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Dortmund: Sportverein will Neonazi loswerden – und scheitert


Sportverein will Neonazi loswerden – und scheitert

Von Nils Heidemann

22.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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TuS Deusen setzt ein Zeichen: Für Respekt, Vielfalt und Toleranz.
TuS Deusen setzt ein Zeichen: Für Respekt, Vielfalt und Toleranz. (Quelle: TuS Deusen)
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Bei TuS Freiheit Deusen in Dortmund kickt seit 2018 ein stadtbekannter Neonazi in der Altherren-Mannschaft. Der Verein wendet sich damit an die Öffentlichkeit denn sie können ihn nicht hinauswerfen.

Im Jahr 2019 klingelte beim TuS Freiheit Deusen das Telefon. "Wisst ihr eigentlich, wer da bei euch im Verein spielt?", fragte der Staatsschutz und fügte hinzu: "Wir beobachten den Mann." Bei dem Mann handelt es sich um einen aktiven und stadtbekannten Neonazi, der bei den Alten Herren gegen den Ball tritt. Zuerst hatte der WDR darüber berichtet.

"Wir waren wie vor dem Kopf gestoßen", sagt Tobias Walther, Jugendleiter beim Verein, rückblickend im Gespräch mit t-online. Walther war damals für das Passwesen zuständig. Als der Neonazi im Verein anfangen wollte, war er damit einverstanden.

"Mir wurde mitgeteilt, dass die Person bereits längere Zeit im Gefängnis gesessen hatte und auch in der rechtsextremen Szene aktiv war", sagt er. Und dennoch: Rehabilitation gehöre dazu, deshalb sollte er eine Chance bekommen, so die damalige Argumentation.

Verein wird Neonazi nicht los: Rausschmiss nicht ohne Weiteres möglich

"Dass er noch aktiv ist, das wussten wir nicht. Ich hätte damals auf jeden Fall noch mehr recherchieren sollen", gibt Walther zu. Dabei hätte er herausgefunden, dass der Mann für acht Jahre im Gefängnis saß, weil er laut den "Ruhr Nachrichten" bei einem Raubüberfall einen Mann mit Migrationshintergrund angeschossen hatte. Er war demnach außerdem einer der führenden Köpfe der verbotenen militanten Neonazi-Organisation "Combat 18" und wirkte noch 2020 unterstützend im Wahlkampf für die Partei "Die Rechte" mit.

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Im Verein fiel mit der Zeit ein szenetypisches Tattoo bei dem Neonazi auf. Grund dafür war auch, dass er und weitere Vereinsmitglieder für eine Stickeraktion fotografiert wurden. Das Tattoo war dabei sichtbar. "Daraufhin haben ihn mehrere Menschen aus dem Verein wiedererkannt und sind auf uns zugekommen", so Walther. Einen Neonazi im Verein zu haben – für TuS Deusen ein absolutes No-Go.

Der Verein versuchte daraufhin, den Neonazi auszuschließen – ohne Erfolg. "Das ist leider nicht leicht. Man kann niemanden einfach so aus dem Verein herausschmeißen. Das ist an die Satzung gebunden." Und die sagt laut Walther über einen solchen Fall nichts aus.

Einberufene Gespräche mit dem Neonazi liefen ins Leere. Er nahm nicht daran teil und wollte im Verein bleiben. Sogar einen Anwalt schaltete TuS Deusen ein. Doch auch dieses Mal erschien der Neonazi nicht zum Termin, ließ lediglich verlauten: "Ich möchte nicht austreten".

Dem Verein ist Transparenz wichtig

Durch Corona geriet das Thema zunächst in den Hintergrund. Ende 2020 dann ein neuer Anlauf: Der Verein kontaktierte neben der städtischen Stelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auch den Landessportbund und die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus (MBR).

Leroy Böthel von der MBR sagte diesbezüglich im Gespräch mit dem WDR: "Unser Eindruck war schon, dass es da hinter vorgehaltener Hand viele Gespräche gab zu dem Thema. Es gibt viele, die sich da auch dran stören, sich aber nicht getraut haben, sich da zu positionieren." Wichtig sei es jedoch, das Thema im Verein publik zu machen und die Mehrheit hinter sich zu spüren.

Mannschaften sagen Freundschaftsspiele ab

Nachdem der Verein versucht hatte, das Thema intern aufzuarbeiten, ging er nun mit einer neuen Strategie an die Öffentlichkeit. "So können wir nach außen kommunizieren, wie viel wir in der ganzen Gelegenheit schon machen", sagt Walther. "Beim TuS Deusen wird Vielfalt gelebt – Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art haben hier keinen Platz", heißt es aus einer Pressemitteilung des Vereins, in der der Neonazi auch aktiv angesprochen wird.

Man habe zudem viele Aktionen gegen Rechtsextremismus ins Leben gerufen, insbesondere in der Jugend. Ein Beispiel: Zuletzt waren sie beim Spiel der U19 des BVB gegen Atlético Madrid im Dortmunder Signal-Iduna-Park. Im Gepäck: ein großes Antirassismus-Banner. "Wir haben das Thema zielgerichtet mit der Jugend besprochen und versucht, es ihnen kindgerecht beizubringen".

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TuS Deusen versucht weiterhin – mit größtmöglicher Transparenz und weiteren geplanten Maßnahmen – den Neonazi aus den eigenen Reihen zu drängen. "Uns geht es darum, dass wir das Problem lösen. Wir wollen uns aber auch langfristig aufstellen und ein Leitbild erarbeiten, an das sich unsere Vereinsmitglieder halten", so Walther.

Und die Reaktionen innerhalb des Vereins? Man habe viele positive Reaktionen für den Schritt an die Öffentlichkeit bekommen. Viele Mitglieder würden aber nicht verstehen, warum man den Mann nicht einfach herausschmeißen könne.

Andere hingegen – Teile des Altherren-Teams – stellen sich hinter den Neonazi. Sie argumentieren laut Walther, er habe sich dort im Verein nichts zuschulden kommen lassen. "Das stimmt so auch", sagt er, "dennoch wollen und können wir das nicht dulden. Jeder muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, mit einem aktiven Neonazi den Platz zu teilen", sagt Walther.

Andere Vereine ziehen bereits die Reißleine. Sie reagierten und sagten Freundschaftsspiele gegen die Alten Herren von TuS Deusen ab, um sich mit dem Verein zu solidarisieren und ein Zeichen zu setzen. Tobias Walther ist dankbar für die Unterstützung.

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Tobias Walther vom TuS Freiheit Deusen
  • TuS Deusen: Pressemitteilung
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