuenden Beziehungen heraus zu entwickeln. "Dies sollte jedoch dem Wunsch meines Partners entsprechen und nicht eine Forderung von mir sein dürfen", so Gehr.

Brauchen Partner immer gemeinsame Freunde?

Aber ist es beiden Partnern überhaupt wichtig, einen gemeinsamen Freundeskreis zu haben? Denn trotz Wolke sieben bestehe Liebe aus Autonomie. "Und dazu gehört auch, dass jeder Partner mal seins machen darf", sagt Bielesch. Zeit mit Freunden zu verbringen, mache zufrieden und das wirke sich auch auf die Paarbeziehung aus. "Sich in einer Beziehung Freiraum einzugestehen, ist wichtig und das dürfen sich Partner erlauben", so Bielesch.

Auch Gehr findet: "Menschen haben unterschiedliche Facetten, und eine Partnerschaft muss nicht alle solche tangieren." Manchmal stelle sich eben auch heraus, dass der Partner mindestens eine Facette hat, mit der man selbst nichts anfangen kann. "Das muss einem aber nicht zwangsläufig die Partnerschaft vermiesen." Und immerhin könne es ja auch passieren, dass einem plötzlich etwas gefällt, was man vorher für uninteressant gehalten hat, wenn man sich nur darauf einlässt, so Bielesch.

Nur dem Partner zuliebe bei Treffen dabei sein?

Wichtig sei aber, dass man vorher ganz tief in sich hinein fühlt. Die Therapeutin würde sich fragen: Was brauche ich, damit es mir mit der Situation gutgeht? Wo liegt mein Bedürfnis? Wäre es für mich okay, Zeit mit den Freunden meines Partners zu verbringen? Würde ich es wirklich wollen oder ihm zuliebe tun?

Bei den Treffen nur dabei zu sein, um seinem Partner einen Gefallen zu tun, sei nicht unbedingt hilfreich und könne leicht in Konflikten enden. "Wichtig ist es, ehrlich zu sich und seinem Bedürfnis zu stehen und dies seinem Partner mitzuteilen."

Wenn es dann zu Begegnungen mit den Freunden des Partners kommt, sei Offenheit wichtig – vor allem beim ersten Treffen. "Wenn meine Meinung zu vorgefertigt ist, verhindere ich, dass es wider Erwarten gar nicht so schlimm ist", warnt Gehr. "In jedem Fall sollte ich damit rechnen, dass mein Partner im Umfeld seiner Freunde andere Verhaltensweisen an den Tag legt, als ich gewohnt bin. Dies kann auch erschrecken."

Auch Freunde sollten Abneigung ansprechen

Und andersrum? Also, wenn meine Freunde Vorbehalte gegenüber meinem Partner haben? Auch dann sei es wichtig darüber zu sprechen, finden die Therapeuten. Denn man solle prüfen, ob diese Abneigung persönliche Hintergründe hat oder ob meine Freunde tatsächlich glauben, dass mein Partner nicht gut für mich ist.

Im Falle der persönlichen Abneigung ist laut Gehr eine klare Positionierung wichtig. "Meine Freunde sollten akzeptieren, dass mir dieser Mensch sehr wichtig ist. Und ich kann mir verbitten, dass in meiner Gegenwart schlecht über meinen Partner geredet wird", sagt der Experte.

Wenn es sich jedoch nicht bloß um eine persönliche Abneigung handelt, sondern meine Freunde Sorge haben, dass mir dieser Mensch nicht guttut, dann sollten sie mich vor ihm warnen. "Natürlich mit der gebotenen Zugewandtheit", rät Gehr.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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