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Es war alles noch viel schlimmer

Eine Kolumne von Fabian Reinbold, Washington

Aktualisiert am 15.01.2021Lesedauer: 4 Min.
Nationalgarde im US-Kapitol: Diese Aufnahmen von schlafenden Soldaten mit Maschinengewehr im Arm gehen derzeit um die Welt. (Quelle: t-online)
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Erst jetzt ist das Ausma├č deutlich: Der Aufstand hat das US-Kapitol bis ins Mark ersch├╝ttert. Es herrscht Wut auf Politiker, die jetzt als Donald Trumps Erben auftreten.

In Washington mussten erst ein paar Tage vergehen, bis man das ganze Ausma├č der Katastrophe verstehen konnte.

Ich habe in dieser Woche immer wieder Zeit im ├╝berfallenen Kapitol verbracht, dort mit vielen gesprochen und immer neue Videos angeschaut, die ihren Weg aus den Nischen des Internet in die ├ľffentlichkeit fanden. Alles f├╝hrt zum so simplen wie deprimierenden Schluss: Es war alles noch viel schlimmer.

Der Mob war organisierter, zielgerichteter und besser ausger├╝stet, als man tagelang annahm. Er hatte ausdr├╝cklich Mike Pence und Nancy Pelosi im Visier, die Nummer zwei und drei in der Machtfolge der USA.

Sehr leicht h├Ątte es viel mehr Tote geben k├Ânnen. Eine Gruppe stand etwa nur noch Meter vor der T├╝r zur Senatskammer, als diese noch nicht evakuiert war. Ehre geb├╝hrt einem einzelnen schwarzen Polizisten, der die aufgebrachte Menge geschickt von der Eingangst├╝r weglotste. Das ist das eine.

Das andere ist eine Ersch├╝tterung, die ich erst diese Woche im Kongress wirklich greifen konnte und auch selbst sp├╝rte. Eine amerikanische Kollegin zeigte mir ihre verwackelten Fotos der Eindringlinge in die Kammer des Repr├Ąsentantenhauses. Ein Mitarbeiter der Pressestelle berichtete, wie der Mob gegen die T├╝ren des Pressebereichs h├Ąmmerte und er Gasmasken an Reporter verteilte. Seine Kollegin sagte, sie k├Ânne abends nur noch Feelgood-Filme schauen. Niemand von ihnen ist mir je als zartbesaitet aufgefallen.

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Eine Quelle, mit der ich immer mal wieder spreche, um zu verstehen, was im Kongress los ist, war au├čer sich. Der Mann ist sonst ein n├╝chterner Typ. Jetzt sagte er: ÔÇťAllein die Vorstellung, dass diese Arschl├Âcher dem Mob noch eine Tour gegeben habenÔÇŽÔÇŁ Das Schimpfwort, das er verwandte, klang noch etwas h├Ąrter. Es begann mit einem F.

Dieser Satz illustriert das ├╝berw├Ąltigende Gef├╝hl am besten: Im Kapitol f├╝hlt man sich verraten. Einem Mob ans Messer geliefert, mit tatkr├Ąftiger Unterst├╝tzung aus den eigenen Reihen.

Es kursieren unterschiedliche Vorw├╝rfe. Einige republikanische Abgeordnete sollen gar am Vortag sp├Ątere Randalierer herumgef├╝hrt haben ÔÇô die meinte der Kontaktmann mit dem F-Wort ÔÇô, mehrere Polizisten sollen dem Mob freundlich die Richtung gewiesen haben. Vieles ist nicht best├Ątigt, so viel aber doch eindeutig: Republikaner haben mit martialischen Worten den Mob befeuert und sich auch im Moment der Attacke so verhalten, dass sich manche ein zweites Mal verraten f├╝hlen.

Erst jetzt ahne ich, welche Traumata der 6. Januar noch hervorrufen wird.

Die linke Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez berichtete, wie sie selbst im gesicherten Raum, in den man viele Abgeordnete f├╝hrte, Angst um ihr Leben gehabt h├Ątte ÔÇô weil sie f├╝rchtete, dass Sympathisanten der Randalierer im selben Raum ihren Aufenthaltsort preisgeben k├Ânnten. Sie sprach auch von ÔÇťverr├Ąterischen Taten durch die PolizeiÔÇŁ. Ihre enge Verb├╝ndete Ayanna Presley sagte, sie habe den Sicherheitsraum wieder verlassen, als sie gesehen habe, dass dort die ÔÇťRassisten und Maskengegner, die den Mob erst aufgewiegelt habenÔÇŁ waren.

