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Islamischer Staat lehrt Kinder das Köpfen

Grausige Trainingsmethoden  

IS lehrt Kinder das Köpfen - mit Puppen

20.07.2015, 18:17 Uhr | AP

Islamischer Staat lehrt Kinder das Köpfen. Jungen werden in einem Trainingscamp des IS an Waffen ausgebildet. Acht bis zehn Stunden am Tag dauert der Drill.  (Quelle: AP/dpa)

Jungen werden in einem Trainingscamp des IS an Waffen ausgebildet. Acht bis zehn Stunden am Tag dauert der Drill. (Quelle: AP/dpa)

Unter der Anleitung erfahrener Kämpfer zieht sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat die nächste Generation von Terrorsoldaten heran. Entführte oder rekrutierte Teenager werden gezielt zu Kämpfern ausgebildet werden. Eine Lektion des Terrortrainings für Minderjährige: Enthaupten mit den Schwert.

Jahia, ein 14-jähriger Junge der von IS-Kämpfern entführt wurde, schilderte seine Erlebnisse: Zuerst wurden den Kindern Videos gezeigt mit Menschen, die geköpft werden. So etwas würden sie eines Tages selbst tun, sagten die Ausbilder - aber zuerst müssten sie die Technik üben. Jeder der mehr als 120 Jungen erhielt ein Schwert, eine Puppe und das Kommando, dieser den Kopf abzuschneiden.

Jungen sollen zu Kämpfern werden

Jahia, wie die anderen Kinder ein Angehöriger der jesidischen Minderheit, fiel die Übung nicht leicht. Er schwang das Schwert einmal, zweimal, dreimal. "Dann zeigten sie mir, wie man es hält und sagten mir, wie man trifft. Sie sagten mir, es sei der Kopf eines Ungläubigen", schilderte er. Jahia ist nicht sein richtiger Name - so nannten ihn die IS-Entführer. Ihm gelang die Flucht aus dem IS-Trainingslager und er floh in den Norden Iraks.

Als Kämpfer der Terrormiliz im vergangenen Jahr jesidische Dörfer im Irak überfielen, schlachteten sie ältere Männer ab und machten viele Frauen und Mädchen zu Sklavinnen. Dutzende Jungen wie Jahia traf ein anderes Schicksal: Der IS versuchte, sie umzuerziehen und als Dschihad-Kämpfer auszubilden.

Geschenke, Drohungen, Gehirnwäsche

Das Training ist Teil der IS-Bemühungen, eine neue Generation von Extremisten heranzuzüchten. Das geht aus AP-Interviews mit Einwohnern hervor, die geflüchtet sind oder weiter unter der Kontrolle des IS in Syrien und im Irak leben. Demnach rekrutiert die Gruppe Teenager und Kinder mit Hilfe von Geschenken, Drohungen und Gehirnwäsche. Manche sind bereits in Henker und Selbstmordattentäter verwandelt worden.

Ein kürzlich vom IS veröffentlichtes Video zeigt einen Jungen, der unter Aufsicht eines erwachsenen Dschihadisten einen syrischen Soldaten enthauptet. Ein anderes Video vom vergangenen Monat zeigt 25 Kinder, die - anscheinend ohne mit der Wimper zu zucken - 15 gefangenen syrischen Soldaten in den Kopf schießen.

Propagandamaschine rollt

In Schulen und Moscheen hämmern Dschihadisten den Kindern ihre extremistische Doktrin ein, hetzen sie oft gegen die eigenen Eltern auf. Auf den Straßen versuchen Kämpfer, Kinder mit Spielzeugen anzulocken. "Ich sorge mich schrecklich um künftige Generationen", sagt Abu Hafs Nakschabandi, ein syrischer Scheich, der in der türkischen Stadt Sanliurfa Religionsunterricht für Flüchtlinge abhält - als Gegengewicht zur IS-Ideologie.

Ziel der Indoktrination sind meistens sunnitische Kinder. In vom IS kontrollierten Städten zeigen Kämpfer jungen Menschen in Straßenbuden Videos, es gibt Veranstaltungen im Freien mit kostenlosen Getränken und Süßigkeiten - plus Propaganda.

Tod und Gewalt auf dem Lehrplan

Der IS nahm Jahia, seinen kleinen Bruder, ihre Mutter und Hunderte weitere Jesiden, die von der Miliz als Ketzer betrachtet werden, im vergangenen August im Irak gefangen und brachte sie nach Rakka. Dort wurden die Brüder und Dutzende andere Jungen im Alter zwischen acht und 15 Jahren ins Trainingslager Faruk gesteckt. Ihr kurdischen Namen wurden durch muslimisch-arabische ersetzt.

Jahia verbrachte fast fünf Monate in dem Lager, wurde acht bis zehn Stunden am Tag ausgebildet, lernte den Umgang mit Waffen und musste den Koran studieren. Die IS-Kämpfer sagten ihm, dass die Jesiden "schmutzig" seien und getötet werden sollten, schilderte der Junge. Sie zeigten ihm, wie man jemanden im Exekutionsstil aus nächster Nähe erschießt. Manchmal mussten die Jungen gegeneinander kämpfen, sich gegenseitig wehtun. Jahia schlug dabei seinem zehnjährigen Bruder einen Zahn aus.

Der Ausbilder habe ihm gesagt, "wenn ich das nicht tue, würde er mich erschießen", sagt Jahia. "Sie sagten uns, sie würden uns härter machen. Sie haben uns überall geschlagen."

Gnadenloser Drill

Ein IS-Video aus dem Lager Faruk zeigt, wie Jungen in Tarnanzügen Sportübungen machen und Slogans ausrufen. Ein IS-Kämpfer sagt, die Kinder hätten Dschihad studiert, damit "Gott, der Allmächtige, sie in den kommenden Tagen an die Frontlinien im Kampf gegen die Ungläubigen schicken kann".

Auf Videos aus anderen Lagern sind Jungen zu sehen, die unter Stacheldraht hinwegkriechen und Schießen üben. Ein Kind liegt am Boden und feuert aus einem Maschinengewehr, der Rückstoß lässt den kleinen Körper um Zentimeter zurückprallen. Jungen stehen bewegungslos in einer Reihe, rühren sich auch nicht, als ein Ausbilder mit einem Stab auf ihre Köpfe schlägt.

Bleibende Spuren

Der IS gibt an, dass er Hunderte solcher Lager betreibt. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge mussten sich in diesem Jahr bereits mindestens 1100 Kinder unter 16 Jahren dem IS anschließen. Wenigstens 52 wurden bei Kämpfen getötet.

Jahia flüchtete im März mit seinem Bruder aus dem Lager, später half ein Onkel, sie und ihre Mutter endgültig freizukaufen. Heute lebt die Familie in der irakischen Kurdenstadt Dohuk. Die beiden Jungen verbringen viel Zeit vor dem Fernseher, wirken aufgeschlossen und kontaktfreudig. Aber die Zeit im IS-Lager hat dennoch Spuren hinterlassen. So wird Jahia niemals die Videos mit der Enthauptung von Menschen vergessen. "Ich hatte Angst, als ich das gesehen habe", sagt der Junge. "Ich wusste, dass ich nicht fähig sein würde, jemanden so zu enthaupten. Auch nicht als Erwachsener."

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