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Prozess gegen Abou-Chaker: Bushido vergleicht Abzocke mit "Zwangsheirat"


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Bushido schildert System der Abzocke

Von dpa
Aktualisiert am 07.09.2020Lesedauer: 2 Min.
Rapper Bushido: Er habe über Jahre hinweg "unfreiwillig" Geld an den Clan-Chef gezahlt.
Rapper Bushido: Er habe über Jahre hinweg "unfreiwillig" Geld an den Clan-Chef gezahlt. (Quelle: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/Pool/Archivbild/dpa-bilder)
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Am inzwischen sechsten Verhandlungstag gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder hat Bushido über Zahlungen an den Clan-Chef ausgesagt. Jahrelang habe er "unfreiwillig" Geld gezahlt.

Rapper Bushido hat als Zeuge vor Gericht seine Beziehung zu Clan-Chef Arafat Abou-Chaker mit einer Zwangsheirat verglichen. Er habe versucht, sich trotz der aus seiner Sicht unberechtigten Forderungen seines ehemaligen Partners im Musikgeschäft und "unfreiwilligen" Zahlungen über Jahre hinweg "die Situation lebenswert zu machen", erklärte der Musiker am Montag als Zeuge vor dem Landgericht Berlin im Prozess gegen den Clan-Chef. So sei es auch zu mehreren gemeinsamen Immobiliengeschäften gekommen. Inzwischen laufe neben dem Strafverfahren auch eines vor einem Zivilgericht, sagte Bushido.


Prozess gegen Abou-Chaker: Zahlreiche Rapper sagen aus

Arafat Abou-Chaker: Der Clan-Chef und ehemalige Geschäftspartner von Bushido ist Hauptangeklagter. Er soll den Rapper unter anderem bedroht, beschimpft und verletzt haben.
Rapper Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi: Er ist Nebenkläger im Prozess. 2017 hat er die geschäftliche und private Beziehung zum Abou-Chaker-Clan aufgelöst.
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Der 41-jährige Rapper und der 44-jährige Arafat Abou-Chaker, Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie, galten über Jahre hinweg als Partner im Musikgeschäft. Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido die Geschäftsbeziehungen 2017 aufgelöst hatte. Der Clan-Chef habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert.

"Ich bin in erster Linie Musiker und habe nicht die Ahnung von Immobilien" sagte Bushido auf Nachfragen des Gerichts. Arafat Abou-Chaker sei federführend gewesen. "Wenn er sagte, er brauche eine Vollmacht für einen Vertrag, dann habe ich das gemacht." So sei es Ende 2010 auch zu einer Generalvollmacht gekommen, die allerdings begrenzt auf ein Geschäft gewesen sei, erklärte der Musiker. "Ich hatte nicht gedacht, dass ich betrogen werden könnte."

Clan-Chef wolle lebenslang an Bushido verdienen

Erste Kontakte zu Arafat gab es laut Bushido bereits 2004. Der Clan-Chef habe ihm geholfen, als sein damaliges Plattenlabel einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen sollte. Abou-Chaker habe einem der Gesellschafter eine Ohrfeige verpasst und ihn am Ohr gepackt. Bushido räumte ein, damals habe er nicht eingegriffen, weil er sich nicht in der Position gesehen habe, etwas zu sagen. Zudem sei er überrascht gewesen von der tätlichen Auseinandersetzung und habe nicht zwischen die Fronten geraten wollen. Für seine Hilfe habe der Clan-Chef dann "30 Prozent von allem" gefordert und erhalten.

Bushido erklärte am inzwischen sechsten Verhandlungstag weiter, im Zivilverfahren sei unter anderem eine angebliche Vereinbarung aufgetaucht, die sein Ex-Geschäftspartner "mit sich selber" abgeschlossen habe, um "lebenslang an meinen Sachen zu verdienen". Der Rapper gab an, von dieser "komischen Vereinbarung" erst im Oktober 2019 erfahren zu haben. Bushido befindet sich bereits seit vier Verhandlungstagen im Zeugenstand.

Der Rapper soll laut Anklage im Dezember 2017 und Januar 2018 bedroht, beschimpft eingesperrt und mit einer Wasserflasche sowie einem Stuhl attackiert worden sein. Drei Brüder des Clanchefs im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter mitangeklagt. Die Männer haben zu den Vorwürfen bisher geschwiegen. Nur der 39-Jährige befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue. Die Verhandlung, die unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen läuft, wird am 9. September fortgesetzt.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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