Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Gesellschaft >

Als die "gute alte Postleitzahl" verschwand

...

25 Jahre fünfstellig  

Als die "gute alte Postleitzahl" verschwand

24.01.2018, 09:04 Uhr | Wolf von Dewitz, dpa

. Rolf, das Maskottchen der Postleitzahlkampagne: "Hip, hop, Postleitzahl!" (Quelle: dpa/Wolfgang Weihs)

Rolf, das Maskottchen der Postleitzahlkampagne: "Hip, hop, Postleitzahl!" (Quelle: Wolfgang Weihs/dpa)

Als vor 25 Jahren die Post die Ziffern der Postleitzahlen von vier auf fünf erhöhte, hielten das viele für den Untergang des Abendlandes. Ein Rückblick.

Die Post erhöhte zuletzt zwar öfter die Preise für Briefmarken. Dafür ist die Ziffernzahl der Postleitzahlen seit 25 Jahren gleich geblieben. Die Umstellung von vier auf fünf Ziffern war den Deutschen nur schwer zu vermitteln.

Die Post setzte auf eine teure Werbekampagne und schickte eine Comicfigur namens Rolf ins Rennen. Die wollte dem Thema - mit Sonnenbrille und Hut bekleidet - tanzend Lässigkeit einhauchen: "Hip, hop, Postleitzahl!", sang er. Die Figur hatte fünf Finger - jeder Finger für eine Zahl. "Fünf ist Trümpf", bewarb Rolf das neue System.

Loriot mache Werbung für die Post

Schwer vorstellbar, dass die Werbebotschaft den Groll der Bürger damals beschwichtigte. Fernsehspots namhafter Regisseure waren da feinsinniger: Vicco von Bülow alias Loriot zum Beispiel ließ eine seiner Knubbelnasen-Figuren räsonieren. Die freute sich, dass es keinen Preisaufschlag gebe. "Lange Leberwürste kosten mehr als kurze, klar, aber die neuen langen Postleitzahlen eben nicht - also mehr Postleitzahl für dasselbe Geld", sagte er ironisch.

80 Millionen Mark ließ sich die Post die Werbekampagne im TV, Radio, in Zeitungen und auf Plakatwänden kosten. Am 29. Januar 1993 wurde das Vorhaben der Öffentlichkeit vorgestellt und am 1. Juli umgesetzt.

Bonn und Weimar hatten diesselbe Postleitzahl

Letztlich war die Umstellung überfällig. Denn die meisten Briefe wurden noch von Hand sortiert, mit dem neuen System konnten mehr Automaten genutzt werden. Und seit der Wiedervereinigung gab es 800 PLZ-Dopplungen: 4100 stand für Duisburg und Halle (Land), 5300 für Bonn und Weimar, 8900 für Augsburg und Görlitz - nur unterschieden mit einem W oder einem O für West- oder Ostdeutschland.

Das neue System mache die Sortierung wirtschaftlicher und effizienter, argumentierte die Post. Die ersten beiden Ziffern standen im neuen System für die Briefzentrum-Region und die drei weiteren Ziffern legen fest, ob die Post in Briefkästen von Häusern, in ein Postfach oder an Großkunden ging. Insgesamt schlug die Umstellung mit 400 Millionen Mark zu Buche. Betriebswirtschaftlich lohnte es sich dennoch, schließlich wurden viele Stellen abgebaut und die Personalkosten sanken. 

Rational gesehen war die Umstellung verständlich. Aber rational wurde das Thema nicht immer aufgenommen. Die "gute alte Postleitzahl", hieß es damals zum Beispiel in der "Zeit", "war immer mehr als nur eine abstrakt-schnöde Ziffernfolge". Die Zahl habe "Orientierung und Aufschluss in unserem immer unübersichtlicher werdenden Land" geboten. Bürgermeister meldeten sich verzweifelt zu Wort: Ihre Heimatorte müssten ihre Postleitzahl beibehalten, schließlich seien diese für das Städteimage enorm wichtig.

Fünf statt vier: 25 Jahre sind seit der Umstellung auf die fünfstellige Postleitzahl vergangen. (Quelle: dpa/Bernd Weißbrod)Fünf statt vier: 25 Jahre sind seit der Umstellung auf die fünfstellige Postleitzahl vergangen. (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa)

Menschen sind verunsichert, wenn Zahlen sich ändern

Die damalige Aufregung ist für den Psychologen Joost van Treeck im Rückblick keine Überraschung. Es gebe Bereiche, in denen man Veränderung nicht erwarte - dazu gehörten Zahlen, ob Postleitzahl oder die Kontonummer, die vor einigen Jahren bei Überweisungen auf IBAN-Nummer umgestellt wurde.

"Das sind Bereiche, in denen man denkt, "das war schon immer so und wird immer so sein"", sagt van Treeck. Ändert sie sich wider Erwarten doch, sei der psychologische Einschnitt umso härter - besonders wenn es eine große Gruppe an Menschen betreffe und somit Gesprächsstoff untereinander biete. "Auch wenn es rational gesehen etwas Unwichtiges ist, so gewinnt das Thema dann rasch an Relevanz."

Die Post bewertet die Umstellung im Rückblick als "durchweg positiv". "Sie hat maßgeblich zur Qualitätssteigerung beigetragen", sagt eine Post-Sprecherin. Auch dank der Werbekampagne mit dem tanzenden Rolf hätten die Bundesbürger schon bald die neuen Zahlen genutzt. "Trotz anfänglicher Skepsis waren wenige Monate nach der Einführung bereits 95 von 100 Briefen, Päckchen und Paketen mit korrekten neuen Postleitzahlen versehen."

Liebe Leserinnen und Leser, leider können wir bei bestimmten Themen und bei erhöhtem Aufkommen die Kommentarfunktion nicht zur Verfügung stellen. Warum das so ist, erfahren Sie in einer Stellungnahme der Chefredaktion.

Aktuelle Leserdiskussionen und Kommentare finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Sinnliche Nachtwäsche: ver- spielt, verführerisch & sexy
gefunden auf otto.de
Klingelbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • erdbeerlounge.de
  • kino.de
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018