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Warum dieses Bergdorf das "Monte Carlo der Alpen" ist

Christian Haas/SRT

Aktualisiert am 29.12.2019Lesedauer: 4 Min.
Blick auf Bad Gastein: Der Wintersportort bietet viele neue Attraktionen.
Blick auf Bad Gastein: Der Wintersportort bietet viele neue Attraktionen. (Quelle: Eibner Europa/imago-images-bilder)
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Einst kurten in Bad Gastein Kaiser und Könige und der Promi-Jetset. Dann fiel das "Monte Carlo der Alpen" in einen Dornröschenschlaf. Nun wird das einstige Belle-Époque-Bergdorf wachgekĂŒsst – von KĂŒnstlern, Kreativen und Köchen.

Supergeil. Das ist das Erste, was einem einfĂ€llt, wenn man das riesige Bild von Friedrich Liechtenstein im Hotelflur gegenĂŒber des Fahrstuhls sieht. Schließlich hat er mit einem "Supergeil"-Video einen viralen Hit der Extraklasse gelandet.

Im Hotel Miramonte, einem Mix aus 1960er-Jahre-Retrochic und WohlfĂŒhldesign, finden sich aber noch weitere Liechtenstein-Spuren: in der Bar sein alter Plattenspieler, daneben BildbĂ€nde und Alben von ihm, darunter auch eines namens "Bad Gastein", das 2014 erschien. So viel Ehre fĂŒr einen Bergort? "Hier gibt es alles, wovon ich oft und gerne rede und das auf eine exemplarische zauberhafte Weise", so der Ausnahmemusiker, der immer wieder in sein Lieblingshotel Miramonte und nach Bad Gastein zurĂŒckkehrt.

Große Festivals und Events

Er ist nicht der einzige Kreative, den es in den hinteren Teil des Gasteinertals verschlĂ€gt. Beim Festival "sommer.frische.kunst" bleiben KĂŒnstler, darunter auch GrĂ¶ĂŸen wie Liza Minnelli oder Nora Tschirner, mitunter gleich wochenlang hier, um in den Ateliers im denkmalgeschĂŒtzten Kraftwerk zu FĂŒĂŸen des imposanten Wasserfalls zu arbeiten. Das Festival ist einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr Bad Gasteins Entwicklung zur "Hochburg fĂŒr Kreative und VerrĂŒckte", wie es die Neue ZĂŒrcher Zeitung formulierte.

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Ein anderer ist die "Art on Snow", die mit ihren Schnee- und Eisskulpturen, Lichtershows und riesigen SchneegemĂ€lden als grĂ¶ĂŸtes Winterkunstfestival der Alpen gilt. BerĂŒhmt sind auch Kulinarikevents wie die Dinner-Gondelfahrten im nahen Dorfgastein und die "Gasteiner Skihauben", die Eckart Witzigmann, "Koch des Jahrhunderts" und EhrenbĂŒrger von Bad Gastein, mitinitiiert hat und wie folgt beschreibt: "Bei den 'Gasteiner Skihauben' bieten ausgewĂ€hlte SkihĂŒtten feine Schmankerln an, nach den Rezepten und der Einschulung von sieben Haubenköchen."

Die hohe Kunst des Kochens beherrschen auch die von Berlin ins Salzburger Land gezogenen Jan und Stefan, die 2016 das außerhalb gelegene Waldhaus Rudolfshöhe ĂŒbernahmen. Vier GĂ€stezimmer, Mini-Restaurant – selten ist der Spruch "klein, aber fein" so passend. Untermalt von Chansons aus den Zwanzigern kredenzen sie in liebevoll gestalteter Umgebung gerade mal einer Handvoll GĂ€sten eine Handvoll (Schmor-)Gerichte – und hauchen jenem jahrhundertealten Ort, an dem schon Kaiserin Sisi picknickte, neues Leben ein.

Zeitreisen in Bad Gastein

Zeitreisen macht man in Bad Gastein stĂ€ndig. Etwa dank der Nostalgie-Einersesselbahn, die hinauf zur urigen Bellevue Alm schaukelt, wo man sich – abgesehen vom unnötig großen Flatscreen – so wohl fĂŒhlt, dass man kaum aufbrechen will zur dann doch herrlich amĂŒsanten Rodelpartie. Oder dank der einst prĂ€chtigen, in den letzten Jahrzehnten aber heruntergekommenen k.u.k.-Prachtbauten im Ortszentrum. Schließlich war Bad Gastein im 19. Jahrhundert aufgrund seiner heißen Thermalquellen Pilgerziel fĂŒr alles, was Rang und Namen hatte, inklusive Kaiser Wilhelm I. und FĂŒrst von Bismarck.

