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"Vogue": Margot Friedländer (102) kommt aufs neue Cover des Modemagazins


Modemagazin traut sich Außergewöhnliches
"Vogue" hebt Margot Friedländer (102) aufs Cover

Von t-online, mtt

17.06.2024Lesedauer: 3 Min.
Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer auf dem Titel der Sommer-Doppelausgabe: Das Leitthema der "Vogue"-Ausgabe heißt "Love".Vergrößern des BildesDie Holocaust-Überlebende Margot Friedländer auf dem Titel der Sommer-Doppelausgabe: Das Leitthema der "Vogue"-Ausgabe heißt "Love". (Quelle: Mark Peckmezian/VOGUE Germany/dpa)
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2024 hatte die deutsche "Vogue" bislang Supermodels, eine Musikerin und eine Schauspielerin auf dem Cover. Jetzt wagt sie etwas Besonderes.

Das Modemagazin "Vogue" bringt eine 102-Jährige auf das Cover seiner Ausgabe für die Monate Juli und August: die Berliner Holocaust-Überlebende Margot Friedländer.

Am Montag veröffentlichte die Zeitschrift die Fotos und die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Cover. Im Januar hatte die deutsche "Vogue" ein erstes Interview mit Friedländer geführt, Anlass war die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch sowjetische Soldaten.

Die Rote Armee fand damals, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, noch 7.600 Überlebende in dem Komplex, außerdem 843.000 Herrenanzüge, 837.000 Damenmäntel und 7,7 Tonnen menschliches Haar. Margot Friedländer, 1921 als Tochter jüdischer Eltern geboren, verlor ihre Mutter und ihren Bruder in Auschwitz. Auch ihr Vater wurde von den Nazis ermordet.

Margot Friedländer: "Seid Menschen. Menschen tun so etwas nicht"

Friedländer selbst überlebte den Holocaust im Konzentrationslager Theresienstadt. Sie war 23 Jahre alt, als die Rote Armee dort am 8. Mai 1945 den Schrecken der Nazi-Herrschaft beendete.

Die "Vogue" sprach mit Friedländer im Januar über erneut aufkeimenden Antisemitismus, Gaza, die Hamas und die Erfolge der AfD. Friedländer sagte Sätze wie: "Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur Menschenblut." Oder, zum Aufstieg der AfD und zu Deportationsphantasien von Rechtsextremisten: "Ich sage denen, was ich immer gesagt habe: Seid Menschen. Menschen tun so etwas nicht."

Jetzt ziert Friedländer das Cover der "Vogue". Die Aufnahmen mit ihr, die auch im Heftinneren zu sehen sind, entstanden im April.

Die entsetzliche Geschichte hinter einem der Accessoires

Friedländer trägt auf den Fotos einen roten Mantel von Miu Miu, eine rosafarbene Jacke von Emilia Wickstead sowie ein in florales Ensemble von Loro Piana. Es sind Hochglanzmodefotos, professionell angefertigt – mit einem bemerkenswerten Tiefgang. Friedländer hat für die Fotos sehr persönliche Accessoires angelegt, etwa die Bernsteinkette ihrer Mutter.

Diese Kette ist eines von ganz wenigen Erinnerungsstücken, die sie noch von ihrer Mutter besitzt. 1943 hatten die Mutter, Friedländers Bruder Ralph und Friedländer selbst vor den Nazis nach Oberschlesien fliehen wollen. Doch die Gestapo verhaftete Ralph. Die Mutter beschloss, ihren Sohn nicht alleine zu lassen. Ihrer Tochter hinterließ sie bei ihren Berliner Nachbarn lediglich eine Handtasche mit ihrem Adressbuch und der Bernsteinkette. Dazu die mündlich überbrachte Nachricht: "Ich habe mich entschlossen, mit Ralph zu gehen, wohin immer das auch sein mag. Versuche, dein Leben zu machen."

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Von da an lebte Friedländer in verschiedenen Verstecken in Berlin, sie färbte ihre schwarzen Haare rot. Im Frühjahr 1944 wurde sie von sogenannten Greifern im Auftrag der SS aufgespürt.

Margot Friedländer lebt in einem Berliner Seniorenheim

Nach dem Krieg ging sie in die USA. Nach dem Tod ihres Mannes schrieb sie ein Buch über ihre Geschichte, der Titel sind die letzten Worte ihrer Mutter an sie: "Versuche, dein Leben zu machen".

Auf Einladung des Berliner Senats kehrte Friedländer 2003 ein erstes Mal nach Deutschland zurück. Es folgten weitere Aufenthalte, 2010 ließ sie sich dann dauerhaft in einem Seniorenheim in Berlin nieder und wurde wieder eingebürgert. Als Überlebende und Zeitzeugin des Holocaust engagiert sie sich in der Erinnerungsarbeit, mit Lesungen, Vorträgen und vor allem bei Besuchen an Schulen.

Für ihre Arbeit gegen das Vergessen ist sie bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Unter anderem erhielt sie 2011 das Bundesverdienstkreuz am Bande und im Jahr 2023 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Für das Cover mit Friedländer bekam die deutsche "Vogue" am Montag viel Zuspruch. "Margot Friedländer ist eine wahre Schönheit, innerlich und äußerlich", fand eine Userin. Und die Journalistin Maike Klebl schrieb: "Bestes 'Vogue'-Cover aller Zeiten!"

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