Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Pfarrerin trauert um Corona-Tote und erhÀlt Morddrohungen

Von Nils Heidemann

Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Pfarrerin Melanie Jansen: Sie lÀsst sich von den Drohungen nicht abschrecken.
Pfarrerin Melanie Jansen: Sie lÀsst sich von den Drohungen nicht abschrecken. (Quelle: Kreuz-Kirchengemeinde Herne)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Eine Pfarrerin hĂ€lt Friedensgebete fĂŒr die Corona-Toten in Herne. Seitdem hat sie zwei Nachrichten mit Todesdrohungen in ihrem Garten gefunden. Aufhören ist fĂŒr sie trotzdem keine Option.

Die Pfarrerin Melanie Jansen aus Herne hat seit Dezember zwei Morddrohungen erhalten. Der Grund: WĂ€hrend Gegner der Corona-Maßnahmen durch die Stadt ziehen, gedenkt sie zeitgleich zusammen mit dem BĂŒndnis Herne der durch die Pandemie verstorbenen BĂŒrger.

"Ihr seid tot", stand auf einem Zettel, den Unbekannte im Dezember in ihren Vorgarten legten. Dazu ein aufgemalter, qualmender Revolver und 25 Batterien. Ein zweites Mal fand Jansen im Januar ein Taschentuch mit einer Drohung unmittelbar vor dem Hauseingang. "Dort lagen 60 Zigarettenkippen und es wurde Asche auf das von uns geparkte Wohnmobil gekippt", sagt sie im GesprĂ€ch mit t-online. Außerdem: "Das zusammengeknĂŒllte Taschentuch auf dem 'Tot!' stand."

Weitere Artikel

Demoverbot gekippt
Mehrere hundert bei Querdenker-Protesten in MĂŒnchen
Polizisten begleiten eine illegale Demonstration in der Kaufingerstraße (Archivbild): Wegen eines Gerichtsbeschlusses scheinen sich Corona-Maßnahmen-Gegner nun im Recht zu sehen.

Eine der Àltesten Berlins
ArchĂ€ologen entdecken uralte Straße am Molkenmarkt
Bei einem Pressetermin stehen zahlreiche Menschen an dem ausgegrabenen mittelalterlichen Bohlendamm, der bei Bauarbeiten unweit des Roten Rathauses entdeckt wurde: Die Straße ist Hunderte Jahre alt.

Blitzeinbruch in Essen
Diebe rammen TĂŒr von Juwelier mit Auto auf
Der Eingang des JuweliergeschĂ€fts: Die TĂ€ter sollen die TĂŒr mit Hilfe eines Auto geöffnet haben.


Pfarrerin erhÀlt Morddrohungen: Staatsschutz ermittelt

"Ich war fassungslos und absolut geschockt. Das war außerhalb meiner Vorstellungskraft. Ich wusste erst gar nicht, was ich denken soll." Sie kontaktierte die Polizei und erstattete Anzeige. Der Staatsschutz geht der Sache weiterhin nach und ermittelt gegen unbekannt. Auch die Ermittler halten es demnach fĂŒr möglich, dass die Drohungen mit den Friedensgebeten in Zusammenhang stehen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige GefĂ€ngnis "Number Four", in dem wĂ€hrend der Apartheid in SĂŒdafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: WĂ€hrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ĂŒber Waffenlieferungen fĂŒr die Ukraine gestritten.


Diese Gebete gibt es schon lĂ€nger, die Vorgeschichte beginnt lange vor Corona. "Bereits vor drei Jahren hat es in Herne 'SpaziergĂ€nger' gegeben, die klar der rechten Szene zuzuordnen sind", so Jansen. Diese Gruppen aus Bikern, Hooligans, WutbĂŒrgern und Rechtsextremisten gingen unter anderem "gegen illegale Einwanderung" auf die Straße. Die Gruppierung geriet schnell in den Fokus des Verfassungsschutzes.

Friedensgebet in Herne: Dutzende Personen gedenken der Corona-Toten der Stadt.
Friedensgebet in Herne: Dutzende Personen gedenken der Corona-Toten der Stadt. (Quelle: Kreuzkirche Herne/Melanie Jansen)

"Die haben sich vor unserer Kreuzkirche versammelt. Daraufhin haben wir diese Friedensgebete als Gegenveranstaltung eingefĂŒhrt", so Jansen.

Als sich solche "SpaziergĂ€nge" durch Corona in den vergangenen Monaten erneut hĂ€uften, kam das BĂŒndnis Herne – ein Zusammenschluss von BĂŒrgern, Parteien, Gewerkschaften und Glaubensgemeinschaften – auf Jansen zu. "Wir mĂŒssen ein Zeichen setzen", so die Überlegung des BĂŒndnisses und Jansen Anfang Dezember. Man habe beobachtet, dass viele Personen von damals auch bei den jetzigen "SpaziergĂ€ngen" dabei waren.

Der Grundtenor: "Wir wollen kein rechtes Gedankengut in unserer Stadt", sagt Jansen. Dass Rechtsextreme an Anti-Corona-Demos teilnehmen, ist nicht neu. Personen aus dem rechten Milieu suchen vermehrt den Schulterschluss mit der bĂŒrgerlichen Mitte, um Staat und Gesellschaft anzugreifen.

Das BĂŒndnis Herne und Pfarrerin Melanie Jansen (l.): Sie sprechen sich gegen rechtes Gedankengut aus.
Das BĂŒndnis Herne und Pfarrerin Melanie Jansen (l.): Sie sprechen sich gegen rechtes Gedankengut aus. (Quelle: Kreuzkirche Herne/Melanie Jansen)

Daraufhin organisierten Jansen und Co. auf dem Europaplatz als Gegenveranstaltung erneut ein Friedensgebet – interreligiös und mit 160 Teilnehmern. "Wir sind auch ĂŒberhaupt nicht auf Konfrontation gegangen. Wir haben einfach den Corona-Verstorbenen unserer Stadt Herne gedacht und uns solidarisch gezeigt mit den Angehörigen." Am Morgen danach erhielt Jansen die erste Morddrohung. Die zweite folgte nach einem Friedensgebet am 15. Januar.

"Man ist anschließend mit einem unguten GefĂŒhl aus dem Haus gegangen", sagt sie rĂŒckblickend. Deshalb sei sie im stetigen Kontakt mit der Polizei, auch mit Blick auf die Sicherheit. Dennoch: "Aufhören ist wirklich keine Option. Wir werden auf jeden Fall weitermachen." Und so lĂ€dt das BĂŒndnis am kommenden Samstag (22. Januar) erneut um 11 Uhr auf den Robert-Brauner-Platz in Herne ein, um der Corona-Toten zu gedenken. Auch die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen sicherte der Pfarrerin "umfĂ€ngliche UnterstĂŒtzung" zu.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Jansen selbst hĂ€lt die Corona-Maßnahmen fĂŒr wichtig und ist geimpft. Trotzdem sei es das Recht der BĂŒrger, gegen die derzeitigen Regelungen oder eine Impfpflicht zu demonstrieren. Aber: "Es hört da auf, wo Menschen gewalttĂ€tig werden, Gewalt androhen oder Menschen angegriffen werden. Da ist dann einfach Ende."

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Dietmar Nolte
CoronavirusHernePolizei

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website