Marjorie Taylor Greene: Gekommen, um Regeln zu brechen.
Marjorie Taylor Greene: Gekommen, um Regeln zu brechen. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters-bilder)

Die Demokratinnen nannten keine Namen, meinten aber unter anderem zwei Abgeordnete, die erst in der vergangenen Woche vereidigt wurden: Marjorie Taylor Greene aus Georgia, die Wahlkampf mit QAnon-Verschw├Ârungstheorien machte und sich im Sicherheitsraum weigerte, eine Maske zu tragen. Oder Lauren Boebert aus Colorado, die darauf besteht, verbotenerweise mit Waffe ins Plenum zu kommen und w├Ąhrend des Sturms getwittert hatte, dass Pelosi jetzt die Kammer verlassen habe ÔÇô was als Signal an die gewaltbereiten Trupps verstanden worden ist.

Sie sind nach Washington gekommen, um Regeln zu brechen. So wie ihr Vorbild Donald Trump.

Extremisten, Waffen, und dann noch Corona ÔÇô das Vertrauen im Kapitol ist bis ins Mark ersch├╝ttert. Pelosi lie├č an den T├╝ren zur Kammer nun Metalldetektoren errichten. Weil sich manche Republikaner dran vorbeiquetschten, soll es k├╝nftig Strafen hageln: 5.000 Dollar beim ersten Vergehen. ├ähnlich, nur g├╝nstiger, sollen Maskenverweigerer belangt werden. Es sind nur Republikaner, die sich diesen Regeln widersetzen.

Nancy Pelosi und der neue Metalldetektor im Repr├Ąsentantenhaus: 5.000 Dollar Strafe beim ersten Regelversto├č.
Nancy Pelosi und der neue Metalldetektor im Repr├Ąsentantenhaus: 5.000 Dollar Strafe beim ersten Regelversto├č. (Quelle: Erin Scott/Reuters-bilder)

Auch ich war bei meinen Besuchen nach dem ├ťberfall ersch├╝ttert, wie ich das Kapitol vorfand. Ich mag diesen erhabenen Marmorbau, der ├╝ber Washington thront. F├╝r einen ausl├Ąndischen Korrespondenten ist es ein wunderbarer Arbeitsort. Wer sich etwas geschickt anstellt, bekommt hier Zugang zur Politik, den es im Wei├čen Haus so nicht gibt. Man kann die Politiker sprechen, auch bei historischen Momenten wie einem Impeachment einen Platz im Raum ergattern.

Es tat weh, die zerborstenen Scheiben an der Rotunde zu sehen, die Sperrholzplatten, die Fenster ersetzen, den M├╝ll, den der Mob auf den Fluren des Senats zur├╝cklie├č. Und dann wurde es surreal: In dieser Woche r├╝ckten immer mehr Nationalgardisten ein, schon zum Impeachment-Tag am Mittwoch war das Kapitol halb Kongress, halb Kaserne.

Ich konnte kaum fassen, was ich in den unterirdischen G├Ąngen sah. Links und rechts Hunderte Soldaten auf dem Marmorboden, die Schnellfeuerwaffen an W├Ąnde und S├Ąulen gelehnt, kein Feldbett, keine Decken. Die Verteidiger des Kapitols: schwer bewaffnet, schlecht versorgt und eine Woche zu sp├Ąt vor Ort.

Interessieren Sie sich f├╝r die US-Politik? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ├╝ber seine Eindr├╝cke aus den USA und den Machtwechsel von Donald Trump zu Joe Biden einen Newsletter. Hier k├Ânnen Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Im Kapitol kristallisierte sich eine Beklommenheit, eine Entr├╝stung heraus, die man in ganz Washington sp├╝rt. Die Stra├čensperren werden von Tag zu Tag mehr. Viele Bewohner hatten Angst vor dem 6. Januar und haben nun Angst vor Tagen rund um die Inauguration.

Aus Sorge vor neuem Aufruhr hat man Airbnb dazu gedr├Ąngt, s├Ąmtliche Buchungen im Gro├čraum Washington f├╝r diese Tage zu stornieren. Die National Mall, auf der sich bei Barack Obamas Amtseinf├╝hrung sehr viele und bei Donald Trump weniger Menschen dr├Ąngten, bleibt f├╝r normale B├╝rger gesperrt.

Noch f├╝nf Tage bis zum Machtwechsel. Dr├╝cken Sie uns die Daumen, dass es friedlich bleibt.

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