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Chemnitz forciert Kulturhauptstadt-Projekte

Von dpa
03.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Chemnitz
Radsportler werben f├╝r die Kulturhauptstadt 2025 und das Projekt "European Peace Ride". (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Unter dem Eindruck rechtsextremer Ausschreitungen haben die Chemnitzer ihre Kulturhauptstadt-Bewerbung gezimmert und sich im Herbst 2020 gegen die starke Konkurrenz durchgesetzt. Ein Kernanliegen ist, die "stille Mitte" der Gesellschaft zu aktivieren. Kann das funktionieren? Der Unmut ├╝ber die Corona-Ma├čnahmen gibt derzeit wieder Rechtsextremen in Sachsen Auftrieb, die Woche f├╝r Woche f├╝r illegale Aufz├╝ge trommeln. Und mancherorts bricht sich wieder Gewalt Bahn. Dass sich K├╝nstler davon abschrecken lassen, glaubt Programmdirektor Stefan Schmidtke nicht. "Ich bin mir sicher, dass Kultur und die Auseinandersetzung mit Kultur hier einiges bewegen kann."

100 Seiten ist das "Bid Book" stark, mit dem Chemnitz den Zuschlag f├╝r die Kulturhauptstadt Europas 2025 gewonnen hat - neben Nova Gorica in Slowenien. Von einer "Ideensammlung" spricht Schmidtke, der seit Anfang Dezember an der Spitze der Kulturhauptstadt-GmbH steht. "Der n├Ąchste Schritt ist, daraus ein belastbares Programm zu machen. Wir sind an dem Punkt, aus dem Abstrakten ins Praktische zu wechseln." 72 Ideen enthalte das Buch, aus denen nun konkrete Projekte gemacht w├╝rden. Diese h├Ątten Priorit├Ąt, doch sei geplant, k├╝nftig noch einmal die T├╝ren f├╝r weitere Vorschl├Ąge zu ├Âffnen. Im Sommer 2023 soll der EU dann ein fertiges Programm vorgelegt werden.

Erste Pfl├Âcke wurden vergangenes Jahr eingeschlagen. Radsportler gaben mit einer Tour nach Prag einen Vorgeschmack auf den "European Peace Ride", mit dem Sportkultur gefeiert werden soll. Im November wurde mit der Pflanzung erster B├Ąume das Gro├čprojekt "We Parapom" gestartet - der Auftakt f├╝r eine Parade von bis zu 4000 Apfelb├Ąumen quer durch die Stadt. Sie soll symbolisch Grenzen ├╝berwinden, Menschen zusammenbringen und den Umgang mit Umwelt und Lebensmitteln reflektieren. Derweil ist der Kunstexperte Alexander Ochs unabl├Ąssig rund um Chemnitz unterwegs, um den "Purple Path" zu entwickeln. Der Kunst- und Kulturpfad soll die Stadt mit dem Umland verbinden. Dazu wurde auch ein Nussknacker zur Raumstation ISS geschickt.

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In einem Monitoring lobte die EU-Jury j├╝ngst die Fortschritte und "den hohen Grad an Professionalit├Ąt" des Chemnitzer Teams, gibt ihm aber auch einige Hausaufgaben. So m├╝sse das Konzept der "Maker" (Macher) genauer herausgearbeitet werden. Sonst sei es ein reiner Modebegriff, unter dem alles M├Âgliche zu verstehen sei. Und die Experten mahnen mehr Tiefgang mit Blick auf den Umgang mit Menschen am rechten Rand der Gesellschaft und ihren Ansichten an. Es m├╝ssten kreative Wege gefunden werden, sich mit Verbreitung von rechtem Gedankengut in Teilen der Bev├Âlkerung auseinanderzusetzen, ohne diese Menschen auszuschlie├čen.

Denn die Kulturhauptstadt 2025 will nicht nur ein Projekt zur Stadtentwicklung sein, sondern hat sich die Gesellschaftsentwicklung auf die Fahnen geschrieben. Erkl├Ąrtes Ziel ist es, die "stille Mitte" in den Fokus zu r├╝cken. Gemeint sind jene Menschen, die sich nicht an politischen Debatten beteiligen, sich nicht politisch engagieren und so indirekt wom├Âglich einer gesellschaftlichen Radikalisierung Vorschub leisten. Dass es gelingt, diese "stille Mitte" zu aktivieren, dazu herrscht jedoch noch Skepsis, wie eine Umfrage der Technischen Universit├Ąt Chemnitz bei Vereinen, Verb├Ąnden und Initiativen ergab.

"Mein Ziel ist es, Atmosph├Ąren zu schaffen, wo sich die Menschen wohlf├╝hlen", betont Schmidtke. Dann k├Ąmen sie auch auf andere Gedanken. 2022 will er parallel zum Aufbau tragf├Ąhiger Strukturen weiter Appetit auf 2025 machen. Neben einem Chorfest sei dazu ein Festival unter dem Titel "Makers United" geplant als Treffen von Kulturschaffenden und B├╝rgern in der Stadt. Und auch die Parade der Apfelb├Ąume wird weiter wachsen. K├╝nftig sollen noch mehr Fl├Ąchen entsiegelt und jeweils im Fr├╝hjahr und im Herbst weitere B├Ąumchen in die Erde gebracht werden.

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