Stein gewordener Ausdruck der großen Bedeutung waren die bis zu zwölf Stockwerke hohen UnterkĂŒnfte, die Namen trugen wie Grand Hotel de l'Europe oder Mirabell, und nach und nach verwaisten. Aus der Ferne sorgen sie auch im 21. Jahrhundert fĂŒr ein einmaliges Ambiente, das das "Monte Carlo der Alpen" von allen anderen Wintersportorten abhebt – aus der NĂ€he jedoch eher fĂŒr ein skurriles Ruinenflair.

Viele neue Attraktionen

Dank neuer BesitzverhĂ€ltnisse und Nutzungsideen kommt derzeit aber viel Bewegung in den Ort, dessen Stimmung ohnehin seit LĂ€ngerem aufwĂ€rts geht – und mit ihr die GĂ€stezahlen. Daran haben auch das ausgeprĂ€gte Nightlife, das mit vielen Live-Konzerten punktet, und die 2017 generalsanierte, legendĂ€re Felsentherme ihren Anteil.

Auch in puncto Skifahren hat sich einiges getan. Vor allem auf dem 2.251 Meter hohen Stubnerkogel. Es gibt neue Bahnen, eine HĂ€ngebrĂŒcke und eine Aussichtsplattform. Herrlich lange Abfahrten gab es schon immer, etwa ins bei LanglĂ€ufern beliebte Angertal – zugleich die Skiverbindung nach Bad Hofgastein. Dort passiert gerade besonders viel. Rund 85 Millionen Euro wurden, unter anderem durch Crowdfounding, in die Umwandlung der Schlossalm-Standseilbahn in eine 10er-Gondelbahn gesteckt, die im Januar 2019 mit großem Tamtam eröffnet wurde.

Eines der teuersten Neubauprojekte des diesjÀhrigen Alpenwinters besticht durch moderne Architektur, höchsten Komfort und ein hohes Augenmerk auf Nachhaltigkeit. Das wird noch mehr Leute anlocken, wobei schon jetzt an Spitzentagen sÀmtliche Verleihski und Skilehrer ausgebucht sind. "Es wird immer schwieriger, einheimische Skilehrer zu finden", berichtet der 29-jÀhrige Guide Matthias, "viele kommen aus dem Ausland, ein Gutteil etwa aus DÀnemark."

Was auch an den auffĂ€llig vielen skandinavischen GĂ€sten liegt. Die haben weniger die typischen Bad Gasteiner Osteoporoseprogramme und den Radonstollen auf ihrer Agenda als das pulsierende Nachtleben. Mit Vorliebe steuern Feierfreudige die im Westernstil gehaltene Silver Bullet Bar an oder die von Schweden gefĂŒhrte Haeggbloms Bar und die wohl bekannteste Bar des Ortes: das Eden.

Tour durchs Tal

So international und laut es in Bad Gastein zugehen kann: Es geht auch leise und regional. Keiner verkörpert das besser als der aus dem Gasteinertal stammende Hans Naglmayr, Ranger im nahegelegenen Nationalpark Hohe Tauern. Und ohne Frage kennt der 61-JĂ€hrige sein Tal wie seine Rangertasche. "Die Natur", sagt er, "ist meine UniversitĂ€t. Ich möchte, dass die Leute wieder ein GespĂŒr fĂŒr die Natur bekommen. Das ist in unserer Zeit verloren gegangen."

Wie ihm das gelingt? In der Regel fĂŒhrt er Schulklassen in den ruhigen Teil des Angertals, immer wieder aber auch Privatpersonen. Etwa unsere Schneeschuhgruppe, die aus vier Erwachsenen, einem Jugendlichen und einem Kind besteht. Hans fĂŒhrt uns durch tiefen Schnee und zeigt uns dabei Hermelinspuren, FichtenkreuzschnĂ€bel, Fische im kalten Bach und Schneeringe. Er erzĂ€hlt von winterschlafenden Murmeltieren, den Zeiten des Goldabbaus und dem Gasteiner Spannungsfeld zwischen Halligalli und Naturidyll. Nach drei Stunden kommen wir zum Parkplatz und können alle nur dem zehnjĂ€hrigen Liam beipflichten, der meint: "Also Hans, das war einfach supergeil!"

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