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Streetworker: "Die Leute konsumieren alles, was törnt"

Von Kriss Rudolph

Aktualisiert am 20.02.2021Lesedauer: 2 Min.
Eine Szene aus dem Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo": Das Klientel in der City West hat sich in den letzten 40 Jahren gewandelt.
Eine Szene aus dem Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo": Das Klientel in der City West hat sich in den letzten 40 Jahren gewandelt. (Quelle: United Archives/Metodi Popow/imago-images-bilder)
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Das Buch und der Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erschĂŒtterten einst die Republik. Nun hat Amazon den Stoff als Serie aufbereitet. Was ist nach ĂŒber 40 Jahren aus der Szene am Zoo geworden?

Das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von Christiane F. erschien 1978: In der Disko "Sound" nahm die Teenagerin die ersten Drogen, landete bei Heroin und ging auf den Strich, um sich die Sucht zu finanzieren.

Juri Schaffranek ist mit der Szene vertraut. Bevor er Streetworker wurde, ging auch er ins "Sound", kannte den Strichjungen Detlef, Christianes Freund. Seit bald 38 Jahren ist Schaffranek im Einsatz, arbeitet beim Verein "Gangway" in der Straßensozialarbeit.

"Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erschien 1978 und beschreibt anhand der Protagonistin Christiane F. das Leben von drogenabhÀngigen Kindern und Jugendlichen im ehemaligen West-Berlin. 1981 ist das biografische Buch verfilmt worden. Am 19. Februar startet bei Amazon Prime die Serienadaption.

Ihren Ursprung hatte die Drogenszene in Wilmersdorf, erzĂ€hlt der 61-JĂ€hrige. Vom Ludwigkirchplatz, knapp zwei Kilometer sĂŒdlich vom Zoo, zog sie sich ĂŒber den Ku'damm bis zum Breitscheidplatz und zum Bahnhof Zoo. "Dort, in der Jebenstraße, gab es in den 70er Jahren eine der berĂŒhmtesten Stricherszenen in Berlin, wenn nicht ganz Deutschland", erinnert sich Schaffranek. "Hier gingen die Jungs anschaffen, dadurch bildete sich die Drogenszene am Zoo."

Drogenszene wurde vertrieben

Das Pendant dazu war die KurfĂŒrstenstraße, der "Babystrich" hatte sich aus der NĂ€he zum "Sound" in der Genthiner Straße entwickelt. Die jĂŒngsten MĂ€dchen hier waren zwölf Jahre alt.

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Obdachlose schĂŒtzen sich am Bahnhof Zoo vor der KĂ€lte: Die Drogenszene wurde aus der City West wurde vertrieben – geblieben sind Obdachlose.
Obdachlose schĂŒtzen sich am Bahnhof Zoo vor der KĂ€lte: Die Drogenszene wurde aus der City West wurde vertrieben – geblieben sind Obdachlose. (Quelle: Ina Peek/Symbolbild/imago-images-bilder)

Die offene Szene am Zoo war der Politik und Polizei ein Dorn im Auge. "Und die 'AG City West' wollte sich von den Junkies nicht das GeschĂ€ft kaputt machen lassen." Also wurde die Szene ab Mitte der 80er Jahre zerschlagen. Viele kleine Szenen entstanden: Nollendorfplatz, BĂŒlowbogen, Stuttgarter Platz. Am Zoo trifft man heute nur noch Alkoholiker und Obdachlose. Opiate konsumiert hier kaum einer, sagt Schaffranek.

AuffÀllig: Alle offenen Szenen sind im Westen. Nur nach dem Mauerfall gab es mal kleinere Szenen am Weinbergspark und am Boxhagener Platz, aber da ging es vor allem um Alkohol. Dass neue Szenen entstehen, ist selten.

Obdachlosigkeit gestiegen

Kein Ort in Berlin sei mit dem Zoo von einst vergleichbar, außer das Kottbusser Tor, laut Schaffranek vor allem eine Opiate-Szene. Reine Heroinkonsumenten gebe es auch nicht mehr. "Die Leute konsumieren alles, was irgendwie törnt."

Neben der Zersplitterung der Szene erschwert dieser "polytoxe Konsum" seine Arbeit. Es gebe eine starke Verelendungstendenz bei den Konsumenten, dazu das Problem der Obdachlosigkeit. Vor 30 Jahren gab es noch ausreichend Wohnraum.

Noch etwas ist anders: Damals griff, wer auf Opiaten war, recht schnell zur Spritze. "Die effektivste Verwertung", sagt Schaffranek – leider auch der schnellste Weg in die körperliche Verwahrlosung. Heute wird eher geraucht oder gesnieft.

Filmszene aus "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" vor dem "Sound": Vor 40 Jahren wollten viele, die das Buch gelesen hatten, in diese Disko.
Filmszene aus "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" vor dem "Sound": Vor 40 Jahren wollten viele, die das Buch gelesen hatten, in diese Disko. (Quelle: United Archives/Archivbild/imago-images-bilder)

Das Buch von Christiane F., sagt der Streetworker, wurde immer als Anti-Drogenmanifest gesehen. Passiert sei das Gegenteil. "Wer damals auf Klassenfahrt nach Berlin kam, wollte natĂŒrlich ins 'Sound', die Szene kennenlernen, vielleicht mal Heroin probieren. Der Laden war Anfang der 80er Jahre auf dem absteigenden Ast, bekam aber durch das Buch nochmal eine enorme AttraktivitĂ€t."

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GrundsĂ€tzlich probiere jeder mal sogenannte "illegalisierte Substanzen" aus. Aber nur etwa sieben bis zehn Prozent der Menschen werden abhĂ€ngig. Von allen Drogen hĂ€lt Schaffranek fĂŒr die problematischste Substanz ohnehin den Alkohol.

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